Nichts ist mehr wert als mentale Unterstützung

Athlagon Fitness App für dein perfektes Sport Training

Stellen Sie sich und Athlagon doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Maximilian Dietrich, ich bin 27 Jahre alt, habe vier jüngere Geschwister und bin der Gründer von Athlagon. Ich habe nach dem Abitur eine Kurzausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und zwei Jahre im Rettungsdienst gearbeitet. Mit dem Ziel eines Medizinstudiums, bin ich aus Hessen nach Leipzig gezogen und habe eine weitere Ausbildung zum Physiotherapeut gemacht. In meinen letzten Wartesemestern vor dem Studium kam die Idee zu Athlagon und das Medizinstudium wurde auf Eis gelegt.

Ich kann mich sehr gut in Dinge einarbeiten und mich für Sachen begeistern die mich dann auch vollständig einnehmen. Ich bin entscheidungsfreudig, diszipliniert und ziemlich risikobereit. Das lässt mich Dinge schnell umsetzen. Diese Akribie geht leider auch mit einer gewissen Kompromisslosigkeit einher, an der ich aber erfolgreich arbeite – jeder hat wohl seine Macken.

Athlagon (altgriechisch für „Der Wettkämpfer, der seine Fähigkeiten erweitert“) ist die erste Fitnessanalyseapp weltweit. Sie ist in der Lage ein aussagekräftiges physisches Gesamtbild des Nutzers zu ermitteln und in Zahlen und Grafiken darzustellen. Wir sind ein junges Team mit verschiedenen Backgrounds. Uns alle verbindet aber der Sport und der Drang besser zu werden in dem was wir tun.

Wie ist die Idee zu Athlagon entstanden?
Die Idee ging aus einem Gespräch mit einem Freund und ein paar Flaschen Bier hervor (hier kommt dann doch der typische Gründer heraus). Als Physiotherapeut und begeisterter Kraftsportler kam das Thema auf effiziente Trainings- und Therapieplangestaltung und auf Möglichkeiten der Digitalisierung. Es schwenkte schnell über auf eine Diskussion über die Ineffizienz der markführenden Sportapps, worauf eine leicht beschwipste Fehleranalyse folgte. Das Ergebnis sollte aber am nächsten Tag immer noch überzeugen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung bestand darin, ein System zu entwickeln, mit dem man Fähigkeiten unterschiedlichster Menschen objektiv analysieren, vergleichen und darstellen kann.

Ein Beispiel: Welche Schnellkraftfähigkeit sollte ein rechter Trizeps im Vergleich zu einer bestimmten Maximalkraftfähigkeit des linken Oberschenkelstreckers haben, wie werden diese Werte ermittelt und steht das am Ende in Relation zur Mittelzeitausdauer des Herzkreislaufsystems? Man merkt – hier wird es entweder „nur“ komplex, oder nicht definierbar. Wir behaupten Ersteres.

Da gingen zig Brainstormings, etliche Monate Tests mit unzähligen Probanden und lange Nächte drauf. Mittlerweile wird Athlagon durch die Nutzer und das Feedback immer besser und effizienter in der Testzusammenstellung.
Finanziert wurde das ganze durch einen ERP-Gründerkredit der KFW, den ich über meine Hausbank erhalten habe.

Athlagon Sport Fitness Training
Bernhard Krenz Programmierer Athlagon

Welche Vision steckt hinter Athlagon?
Echter Sport und keine Augenwischerei. Keine endlose Burpeesessions, die keinen Trainingseffekt haben, aber dafür dem Nutzer durch Auspowern einen solchen suggerieren. Keine Superfood-Rezepte, die keinen Mehrwert haben. Wir wollen Ehrlichkeit und reine Trainingswissenschaften im digitalen Sport. Dafür steht Athlagon.
Um das zu erreichen, müssen wir die unserer Meinung nach gravierendsten Fehler der aktuellen Sportapps vermeiden:

Erstens fehlen einfach die Ausgangsdaten des Nutzers. Wie jeder Physiotherapeut und Personal Trainer weiß, ist der Anfangsbefund (inkl. Leistungsanalyse) da A und O einer Behandlung oder eines Trainingsplanes. Athlagon soll diese Informationslücke schließen!

