Bleibt immer neugierig und wissbegierig

Thi Binh Minh Nguyen und Christin Marczinzik Gründer*innen von A.MUSE – Interactive Design Studio wurden als Kultur- und Kreativpilot 2019 ausgezeichnet.

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen doch kurz vor!

Wir sind A.MUSE, ein Kreativstudio für außergewöhnliche Multimedia-Erlebnisse zwischen Kunst & Design, Cutting-Edge Technologie & Social Entrepreneurship. Vom Designhaus in Halle (Saale) aus machen wir genau das, was der Firmenname verspricht: Ein Wortspiel aus den Begriffen „Muse“ und dem englischen Wort „amuse“ – Wir inspirieren und unterhalten, mit den Mitteln interaktiver Multimedialösungen. Unsere Kreationen verbinden auf spielerisch-experimentelle Weise die digitale und die physische Welt. So kreieren wir über technologieverliebte und ästhetische Erlebnisgestaltung hinaus poetische Welten und analoge Sinneswahrnehmungen, die Jung und Alt mitnehmen und begeistern. Themen wie Empathie, Inklusion, Diversität, Toleranz, digitale Medienkompetenz liegen uns dabei besonders am Herzen.

So setzen wir aus intrinsischer Motivation und Überzeugung eigene Inhouse-Produktionen mit gesellschaftlichem Mehrwert um: Unser aktuelles Herzensprojekt ist “Songs of Cultures”, ein mehrsprachiges Liederbuch mit Augmented Reality App, das mit Musik und Magie Kindern Kulturen näherbringt. Im Herbst soll diese veröffentlicht werden.

Als zweites Standbein bieten wir als Dienstleister neben kreativer Beratung auch folgende Services an: Konzeption, Gestaltung und Entwicklung von Mixed Reality Anwendungen (AR/VR), multisensorische Markenerlebnisse, interaktive Installationen, Exponate & Showrooms, alternative Interfaces. Dafür arbeiten wir eng mit unterschiedlichsten Auftraggebern aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft zusammen z.B. Intel, Bauhaus Museum Dessau oder Deutsche Bahn. Außerdem geben wir Vorträge, Workshops und VR-Kunst-Performances in deutsch und englisch.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?

Bereits im Masterstudium Multimedia / VR-Design haben wir gemeinsam erfolgreich an selbst initiierten Projekten gearbeitet. Uns war schnell klar, dass wir nach dem Abschluss unsere Visionen gemeinsam weiterverfolgen wollen. So war unser erstes Projekt 2014 bereits auf Welttournee: Die interaktive Installation SWING VR, welche mit VR-Brille und physischer Schaukel den Kindheitstraum vom Fliegen wahr werden lässt. Als glücklich machender Publikumsmagnet lässt sie Berührungsängste für Hightech und Virtual Reality vergessen. Als Gamification- & Immersive-Marketing-Produkt ist sie nach 6 Jahren immer noch gefragt und wird stetig von uns weiterentwickelt.

Vor der Gründung war es uns wichtig Erfahrung sammeln: Christin arbeitete 3 Jahre als Interaction & UI/UX-Designerin in Berlin für Auftraggeber im Museums- und Bildungsbereich. Minh war selbstständig als Art Director & Creative Technologist für nationale und internationale Kunden tätig, wo sie unter anderem in Silicon Valley Erfahrung sammelte.

2019 folgte endlich der große Traum, das eigene Unternehmen zu gründen.

Welche Vision steckt dahinter?

Wir wollen mit informativen, spielerischen und begeisternden Erlebnissen Menschen verbinden und glücklich machen. – Klingt erstmal banal, wird meist aber unterschätzt und ist so unglaublich wichtig. Denn nur wenn uns Dinge Freude machen und verblüffen, bleiben sie lange im Gedächtnis und bleiben mit einem positiven Gefühl verbunden. 

Als erfahrene Künstlerinnen, Designerinnen, Female Founder, Women in Tech und Migranten-Mama streben wir danach, eine Zukunft mit mehr Vielfalt und Mitgefühl zu schaffen.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?

Anfangen und machen. Vor allem, da wir unsere Komfortzonen sowie einen sicheren Job hinter uns lassen mussten und vor einem gewaltigen Berg an logistischer und finanzieller Organisation standen. Im Persönlichen wie auch Beruflichen. Aber gemeinsam und mit Beratung sowie Unterstützung von außen, ging es dann doch schneller und leichter als gedacht. Plötzlich war es da, unser preisgekröntes Start-Up A.MUSE.

