Anlagetrend Robo-Advisor: Smarte Algorithmen für Kleinanleger

Die Digitalisierung macht auch in der Finanzbranche nicht halt. Der FinTech-Trend Robo-Advisor entwickelt sich gerade zu einer echten Anlagealternative, was nicht zuletzt an den guten Renditen liegt. In den USA gehören Finanzalgorithmen für Kleinanleger schon lange zum Alltag. In Deutschland nehmen sie aber gerade erst an Fahrt auf und wollen vermehrt Fondsmanagern Konkurrenz machen. Wir haben uns den deutschen Markt der jungen Wilden einmal genauer angeschaut.

Was sind Robo-Advisor?

Robo-Advisor sind Algorithmen, die die Finanzmärkte überwachen und bei Schwankung das Portfolio des Anlegers so umschichten, dass Verluste vermieden werden. Wann der Robo-Advisor einschreitet, hängt maßgeblich von der Anlagestrategie ab. Entscheidend für die Strategie sind die Anlagedauer und die Risikoneigung, die der Nutzer vorab selbst bestimmt. Grundsätzlich gilt dabei: Ist der Anleger risikofreudig, investiert der Algorithmus eher in Aktien; umgekehrt wird bei gewünschter Risikovermeidung vermehrt in Anleihen investiert. Hat der Anleger diese beiden Variablen ausgewählt, geht der Robo-Advisor auf Einkaufstour verschiedener ETFs.

Doch was sind ETFs eigentlich?

ETF steht für Exchange Traded Funds und bezeichnet einen Indexfonds, der realexistierende Indizes wie z.B. den DAX virtuell abbildet. Ein Anlageinvestment wird dabei auf Aktien, Anleihen oder Rohstoffe innerhalb eines ETFs verteilt. Die Verteilung des Geldes hängt dabei von der Gewichtung der jeweiligen Position ab. In Aktien-ETFs werden Unternehmen mit höherer Marktkapitalisierung demnach höher gewichtet. ETFs haben den Vorteil, dass sie kostengünstig, Transparent und breit diversifiziert sind, was es für Kleinanleger attraktiv macht, schon mit geringen Beträgen zu investieren.

Bei einem Robo-Advisor wird in der Verwaltung zwischen aktiven und passiven unterschieden. Ein passiver Robo-Advisor lässt das Portfolio nach erstmaliger Einrichtung erstmal liegen. Eine Anpassung an die Märkte und damit Neuausrichtung findet in der Regel nur einmal Jährlich statt. Aktive Robo-Advisor hingegen überwachen kontinuierlich die Märkte und werden so zum privaten, digitalen Fondsmanager. Renditen von 8 bis 13 Prozent waren damit in den vergangen 12 Monaten möglich. „Für mich macht ein Robo-Advisor nur dann Sinn, wenn er aktiv umschichtet: das kann ein kleiner Privatanleger nämlich nicht leisten”, erklärt Per Ricken vom deutschen Expertenportal robo-advisor.de.

Trotz Automatisierung kommt ein Robo-Advisor aber auch nicht ohne Kosten aus

In Deutschland betragen diese durchschnittlich 0,86% des Anlagevermögens. 0,25% fallen davon auf die jährlichen Fondskosten (oder auch: Total Expense Ratio – TER) ab, die beim Kauf und Verkauf eines ETFs entstehen. Je exotischer und risikoreicher ein Index ist, in den ein ETF investiert, desto so höher fallen die Fondskosten aus. Ein Deutscher Robo-Advisor berechnet für den Service bzw. für das Management des Portfolios im Schnitt 0,61%. Hier hängt die Höhe oftmals von der Anlage ab. Hier gilt: Je größer das Vermögen in der Anlage, desto geringer die Kosten für die Verwaltung.

Robo-AdvisorWer in Deutschland Geld in einen Robo-Advisor anlegen will, dem sind Growney, Whitebox und Scalable Capital ans Herz gelegt. Alle konnten im ersten Quartal 2017 eine gute Performance aufweisen und sogar den Weltmarkt mit einer besseren Rendite von bis zu 1% schlagen – ganz oben befindet sich dabei Scalable Capital. Testsieger des deutschen Expertenportals robo-advisor.de ist ebenfalls der aktive Robo-Advisor von Scalable Capital. Der Grund ist einfach: Der Anbieter konnte bereits letztes Jahr mit einem ausgereiften Risiko-Management punkten und hat so in 2016 mit einer sehr soliden Performance das Vertrauen der Anleger belohnt. Da Robo-Advisor in Deutschland noch recht junge sind, ist jedoch abzuwarten, wie sich die Performance und das Risiko-Management über einen langen Anlagezeitraum entwickeln werden. Trotzdem gibt es genug Gründe, warum sich diese Technologie fest im Markt etablieren wird.

Drei Gründe, warum Robo-Advisor eine Zukunft haben

1. Fondsmanager werden größten Teils ersetzt

Die Digitalisierung hat die Eigenschaft, den Menschen als Mittler und Vermittler zu ersetzen. Der Fondsmanager, der oftmals Teuer ist und zwischen 2% und 5% Ausgabeaufschläge verlangt, ist für einen Kleinanleger kaum noch rentabel. Ein Robo-Advisor senkt die Kosten zugunsten des Anlegers und kann historische Daten besser und umfangreicher auswerten als ein Mensch.

2. Menschen erhalten durch Robo-Advisor Unterstützung in der Entscheidungsfindung

Gute Anlageberater werden bleiben und Vertrauen beim Kunden schaffen. Sie werden weiterhin über Märkte, Trends und Risiken aufklären. Beim Treffen von Entscheidungen werden Robo-Advisor notwendige Analysen liefern. So ist jüngst die Royal Bank of Canada eine Kooperation mit BlackRocks (größter Vermögensverwalter der Welt) Robo-Advisor FutureAdvisor eingegangen, um den hauseigenen 1.900 Fondsmanagern behilflich zu sein.

3. Alternative Anlageform gegenüber Tagesgeld und Immobilien

Robo-Advisor sind günstig, transparent und durchaus als sinnvolle Alternative gegenüber klassischen Anlageformen wie Tagesgeld und Immobilien anzusehen. Ihre Rendite liegt weit über dem, was Tagesgeld (ca. 0,5%) und Immobilien für Kleinanleger (max. 2%) heute noch einbringen.

Bild:pixabay.com

Niklas Vogt

Niklas Vogt ist Autor bei Deutschlands erstem auf Robo-Advice spezialisiertem Portal robo-advisor.de. Hier werden alle deutschen Anbieter für automatisierte Anlageempfehlungen verglichen. Er hat sich auf Geldanlage für Klein- und Kleinstanleger mit niedrigen Gebühren spezialisiert - für alle, die sich mit den niedrigen Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten nicht zufrieden geben möchten. Die amerikanische Robo-Szene verfolgt er schon seit den Anfängen im Jahr 2008.

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