Zweitens möchte der Durchschnittsnutzer eigentlich nur sekundär fitter werden. Er will das Gefühl haben alles dafür zu tun, um fitter zu werden und er will den Belohnungseffekt nach dem Training. Leichtes Spiel also für die gängigen Sportapps, das sie in vollem Umfang ausnutzen.
Athlagon hat nichts damit zu tun, Punkte nach jedem Training zu sammeln, Schritte und Kalorien zu zählen oder einen Klopfer auf die Schulter zu bekommen. Hier wollen wir ungemütlich werden. Wir bieten ein Tool an, um Erfolge zu tracken und keine Aktivitäten. Wollen Sie wissen, wie ineffizient ihr letzter Lauf oder die anstrengende Burpeesession war? Nein oder? Deswegen ist man hier einfach naiv und hält sich beide Augen zu. Athlagon will es aber wissen. Und es wird es herausfinden und optimieren, bis Sie einen Weg beschreiten, der Sie nach vorne bringt und nicht nur kurz zufrieden stellt.

Die aktuellen Platzhirsche unter den Sportapps bauen auf ihren Erfolgen aus früheren Jahren auf, in denen man Nutzern wenig bieten musste. Deswegen ging man hier nachvollziehbar einfache und unkomplizierte Wege. Jetzt wäre die Zeit, neue und deutlich bessere Trainingssysteme bereitzustellen, aber die Firmen hadern, aus Angst ihre Wiedererkennungsmerkmale zu zerstören. Athlagon hat nun die Möglichkeit neu anzusetzen. Wir wollen den Nutzern keine Marketing-, Motivations- und Lobsprüche um die Ohren hauen, sondern kompetent zur Seite stehen. Athlagon soll der kleine Aufsässige werden, der auch mal auf den Tisch haut und die Komfortzone der Fitnessindustrie zum Wackeln bringt. Ziemlich übermütig für so eine kleine nicht gerade finanzstarke Truppe? Aber Vision heißt auch Traum, oder?

Wer ist die Zielgruppe von Athlagon?
Grundsätzlich kann Athlagon von jedem genutzt werden. Sportler tracken ihren Fortschritt und Couchpotatoes jeden Alters holen sich eine Auswertung darüber, ob sie langsam motorisch verkümmern.
Auf letztere legen wir, wie Sie sich bereits denken können, natürlich nicht den Fokus – zu viel Ehrlichkeit vergrault. Wir sind hauptsächlich hinter richtigen Sportlern, abseits von Chiasmoothietrinkern und Instagramschönheiten, her. Hier liegen einfach unserer Kernkompetenzen: Professionalität, Ehrlichkeit, Effizienz.

Wie funktioniert Athlagon?
Athlagon ermittelt via Tests die Leistungsfähigkeit des Nutzers in aktuell vier motorischen Komponenten und rechnet sie in einem Score zusammen, zeigt Ungleichgewichte (Beispielsweise zwischen Maximalkraft und Ausdauer, oder zwischen Schnellkraft der oberen und unteren Extremität) und bietet Informationen über die Bedeutung der einzelnen Komponenten.

Die Tests beinhalten ein bis vier Bewegungen, die der Nutzer nachmachen muss. Hier gibt es spezielle Checkpoints (z.B. rechtes Knie berührt Boden, linker Arm passiert Oberschenkel etc.), die einzuhalten sind. Schafft der Nutzer diese Bewegung und bestätigt die Einhaltung aller Checkpoints, ist der Test geschafft und der Nutzer steigt im Scoring. Alle Tests von Athlagon lassen sich daheim oder im freien durchführen.

Welche Vorteile bietet Athlagon?
Der Nutzer weiß immer, ob er im Training (abseits der Optik) weiter kommt, oder ob er stagniert. Er findet die Problemstelle und kann sein Training anpassen. Durch diese Art des Trainings werden Schwachstellen Stück für Stück ausgemerzt und es entstehen völlig neue Fähigkeiten. Ein Beispiel: Sie sind Tennisspieler und ihre Rückhand will nicht kräftiger werden. Sie trainieren Technik und Schnellkraft der oberen Extremität aber Sie kommen nicht voran.

Sie starten eine Analyse mit Athlagon und bekommen mitgeteilt, dass ihre Schnellkraftfähigkeit im entsprechenden Bereich überdurchschnittlich ausgeprägt ist, aber ihre schräge Bauchmuskulatur 20% unter dem Durchschnitt liegt. Sie trainieren diese 2-3 Wochen und plötzlich kann Ihr Körper mehr Rotation und damit mehr Druck auf den Ball bringen.
Die entsprechende Trainingsplanunterstützung hierfür ist in Entwicklung.