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Wir denken: auf jeden Fall! Ganz wichtig ist, dass man von seiner Idee überzeugt ist und mit viel Leidenschaft sowie positiver Energie die Gründung angeht. Natürlich sollte man sich auch darüber im Klaren sein, was alles auf einen zukommt, wo die Fallstricke liegen und eine ordentliche Marktrecherche betreiben. Davon darf man sich aber nicht entmutigen lassen. Auch wir haben nicht alles durchgeplant und sind nach der agilen Effectuation-Methode flexibel vorangeschritten. Aber dadurch können sich wunderbare Zufälle ergeben und Türen öffnen, die das Vorantreiben der Idee auf überraschenderweise aufblühen lässt. Perfekt ist die Idee nie zu Anfang und verändert sich über die Zeit mit dem Erfahrungsschatz. Genau wie wir uns selbst täglich durch das eigene Start-Up weiterentwickeln, so ist es auch mit den Ideen. Sie wachsen, fokussieren und verändern sich stetig. 

Wie sind Sie auf die Auszeichnung Kultur und Kreativpiloten aufmerksam geworden?

Durch die Nominierung von “Songs of Cultures” zum Landeswettbewerb BESTFORM 2019 wurde uns nahegelegt, uns als Kultur- & Kreativpiloten zu bewerben. Außerdem hat Minh bereits 2013 beim Game Studio The Good Evil gearbeitet, die ebenfalls als Kultur- & Kreativpiloten Deutschlands ausgezeichnet wurden.

Wie wichtig sind solche Auszeichnungen?

Für uns sind Awards relevant wegen der medialen Aufmerksamkeit, den Austausch im Netzwerk, selbstlaufender Akquise und die eigene Reputation. Bereits im Studium haben wir das erkannt und unsere Projekte mit Videos online präsentiert, an Wettbewerben und Ausstellungen teilgenommen. Solche Auszeichnungen unterstreichen die eigene Expertise und erleichtern es Jobs zu bekommen – Vor allem als Female Startup in der Tech-Branche muss man sich manchmal besonders behaupten. Allerdings sehen wir Auszeichnungen, bei denen horrende Teilnahmegebühren fällig werden sehr kritisch. Dies ist leider oft bei Design-Awards der Fall. Damit ist klar, dass sich kleine Studios mit großartigen Projekten und Ideen nicht in dem Maße bewerben können, wie es für große etablierte Agenturen der Fall ist, die gleich mehrere Projekte in vielen Kategorien einreichen.

Daher ist es so bemerkenswert und eine viel größere Wertschätzung einen Preis der Bundesregierung zu erhalten, bei dem jeder teilnehmen kann, der eine Idee und Vision hat, egal wie groß der Geldbeutel ist. Da geht es wirklich um Mehrwert, Kultur und Kreativität.

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?

Wenn Menschen weltweit auf der Suche nach unkonventionellen Lösungen sind, die mit extraordinären Erfahrungsräumen begeistern, aufklären und Spaß machen, sollen sie sofort an “A.MUSE” denken. Dann auch mit entspannterer Work-Life-Balance, inklusiv fest verankertem “New Work”-Ansatz im Unternehmen, der es ermöglicht ortsungebunden flexibel zu arbeiten. 

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründer*innen mit auf den Weg geben?

1.) Zeigt euch und eure Idee: Redet so viel & oft wie möglich darüber. Werdet sichtbar. Reicht bei Awards ein, nehmt an Messen und Konferenzen teil, engagiert euch, stellt Fragen und haltet selbst Vorträge.

2.) Bleibt immer neugierig und wissbegierig. Reflektiert regelmäßig euch, eure Idee, Workflows, Blocker und Dinge, die euch gut tun und pushen. Holt euch auch von außen Tipps und Unterstützung z.B. durch Mentoren. Schreckt nicht davor zurück, euch immer wieder selbst zu hinterfragen und zu optimieren. Bei der Führung eines Unternehmens wächst vor allem die eigene Persönlichkeit. Ganz wichtig ist dabei das miteinander Reden und Reflektieren. Wenn was nicht geklappt hat, schaut euch an, warum es so war und wie ihr es beim nächsten Mal besser machen könnt. Nur so entsteht Großes.

3.) Habt keine Angst vor Fehlern, wagt es unkonventionelle Wege einzugehen, Dinge anders zu machen und auch mal ein Risiko einzugehen, die Zukunft positiv zu beeinflussen.

“When you change the way you see the world, you can change the world you see.” – Wayne Dyer

Jedes Jahr werden im Namen der Bundesregierung 32 Unternehmen als Kultur- und Kreativpiloten Deutschland ausgezeichnet. Bewerben können sich Unternehmen, Selbständige, Gründer*innen und Projekte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft und deren Schnittstellen zu anderen Branchen. Die Bewerbung kann via Online-Formular auf www.kultur-kreativpiloten.de eingereicht werden. Das diesjährige Bewerbungsverfahren geht vom 1. Juli – 16. August 2020.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Thi Binh Minh Nguyen und Christin Marczinzik für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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