Dienstag, November 30, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

AnyTree: Design Kratzbaum aus Massivholz nachhaltig, fair und individuell

Stellen Sie sich und das Startup AnyTree doch kurz unseren Lesern vor!

Den Begriff Startup haben wir bei AnyTree bisher noch nicht verwendet. Ich glaube, das liegt auch ein wenig daran, dass der Begriff in der heutigen Gesellschaft nicht nur für positive Assoziationen steht. 

Wenn man ein Startup gründet, ist man Teil einer selbstdefinierten Gruppe, die in 92 % der Fälle scheitert. Ich denke, das ist gefährlich und bin daher vorsichtig. Nicht wegen des eigentlichen Scheiterns. Das ist sehr wichtig. Aber was nicht passt, ist, wie viele dieser Misserfolge denjenigen zugeschrieben werden, die am Ende in einer Führungsposition landen oder nach drei Misserfolgen ein Entrepreneur in Residence bei ihrem lokalen Akzelerator werden.

Unser Team besteht aus Menschen verschiedener Kulturen, die sich klaren Zielen verschrieben haben: Etwas weniger Müll, etwas mehr Nachhaltigkeit und vor allem soziale Gerechtigkeit. Wir arbeiten seit Beginn mit verschiedenen Organisationen zusammen, um all das auch abseits der Bilanz zu verwirklichen. Und zusammen haben wir ein Produkt erschaffen, auf das wir stolz sind: Den AnyTree  

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Zu einer solchen Entscheidung führen immer viele Faktoren. Nach vielen Jahren in der Medienbranche war es kein einfacher Schritt zu sagen: Ich tausche meinen gewohnten Job gegen Startup-Herausforderungen und wenig Schlaf. Aber gerade das hat auch den Reiz ausgemacht. 

Auch wichtig: Für mich als „Single“ Dad mit drei Kindern hat ein eigenes lokales Unternehmen einen großen Vorteil: Ich bin schnell zur Stelle, wenn ihr Vater einmal dringend gebraucht wird. 

Welche Vision steckt hinter AnyTree?

Der Nukleus unserer Vision war, Möbel aus Verbrauchsmaterialien zu schaffen. Verbrauchsmaterialen bedeuten Kundenbindung, hohe Marge und einen hohen Lifetime Value des Kunden nach dem ersten Kauf. Für den „Home & Living“ oder altmodisch „Möbelhandel“ ist das immer noch der heilige Gral. Im Schnitt sind es dort um die EUR 170 Werbekosten, um online oder offline einen Neukunden zu gewinnen – der aber wenig ausgibt und meist nicht wiederkommt. 

Eure Leser werden lachen – aber der Kratzbaum war mehr Ideal zur Verwirklichung unserer Vision. Nicht nur weil ich seit vielen Jahren mit einem Katzenrudel lebe, liebe und leide, sondern weil er bisher per se nicht als Möbel angesehen wurde. Würden wir jedoch den Kratzbaum als Möbelstück betrachten, so würden wir über das 9. meistverkaufte Möbelstück in Deutschland sprechen. Leider wäre er auch das Möbel, mit der geringsten Lebenszeit. Die fast 15 Millionen Katzen in Deutschland verbrauchen im Schnitt im Jahr über 3 Millionen Kunstbäume, die fast ausnahmslos auf dem Müll landen. Das wollten wir angehen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Ganz klar: Die größte Herausforderung, aber auch der größte Spaß war die Produktentwicklung. Weniger der AnyTree an sich, sondern die Entwicklung von sinnvollen und nachhaltigen Verbrauchsmaterialien. In diesem Zusammenhang gilt unser ganz besonderer Dank den Zoologen an der Universität von Utrecht für die vielen Denkanstöße und Forschungsergebnisse. Wir wollen aber auch das Rudel Bengalkatzen nicht vergessen, das alle Produkttests ohne zu murren mitgemacht hat. Diese haben dabei natürlich nicht gelitten.

