Montag, Dezember 5, 2022

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Auntie digitale Lösungen für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Mitarbeitern

Stellen Sie sich und das Startup Auntie doch kurz unseren Lesern vor!

Aber klar doch! Ich bin Mervi, CEO und Gründerin des finnischen Start-ups Auntie. Wir bieten eine digitale Lösung für Unternehmen, die das psychische Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter:innen verbessern wollen. Wir Finnen sind seit Jahren die Nummer eins im World Happiness Report, aber auch wir haben Probleme mit Überarbeitung und zunehmenden psychisch bedingten Krankheitsausfällen.

Ich selbst habe 2015 unter Burnout gelitten und aus erster Hand erfahren, wie schwierig es ist, angemessene und schnelle Hilfe zu finden. Mir war jedoch auch klar, dass frühzeitige Hilfe und Prävention genauso wichtig sind wie Therapie in akuten Krisenzeiten, und so entstand die Idee zu Auntie. 

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Der Impuls Auntie zu gründen, entstand aus meiner persönlichen Erfahrung heraus. Ich war frustriert darüber, wie langsam und schwierig der Prozess war, mir professionelle Hilfe zu holen. Dabei stellte ich fest, dass ich mit dem Problem alles andere als allein war. Die Ursache dafür sind strukturelle Probleme, die vor allem in den letzten Jahren immer deutlicher zutage getreten sind. Ironischerweise wirkt sich der langwierige Prozess, professionelle Hilfe zu erhalten, ebenfalls negativ auf die psychische Gesundheit aus.

Meine Schlussfolgerung war, dass die Hilfe viel früher ansetzen sollte, und zwar dort, wo viele Probleme ihren Ursprung haben: im betrieblichen Gesundheitsmanagement bzw. dessen bisherigem Ausklammern mentaler Gesundheit. Und wir sind mit unserem Ansatz nicht allein: Forschung und Erfahrung zeigen, dass gesunde und zufriedene Mitarbeiter:innen für Unternehmen nachhaltig besser sind: Weniger krankheitsbedingte Ausfälle, höhere Produktivität – die Liste der Vorteile ist lang.

Welche Vision steckt hinter Auntie?

Wir wollen psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz für alle möglich machen und psychische Gesundheitsprobleme entstigmatisieren. Unsere Lösung soll leicht zugänglich und gleichzeitig persönlich und vertraulich sein. Mit unserem Angebot tragen wir dazu bei, die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen und die Unternehmenskultur zu stärken.

Ursprünglich sollte Auntie ein mobiles Game sein. Wir haben allerdings schnell gemerkt, dass seelisches Wohlbefinden eine menschliche Note braucht. Die Pandemie hat das einmal mehr bewiesen. 2016 kamen dann die ersten Auntie Professionals dazu. Inzwischen arbeiten wir mit über 120 staatlich geprüfte Therapeut:innen zusammen, die unseren Kund:innen in über 20 Sprachen zuhören und mit Rat zur Seite stehen. Wir bieten zwölf verschiedene Pakete an, die jeweils auf ein bestimmtes Problem oder eine Herausforderung im Berufs- oder auch Privatleben ausgerichtet sind, wie z. B. neue Herausforderungen im Beruf, Einsamkeit, Schlaflosigkeit oder die Rückkehr ins Büro.

Psychische Gesundheit ist ein großes und wichtiges Thema, welches sich immer mehr Unternehmen annehmen. Sie wollen ihre Mitarbeitenden dahingehend unterstützen. Was wir zusätzlich bieten und was uns auszeichnet, sind messbare Ergebnisse. Wir sind davon überzeugt, dass jede Anstrengung in diesem Bereich auf klaren, messbaren Daten beruhen muss, sonst werden Wohlfühlangebote für Unternehmen zum schmückenden Beiwerk ohne nachweisbaren Nutzen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wie bei so vielen anderen Start-ups auch mussten wir in Aunties Frühphase das gesamte Team umstrukturieren. Das war ein kräftezehrender, langwieriger Prozess, der das Unternehmen fast zu Fall brachte. Ich war schon kurz davor, das Vorhaben aufzugeben, nachdem die Dinge so aufgeheizt waren. Doch zu guter Letzt ließ sich alles klären und ich konnte weitermachen. Vor unserer aktuellen Seed-Runde durch Verdane, sind wir mit kleineren Angel-Investitionen gestartet.