Wie ist das Feedback?
Wir haben noch wenig Nutzer, aber die Zahl wächst. Viele können mit der App erstmal wenig anfangen. Sie drücken das Tutorial am Anfang weg und verstehen nicht, wo man das Training findet. Jeder erwartet nun mal die typische Trainingsapp. Dann bekommen wir auch mal ein schlechtes Feedback. Die Nutzer, die verstanden haben worum es geht, sind aber begeistert. Wir bekommen ziemlich viele positive Mails, gerade bezüglich der Ehrlichkeit, und das freut uns natürlich!

Athlagon, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Athlagon ist noch ganz am Anfang und lange nicht dort, wo wir es haben wollen. Aber die Grundstruktur steht. Ich komme gerade von einem Videodreh aus Hessen für die neuen Tests und Features. Wir haben ein junges Team aus Sportlern zusammengestellt, die tolles Bildmaterial mit uns produziert haben.

Sie können sich vielleicht denken: Athlagon soll irgendwann die personalisiertesten Trainingspläne schaffen. Ich rede bewusst nicht ausschließlich von digitalen Trainingsplänen, da selbst die meisten Personal Trainer sich mehr Mühe dabei geben zu motivieren und zu gefallen, als zu analysieren und ernsthaft zu fordern – die wollen Sie schließlich wieder sehen.

Ob wir es bis dahin bringen, entscheidet der Umstand, ob der „digitale Sportler“ bereit ist, die Komfortzone zu verlassen und wirklich anfangen möchte, sich mit sich und seinem Körper zu befassen. Wir sind zuversichtlich: Irgendwann kommen die Leute zu uns und wir werden ihnen zeigen, wie geil echter Sport und pure Lebensenergie sein kann.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass 90% der Arbeitszeit nichts mit dem eigentlichen Gründungsinhalt zu tun haben. Businesspläne, Gründung, Buchhaltung, Verträge, Versicherungen, Kontaktpflege, Krisenmanagement, Mitarbeiteraquise …

Auf Gründungsveranstaltungen trifft man häufig junge Menschen, die das massiv unterschätzen. Sie sehen sich als Querdenker auf einem Pezziball hüpfend, während sie kreative Mindmaps verfassen und um 16 Uhr Bier trinken und im Loft Kicker spielen. Es muss Ihnen klar sein, dass die Welt nicht auf jemanden wie Sie gewartet hat und dass man die volle Packung abbekommt, wenn man diesen Weg geht. Man sieht sich mit Dingen konfrontiert, vor denen man am Liebsten sofort weglaufen würde. Auch wird der Eindruck durch „Fuckup nights“ getrübt, die das Ganze zu freundlich beleuchten. Hier treten meist Leute auf, die glimpflich davon gekommen sind. Die, die am Ende finanziell überschuldet sind, haben oft nicht den Humor dort aufzutreten.

Ich will damit sagen: Anstatt blind gegen die Wand zu rennen sollte man die Sache ernst nehmen und dann trotzdem das Risiko eingehen, wenn man von seiner Idee überzeugt ist.

2. Nichts ist mehr wert als mentale Unterstützung. Man sollte hier mind. eine Vertrauensperson haben, die das Vorhaben voll unterstützt. Hier einmal größten Dank an meine gesamte Familie!

3. Machen Sie am Anfang so viel wie möglich selber. Das kostet viel Zeit, aber am Ende haben Sie ein Grundverständnis von allen Prozessen in ihrem Laden und können beim allmählichen Wachsen und dem damit einhergehenden Outsourcing eher beurteilen, ob Sie hier in den richtigen Händen sind.

Darf ich noch ein Viertes?
4. Gründen Sie, egal ob Biotech-StartUp, Zeitschriftenverlag oder Tischlerei! Es gibt vermutlich nichts Schöneres als Eigenes zu schaffen und wachsen zu sehen. Vermutlich können alle Eltern das bestätigen.

Bild: von links nach rechts: Ruby van Dijk, Josephine Jarzembowski, Naomi van Dijk, Carolin Dietrich, Luigi Antonica, Mirko Momberger, Maximilian Dietrich

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Maximilian Dietrich für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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