Cash ist immer eng, aber bisher reichte es in Notfällen, den Gürtel enger zu schnallen. Sprich, wir sind bisher komplett eigenfinanziert. Zur Zeit kann man uns jedoch auch via Crowdfunding über Startnext unterstützen. 

Bewertung und neue Gesellschafter machen erst als operierendes Unternehmen mit entsprechenden Kennzahlen Sinn. In diesem Zusammenhang haben wir gute Kontakte und Freunde, die uns beraten. Unter anderem Kevin Colas, Partner bei OceanIQ und Thorsten Klaus, Partner bei Northgate Capital.

Wer ist die Zielgruppe von AnyTree?

Durch Benchmarks, Usertests und Umfragen haben wir eine ziemlich genaue Idee wer unsere Kunden sind. Sagen wir es so: Die Zielgruppe für AnyTrees ist wahrscheinlich anders, als viele annehmen würden. Wir waren selbst überrascht. 

Ich will keine Details verraten, aber nur so viel: Fast 65% aller Katzenbesitzer gehören zur Generation Z oder Y. Auch das Geschlechterungleichgewicht verändert sich in Richtung einer größeren Anzahl von Männern mit Katzen. Anders gesagt: Wir sprechen heute nicht mehr über eine imaginäre Katzenmama in gehobenem Alter, sondern über eine neue Generation von Tierfreunden, die einen hohen Anspruch an Design und Nachhaltigkeit hat.  

Würde man annehmen, die jüngeren Generationen geben weniger für ihre Tiere aus, liegt man also falsch.

Wie funktioniert AnyTree? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Der Markt ist sehr fragmentiert und ohne klares Konzept. AnyTree stellt deswegen alles auf den Kopf. Wir nahmen zuerst ganz weit Abstand, um herauszufinden, warum Kratzbäume keine Möbel sind, die man gerne ansieht, denn das war die Essenz aller unserer Umfragen. Durch Laufwege und Module sollte ein Lebensraum geschafften werden, der mit den eigenen vier Wänden, aber auch mit den Bedürfnissen unserer Tiger harmoniert.

Der AnyTree selbst hat daher nichts mit Kratzbäumen, wie man sie kennt, gemeinsam. AnyTrees sind Designobjekte aus Massivholz verschiedener Holzarten des hessischen Forsts. Jeder individuell und jeder mit eigener Gravur. Um Designfaktor und Raumwärme eines AnyTrees nicht zu ruinieren, wurde konsequent auf die üblichen runden Liegeplattformen am Baum und insbesondere auf die Materialien Sisal und Plüsch verzichtet. 

Warum? Alleine, um das nicht-zertifizierte Sisal für Katzenbäume in aller Welt herzustellen, arbeiten mehr als 2 Millionen Kinder auf den Algarve-Feldern in Brasilien und Ostafrika. Der Lohn ist oft nur eine Schale Brei am Tag. In Südostasien werden Kinder aus den ländlichen Dörfern an Plüschfabriken „verkauft“. Für Jahre. 

Also musste eine nachhaltige, sozial gerechte und wirtschaftlich attraktive Alternative her.

Diese zu finden und zu entwickeln, hat uns viel Zeit gekostet – aber auch sehr viel Spaß bereitet. Wahrscheinlich habt ihr es schon erraten, wir sprechen über unsere Verbrauchsmaterialien.

Die Sisal-Alternative sind unsere AnyPads. Im Prinzip Wellpappe mit Kleber aus Naturkautschuk, allerdings nicht ganz so simpel. Den AnyPad stellen wir in Partnerschaft mit einem deutschen Großunternehmen her und die „Wellpappe“ ist eine sehr stabile, aber komplett flexible Designpappe, die sich lückenlos an den AnyTree anschmiegt – immer dort, wo es Sinn und Spaß macht. Werden AnyPads von Katzen zerstört? Ja, allerdings mit Leidenschaft. Da sie in großen Packs angeboten werden, ist das eher ein Spaß für Katze und Mensch. Ein verbrauchter AnyPad ist in wenigen Sekunden ausgetauscht. Ein neues Design, eine neue Farbe, alles ist möglich. Der AnyPad besteht rein aus Recyclingpappe und Naturkautschuk, kann also entweder in die Papiertonne oder den Kompost.