Wer ist die Zielgruppe von Auntie?

Unsere Zielgruppe sind Personalverantwortliche in Unternehmen. Viele von ihnen haben das Thema psychische Gesundheit bereits im Blick und einige Unternehmen haben sogar spezielle Positionen wie Chief Happiness Officer, Chief Wellness oder Feelgood Manager geschaffen. All diese Positionen wurden in erster Linie geschaffen, um das psychische Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu gewährleisten und zu verbessern. Wie die Stellenbezeichnung lautet und wie groß das Unternehmen ist, spielt für uns letztlich keine Rolle: Wenn die Person für das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen verantwortlich sind, zählt sie zu unserer Zielgruppe.

Wie funktioniert Auntie? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wie gesagt, wir haben derzeit zwölf Pakete für verschiedene Probleme und Herausforderungen des Alltags und des Berufslebens. Unternehmen können sie ihren Mitarbeitenden diskret zur Verfügung stellen. Das Konzept von Auntie senkt die Hemmschwelle, ein Gespräch zu eröffnen, und das vertrauliche Angebot bietet einen arbeitsmedizinischen Service, der nicht direkt mit dem Arbeitgeber verbunden ist. Unser Ansatz ist es jedoch, unsere Kunden und deren Mitarbeiter:innen damit nicht allein zu lassen, da unser Service einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Wir bieten Webinare an, die wir mit der Belegschaft zu verschiedenen Themen abhalten, und wir liefern den Unternehmen messbare Ergebnisse. Das ist auch das, was uns von vielen anderen Anbietern unterscheidet. 

Mit klaren KPIs und Dashboards für die HR-Expert:innen auf Kundenseite wird die Wirkung der niedrigschwelligen Unterstützung für Mitarbeiter DSGVO-konform messbar gemacht. Ohne ordentliche Daten und Zahlen sind Dienste wie der unsere zwar eine gute Möglichkeit für das Employer Branding, aber insgesamt nicht sehr effektiv und ehrlich gesagt eher dekorativ als eine echte Verbesserung. Wir ändern das.

Mervi, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Der Weg hat uns gerade von unserem Heimatland und anderen europäischen Märkten hierher in die DACH-Region geführt. Darüber sind wir sehr stolz und glücklich. Jetzt sind wir dabei, uns hier zu etablieren, unser Team aufzubauen und uns bei den Kunden bekannt zu machen. Wir hoffen, dass wir in fünf Jahren die führende Lösung für mentales Wohlbefinden für Organisationen aller Größenordnungen sein werden. Außerdem erweitern wir unsere Dienstleistungen und Angebote stetig. Und wir lernen weiterhin aus den Erfahrungen und Daten dazu, um fortlaufend besser zu werden.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Das Wichtigste ist, dass jeder seinen eigenen Weg geht und seine eigenen Erfahrungen macht. Generell würde ich Gründer:innen aber raten, an ihr Produkt zu glauben, es aber gleichzeitig ständig zu hinterfragen und zu optimieren. Es ist wichtig, nah an den Kunden zu sein und das Feedback mitzunehmen. 

Es ist auch wichtig, sich mit der eigenen Unternehmenskultur auseinanderzusetzen, denn mit einem zufriedenen und motivierten Team kommt man leichter und nachhaltiger voran.

Insofern wäre mein letzter Tipp, eine finnische Lösung für mentales Wohlbefinden in das eigene betriebliche Gesundheitsmanagement aufzunehmen, *zwinker*.

Wir bedanken uns bei Mervi-Lamminen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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