Crowdfunding ist ein fantastisches Marketingtool

Anna Yona Mitgründerin von Wildling Shoes wird auf der herCAREER Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen  rund um das Thema Finanzieren mit der Crowd weitergeben

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen doch kurz vor?
Anna Yona: Ich bin Anna (38), Mutter von drei Kindern (3, 6 und 8) und zusammen mit meinem Mann Ran Gründerin und Geschäftsführerin von Wildling Shoes. Wir machen Schuhe, mit denen Kinder immer und überall barfuß laufen können.

Wie ist die Idee zu Wildling Shoes entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Anna Yona: Unsere Kinder sind in Israel aufgewachsen. Dort war es immer schön warm und so sind unsere Kinder das ganze Jahr über barfuß gelaufen. Nach unserem Umzug nach Deutschland vor drei Jahren, brauchten sie für den Winter das erste Mal feste Schuhe – ein echter Alptraum. Es gab kein Paar, das die Drei länger als 10 Minuten tragen wollten – danach flog es in die Ecke.
Wir haben uns daraufhin etwas länger mit dem Thema beschäftigt. Ran ist Sporttherapeut und bestimmte Statistiken sind einfach direkt ins Auge gesprungen. So werden 98% aller Kinder mit gesunden Füße geboren, aber nur ca. 20% der Erwachsenen haben noch gesunde Füße. Schuld daran sind häufig falsch konzipierte Kinderschuhe.
Um Eltern eine echte Alternative zu bieten, haben wir einen besseren Kinderschuh entwickelt und Wildling Shoes als Geschäftsidee umgesetzt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Anna Yona: Unsere größte Herausforderung ist und bleibt die Produktentwicklung. Als Quereinsteiger war unsere Lernkurve steil und viel Know-How ist in den großen Unternehmen gebunden. Das richtige Team an Fachleuten muss man sich erst aufbauen – das dauert und ist auch sehr kostenintensiv. Unser Traum ist und bleibt eine eigene R&D-Abteilung.
Eine zweite Herausforderung war früh das nötige Kapital für die Umsetzung der Idee zu bekommen. Den größten Teil des Finanzierungsbedarfs haben wir über den Startgeld-Kredit gedeckt. Eine Bank zu finden, die das unterstützt war aber nicht einfach. Der konventionelle Bänker und die Frau, die Kinderschuhe herstellen will – da bin ich hin und wieder schon behandelt worden, als wollte ich die Schuhe in Heimarbeit stricken. Es lohnt sich trotzdem nicht aufzugeben, fest an seine Idee zu glauben und schließlich auch die Bank davon zu überzeugen.

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?
Anna Yona: Für uns war von Anfang an klar, dass wir eine Crowdfunding-Kampagne machen würden. Es war aber nie als echte Finanzierungsquelle geplant. Crowdfunding ist ein wunderbares Marketingtool und Gold wert, wenn es darum geht, direktes Kundenfeedback zu bekommen und Unterstützer an der Entwicklung eines neuen Produktes teilhaben zu lassen. Die Kundenbindung, die dadurch entsteht, ist unbezahlbar.
Als Finanzierungsmöglichkeit wird Crowdfunding aber hoffnungslos überschätzt. Eine gut vorbereitete Kampagne ist sehr zeit- und kostenintensiv. Die „Einnahmen“ müssen ganz regulär mit 19% versteuert werden und normaler Weise lässt man den Unterstützern im Gegenzug ein Dankeschön zukommen, dessen Wert mit einberechnet werden muss. Wir haben unser Fundingziel mit 75.000€ Finanzierung weit überschritten. Wenn man aber Kosten und Steuern mit einrechnet, sind uns davon hinterher vielleicht 15.000€ geblieben. Da ist die monatelange Arbeitszeit in der Vorbereitung nicht mit eingerechnet..

Wo hatten Sie für sich die größten Vorteile gegenüber anderen Finanzierungen gesehen?
Anna Yona: Crowdfunding ist ein fantastisches Marketingtool und als solches sollte es auch betrachtet werden. Bestenfalls macht man gutes, effektives Marketing für lau – das ist schon ein echtes Argument. Außerdem ist Crowdfunding spannend und macht Spaß – sowohl dem Projekteigner als auch den Unterstützern. Das allein sind schon gute Gründe.

Auf der herCAREER werden Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Erfahrungen weitergeben. Was wird das Hauptthema sein?
Anna Yona: Ich werde darauf eingehen, für welche Projekte Crowdfunding besser oder schlechter geeignet ist, was die Vorteile sind, wie man Crowdfunding nutzen sollte, warum einige Kampagnen scheitern und andere sehr erfolgreich sind und auch darauf, was Crowdfunding definitiv nicht ist – nämlich der leichte Weg zu schnellem Geld.

Wie sind Sie auf die herCAREER aufmerksam geworden?
Anna Yona: Ich kenne die Veranstalterin, Natascha Hoffner, über das Mompreneurs-Netzwerk. Dort haben wir schon einige Erfahrungen ausgetauscht, Rückschläge relativiert und Erfolge gemeinsam gefeiert. Sie hat mir von der Messe erzählt und mich dazu eingeladen.

Wie wichtig sind Messen und Events für das Netzwerken und den Austausch?
Anna Yona: Messen und Events – sowie Netzwerken allgemein – sind unheimlich wichtig für den unternehmerischen Erfolg und auch den Spaß an der Sache. Gerade Frauen vernetzen sich zu wenig oder wenn dann oft mit großer Scheu, was die berufliche Vernetzung, gegenseitige Empfehlungen und Marketing in eigener Sache betrifft. Das muss sich dringend ändern. Veranstaltungen wie die herCAREER, auf denen man sich trifft, austauscht und sich auf Augenhöhe begegnen kann, sind ein wichtiger Schritt zur Besserung.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Anna Yona: Wildling hat sich gut entwickelt. Wir wünschen uns, dass das so weitergeht und wir aus eigenem Antrieb und treu unserer Ideale zu einem stabilen Unternehmen mit einem kleinen aber feinen Team heranwachsen werden. Es gibt noch viele Träume und vor allem Produktideen, die wir verwirklichen möchten – viele davon in Kooperation mit anderen kreativen Köpfen. Und wer weiß – vielleicht klappt es ja tatsächlich mit der R&D Abteilung..

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
1) Kenne deine Zielgruppe. Je genauer du deine Zielkunden definieren kannst, desto besser. Hab keine Angst davor, dich zu sehr zu spezialisieren und einzugrenzen – ausweiten kannst du dein Portfolio immer noch. Gerade am Anfang musst du dich und dein Unternehmen in einem kurzen Satz erklären können – das wird dir leichter machen, deine Zielgruppe kostengünstig zu erreichen und es potentiellen Kunden leichter machen, deinen Nutzen zu erkennen.
2) Biete einen klaren Kundennutzen. Wenn du deinen Kunden etwas anbietest, dann stelle sicher, dass es ihnen einen besonderen Nutzen bietet – das ist dein wichtigstes Verkaufsargument.
3) Und schließlich – finde deine Nische. Niemand braucht die x-te Version eines Produktes. Sei anders, sei wiedererkennbar und finde deine ganz eigene Stimme.

Wir bedanken uns bei Anna Yona für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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