Unsere Betten sind Wandregale aus Baumkantholz. Und hier kommt unser zweites Verbrauchsmaterial ins Spiel: Das AnyBed. 

Die Wandregale haben eine oder zwei Einfräsungen, die exakt zu unserem AnyBed-Karton passen. Dieser ist Versandkarton und späteres Bett in einem. Der Karton enthält zum einen eine ausreichende Menge an weicher Polsterpappe, zum anderen ein Kissenbezug aus Naturwolle. Der Kartondeckel lässt sich leicht entfernen und der Bezug straff über die Kartonschale mit Papp-Polster ziehen. Fertig ist das AnyBed, das genau in unsere Module passt. Natürlich hat der Karton keine Standardmaße und wir planen weitere Designs und Farben.

Das AnyBed ist nicht nur nachhaltig, sondern auch der perfekte Schlaf- und Ruheplatz aus Tiersicht. Basierend auf neuesten wissenschaftlichen Studien, schafft ein AnyBed im Normalfall eine Liegetemperatur von 32 Grad. Die perfekte Umgebungstemperatur für Haustiger.

AnyTree, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Das mittelfristig wichtigste Ziel ist ein eigener Firmenkindergarten. Wir versuchen, bei jeder neuen Einstellung auch den Wert der Position für die Gemeinschaft zu bedenken. Daher haben wir viele Mitarbeiter mit Kindern, oft ohne eigene Schuld aus sozialen Problemen. Von Anfang an war es mir wichtig, ein Zeichen zu setzen – wir arbeiten gerne und eng mit kommunalen Jobcentern, Flüchtlingsorganisationen und Jugendämtern zusammen. Dies erhöht natürlich den Arbeitsaufwand durch Interviews und Vorstellungsgespräche, aber dennoch schlafe ich damit deutlich besser. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Alles steht oder fällt mit dem Team!

Eines der wichtigsten Dinge bei einem Startup ist, ein Team zu haben, das es liebt, zu lernen. Im Normalfall machen Startups etwas, was nicht viele andere Unternehmen tun. Es gibt kein Playbook oder einen festgelegten Prozess. Die schlechtesten Mitarbeiter für ein Startup sind diejenigen, die reinkommen und nach dem Trainingshandbuch fragen. In einem Startup ist es unsere Aufgabe, es gemeinsam herauszufinden, niemand wird Ihnen einen Prozess vorgeben. Sucht nicht nach dem perfekten Mitarbeiter, sondern nach solchen, die gerne lernen. 

Investorenwahl

Am besten Bootstrapping. Sollte es doch knapp werden, und man braucht einen Investor: Niemals Corporate VCs. Sie sind äußerst selten wirklich am Erfolg des Unternehmens und vor allem des Unternehmers interessiert. Es gibt Ausnahmen wie Intel, Virgin und Google, aber die meisten anderen sollte man nur in letzter Not ansprechen. 

Das mag sich jetzt flach anhören und der Tipp wird vor allem US-Startups oft als „Aushängeschild“ genutzt – aber es ist wirklich wichtig: Es fällt vieles leichter, wenn man durch seine Arbeit  einen positiven Unterschied im Leben der Menschen bewirkt und versucht, Spielregeln der jeweiligen Branche zum Guten zu verändern. Ich glaube, dass Unternehmen in ihrem Kern einen Zweck haben sollten, egal wo sie sie tätig sind.

Wir bedanken uns bei Markus Schneider für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: AnyTree

Kontakt:

Schneiders GmbH
Kapitän-von-Schiller-Str. 24
DE-63263 Neu-Isenburg

https://www.anytree.de/
info@anytree.de

Ansprechpartner: Markus Schneider

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