Mach dein Ding, mach es aus Überzeugung und mach es richtig gut

ARaction dreidimensionale Erlebnisse im realen Raum

Stellen Sie sich und das Start-up ARaction doch kurz unseren Lesern vor!
ARaction ist ein junges, inhabergeführtes Unternehmen mit Sitz in Niederbayern – wir sind aber auch in München, Regensburg und Wien tätig.
Wir erschaffen perspektivisch korrekte, dreidimensionale Erlebnisse im realen Raum. Die Realität wird also „erweitert“, sodass wir das AR-Erlebnis als real wahrnehmen: Wenn Sie durch Ihr Smartphone oder eine AR-Brille einen lebendigen Dinosaurier in einem Museum stehen sehen und Angst haben, aufgefressen zu werden, hat ARaction etwas richtiggemacht. Das revolutionäre an unserer Technik ist, dass wir dafür keine optischen Marker mehr brauchen, keine wartungsintensiven WLAN-Accesspoints, keine Bluetooth-Beacons – wir stellen alles auf dem mobilen Endgerät dar (spezielle Smartphones, aber auch AR-Brillen sind möglich).

Damit ermöglichen wir geführte Touren, sogenannte Indoor-Navigation, zum Beispiel durch ganze Fabrikhallen und Museen. Kurz gesagt: unsere ARaction App ist das perfekte Werkzeug zum Erstellen moderner AR-Präsentationen.

Wie ist die Idee zu ARaction entstanden?
Vor der Gründung der ARaction GmbH war Geschäftsführer Matthias Lindner zehn Jahre lang als Ausstellungsdesigner und politischer Campaigner aktiv. Als Bauleiter für Medientechnik-Gewerke war er unter anderem für große staatliche Museen tätig.

Mit seinen Kunden hat er in dieser Zeit davon geträumt, die Besucher mit einem virtuellen Avatar durchs Museum führen zu können. Damals war das technisch noch nicht möglich und wir haben enorme Kosten und Mühen auf uns genommen, um Indoor-Navigation im Museum zu realisieren.
Als sich die AR-Technik dann weiterentwickelt hat, war für ihn klar: „Darauf möchte ich ein neues Unternehmen aufbauen.“ – denn die Möglichkeiten sind unglaublich.

Welche Vision steckt hinter ARaction?
Langfristig wollen wir unsere Software als sogenanntes „Authoring-Tool“ für Augmented Reality erfolgreich auf dem internationalen Markt positionieren. Unsere Vision ist es also, ein etabliertes Werkzeug wie PowerPoint oder InDesign zu werden – nur eben für AR-Präsentationen.
In den nächsten Monaten liegt unser Fokus aber im B2B-Projektgeschäft. Wir werden ein paar tolle Kundenprojekte umsetzen und wenn die Leute sagen „Wow, ich dachte sowas geht nur auf dem Holodeck von Star Trek!“, haben wir unser erstes Ziel definitiv erreicht.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Das waren bei uns wohl die klassischen Herausforderungen eines Start-ups. Erst sucht man nach dem perfekten Konzept, dann nach den richtigen Teammitgliedern und schließlich nach geeigneten Kunden. Dank Rücklagen aus vergangenen Projekten konnten wir die GmbH bisher komplett selbst finanzieren. Das erfordert eine Menge Kreativität und lässt natürlich keinen Spielraum für den Firmen-Ferrari oder üppige Geschäftsführergehälter – aber dafür sind wir besonders stolz darauf, wirklich die volle Entscheidungsfreiheit in unserem Unternehmen zu haben.

Eine enorme Herausforderung ist dabei natürlich der rasante technologische Wandel. Konzerne wie Google, Apple und Co. geben hier bezüglich Hardware und Frameworks das Tempo an. Man könnte Tag und Nacht damit verbringen, die neuesten Gerüchte aus der AR-Szene zu lesen – und ständig wird eine neue AR-Sau durchs virtuelle Dorf gejagt. Die Herausforderung besteht darin, als Start-up immer up to date und innovativ zu bleiben – sich aber nicht von den Großen vor sich hertreiben zu lassen, sondern sein eigenes Tempo zu finden.

