Statistisches Bundesamt belegt: Arbeitszeiten immer flexibler

In regelmäßigen Abständen untersucht das Statistische Bundesamt die Arbeitszeiten der Deutschen.

Eine aktuelle Studie zeigt: Geregelte Arbeitszeiten gehören der Vergangenheit an

Von neun bis fünf arbeiten? Das war gestern. Viele Menschen sind flexibler geworden, arbeiten abends, nachts oder am Wochenende. Aber: Ist das wirklich gesund? Und: Wer arbeitet bei uns in Deutschland eigentlich am meisten? Kürzlich veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) eine Studie, die zeigt, dass geregelte Arbeitszeiten in Deutschland immer seltener eine Rolle spielen. Laut der Ergebnisse arbeiteten im Jahre 2014 mehr als die Hälfte (53 %) aller vollzeittätigen Selbstständigen mehr als 48 Stunden pro Woche. Die offizielle Definition einer solchen Arbeitszeit lautet nach internationaler Konvention „überlange Arbeitszeit“. Die Studie „Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt“ ist ein wichtiger Indikator für den deutschen Arbeitsmarkt.

Höchststand aus dem Jahre 2012 unterboten
Hingegen fällt die Arbeitszeit bei Vollzeit-Arbeitnehmern geringer aus: Laut Destatis waren es in dieser Sparte nur 7 %, die mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiteten. Alles in allem leisteten 12,3 % aller Vollzeit-Erwerbstätigen in Deutschland im Jahr 2014 mehr als 48 Arbeitsstunden pro Woche ab. Die letzte Studie des Destatis im Jahre 2012 wies höhere Zahlen auf. Der damalige Höchststand von 13,6 % der Erwerbstätigen mit überlanger Arbeitszeit wurde also um immerhin 1,3 Prozent unterboten. Stichwort: Work-Life-Balance.

Zwar haben die Führungskräfte mit 37,6 % extrem häufig „überlange Arbeitszeiten“, jedoch hängt dies laut Destatis auch damit zusammen, dass unter den Führungskräften mit 50,7 % viele Selbstständige zu finden sind. Während nur rund 26,4 % der angestellten Führungskräfte überlange arbeiten, sind es bei den Selbstständigen ganze 63,9 %.

Abends, in der Nacht oder am Wochenende arbeiten?
Arbeiten von neun bis fünf? Diese Zeiten sind vorbei. Laut der Studie des Statistischen Bundesamtes arbeiten 25,7 % aller Erwerbstätigen im Jahr 2014 regelmäßig am Abend, also von 18 bis 23 Uhr. Vor fast 25 Jahren (1992) lag diese Quote nur bei 14,9 %. Das zeigt: Regelmäßige Arbeitszeiten waren gestern. Auch die Nachtarbeitsquote (23 bis 6 Uhr) stieg an: Während die Studie im Jahr 1992 „nur“ 7,2 % der Erwerbstätigen Nachtarbeit bescheinigte, sind es inzwischen bereits 8,6 %.

Auch hier trifft es die Selbstständigen härter: Selbstständige arbeiten mit 36,6 Prozent häufiger am Abend als Arbeitnehmer (24,4 %). Aufgrund der vielen Schichtarbeiten der Arbeitnehmer ist dies bei der Nachtarbeitsquote genau andersherum: Nur 5,2 % der Selbstständigen arbeiten auch nachts. Bei den Arbeitnehmern sind dies sogar 9,2 %.

Arbeitszeitgesetz (ArbZG) legt Rahmenbedingungen fest
Immer häufiger werden Krankheiten mit überlangen Arbeitszeiten in Verbindung gebracht. Nicht nur körperliche, sondern vor allem psychische Symptome zeigen sich in vielen Fällen. Der Gesetzgeber schützt uns nur bedingt. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) in Deutschland legt fest, dass Arbeitnehmer in Deutschland offiziell nicht länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Eigentlich liegt die tägliche Höchstarbeitszeit nach $ 3 S. 1 ArbZG bei acht Stunden, darf jedoch in Ausnahmefällen auf zehn Stunden erhöht werden. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten wird. Auch muss die Mehrarbeit kompensiert werden. Sollte ein Arbeitnehmer in dieser Woche also bereits sechsmal 10 Stunden lang gearbeitet haben, muss dies in der nächsten Woche ausgeglichen werden. Die in dieser Woche geleisteten 60 Stunden müssen also in der kommenden Woche berücksichtigt werden. Denn dann darf der Arbeitnehmer nur noch 36 Stunden arbeiten. So würde – auf diese zwei Wochen gerechnet – eine Gesamtarbeitszeit von 96 Stunden, also von 48 Stunden pro Woche, entstehen. Stattfinden muss dieser Ausgleich innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen. Aber Achtung: In einigen Branchen gilt das ArbZG nicht. Darunter fallen zum Beispiel Seeleute, Bäcker und Ärzte.

Deutsche liegen unterhalb des europäischen Durchschnitts
Nicht nur zwischen Selbstständigen und Arbeitnehmern gibt es – was die Arbeitszeit betrifft – große Unterschiede. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es in puncto Arbeitszeit kleine Differenzen: 15 Prozent der Männer arbeiteten im Jahre 2014 „überlang“. Bei den Frauen waren es allerdings nur 7,2 Prozent, die mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiteten. Diese Ergebnisse begründet das Statistische Bundesamt damit, dass mehr Männer als Frauen in Führungspositionen beschäftigt sind.

Die Studie warnt auch eindringlich vor den Risiken dieser „überlangen Arbeit“. Abend- und auch Nachtarbeit wirke sich negativ auf private Aktivitäten und das gesundheitliche Wohlbefinden aus, so heißt es in dem Bericht.

Zum Schluss ein kleiner Trost:
In Deutschland liegen wir trotz der teils krassen Mehrarbeit weiter unter dem europäischen Schnitt. Während die durchschnittliche Arbeitszeit in Europa bei 37,2 Stunden pro Woche liegt, arbeiten die Deutschen im Schnitt 35,3 Stunden pro Woche.

Foto: © contrastwerkstatt -Fotolia.com

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Moritz Hofmann

Moritz Hofmann studierte Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund und ist Geschäftsführer der clickbits GmbH in Unna. Das Unternehmen vertreibt seit 2009 die webbasierte Zeiterfassungssoftware clockodo. Mit clockodo können Arbeitszeiten schnell, unkompliziert und zuverlässig online erfasst werden. Umfangreiche Berichte ermöglichen detaillierte Auswertungen.

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