Wer ist die Zielgruppe von ARaction?
Wir entwickeln die neueste Generation der AR-Technik vor allem für KMUs, Architekturbüros und machen sie auch für Kunstprojekte, NGOs und den Bildungsbereich erschwinglich. ARaction ist flexibel und einfach zu verwenden. Man kann damit auch ohne Programmierkenntnisse äußerst effizient AR-Präsentationen zusammenbauen. Auch in Industriehallen lässt sich unsere Technik einsetzen, zum Beispiel zu Schulungszwecken oder für komplexe Wartungs-/Montageanleitungen, die direkt am Objekt eingeblendet werden.

Unser Steckenpferd sind allerdings weiterhin Museen und interaktive Ausstellungen – da haben wir den größten Erfahrungsvorsprung und in diesem Bereich kann man zudem äußerst kreativ arbeiten.

Wie funktioniert ARaction? Welche Vorteile bietet ARaction?
Vereinfacht gesagt: wir scannen einen Raum und fügen dann virtuelle Objekte nahtlos in die reale Umgebung ein.
Unser USP ist die einzigartige Kombination von drei Technologiebereichen:

1) Wir vermessen Räume in Echtzeit mit 3D-Scanning-Technologie (Tango und ARCore),
2) wir verwenden eine leistungsfähige Spiele-Engine (Unity) zur Darstellung beeindruckender 3D-Inhalte und
3) wir bieten ein Plugin zur Pflege der Inhalte mit dem erfolgreichsten Content Management System der Welt (WordPress).

Das Rad haben wir damit nicht völlig neu erfunden – wohl aber haben wir technologische Puzzleteile so geschickt zusammengefügt, dass wir eine Effizienz und Flexibilität bieten können, die bisher kein Mitbewerber in seinem Portfolio anbieten kann. Modularität und Erweiterbarkeit sind in der Softwareentwicklung der Schlüssel zum Erfolg – vor allem wenn die Ressourcen begrenzt sind.

ARaction, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren werden AR-Brillen so weit sein, dass sie unseren derzeitigen Medienkonsum komplett revolutionieren. Das kann dann so schnell gehen wie der Wechsel vom Handy zum Smartphone. Erst glaubt es keiner und plötzlich ist der physische Bildschirm komplett ausgestorben. Alles wird dann nur noch auf personalisierten virtuellen Monitoren angezeigt, die man jederzeit überall platzieren kann und durch die Brillen sieht.
ARaction möchte bei dieser Revolution als proaktiver Gestalter mit dabei sein – nicht zuletzt, weil wir den digitalen Wandel auch politisch und sozial mitgestalten wollen. Denn Digitalisierung zu planen ohne soziale Fragestellungen mit zu beantworten ist zum Scheitern verurteilt.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

1. Wirf alte Denkmuster über Bord:
Wir alle sind in einer Geschäftswelt aufgewachsen, die knallhart nach dem Paradigma „Predict & Control“ arbeitet. „Der Ober sticht den Unter“, „Fressen oder gefressen werden“, und so weiter…
All das ist sowas von 20. Jahrhundert und funktioniert in Zeiten rasanter technologischer Veränderungen nicht mehr richtig; denn kreative, agile Entwicklungsprozesse kann man nicht mit Kontrolle und Macht-Mechanismen steuern. Der Führungsstil der Zukunft lautet daher „Sense & Respond“. Dazu gehören vor allem Empathie und Vertrauen – sich selbst und anderen gegenüber.

2. Definiere Erfolg neu:
Geld scheffeln allein ist was für Anfänger. Unternehmerischen Erfolg zu erzielen und gleichzeitig verantwortungsbewusst und sozial zu handeln ist da schon eine ganz andere Hausnummer. Erfolg im Unternehmen kann man also längst nicht mehr nur am Gewinn messen. Was zählt, ist der Gewinn an Lebensqualität und Freude für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette. Wenn man das „Gemeinwohl“ als Ziel unternehmerischen Handelns sieht, wird die Start-up-Gründung zwar noch einmal komplexer und anstrengender – aber auch um ein vielfaches sinnvoller und erfüllender.

3. Mehr machen, weniger reden:
Geh es so früh wie möglich praktisch an: zeichne Entwürfe, bau Prototypen, gib deinen Interessenten was zum Ausprobieren in die Hand. Die Start-up-Szene ist zwar spannend, aber man kann sich auch in ihr verlieren. Mach dein Ding, mach es aus Überzeugung und mach es richtig gut – das zählt tausendmal mehr als der innovativste Businessplan der Welt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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