80/20 – Mit Perfektionismus kommt man bei der Unternehmensgründung nicht weit

AmberScript wandelt Sprache automatisch in Text um

Stellen Sie sich und das Startup AmberScript kurz unseren Lesern vor!

AmberScript wandelt Sprache automatisch in Text um. Damit helfen wir unseren Kunden, automatisch Untertitel und Transkripte zu erstellen. Das Besondere dabei ist unser intuitiver Editor, mit dem z.B. Studenten oder Videoproduzenten die automatisch erstellten Transkripte noch manuell nachbearbeiten können.

Für spezielle Anwendungsfälle entwickeln wir maßgeschneiderte Sprachmodelle, um die Genauigkeit der automatischen Transkription auf nahezu menschliches Niveau zu bringen.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Transkription ist ein unglaublich zeitraubender Prozess. Das haben mein Mitgründer Peter-Paul de Leeuw und ich während des Studiums am eigenen Leib erfahren. Während meiner Abschlussarbeit saß ich bis in die frühen Morgenstunden am Schreibtisch, um Experteninterviews zu verschriftlichen, während meine Englischsprachigen Kommilitonen dafür Spracherkennung nutzten und in einem Bruchteil der Zeit mit der gleichen Arbeit fertig waren. 

Zusammen mit Peter-Paul habe ich mir den Markt angeschaut und gemerkt, dass Spracherkennung in kleineren Sprachgebieten, wie z.B. den Niederlanden und Deutschland noch ziemlich hinterherhinkt. Daraus entstand die Idee: Wenn amerikanische Konzerne wie z.B. Google und IBM sich mit Englisch und Chinesisch beschäftigen, richten wir uns auf Deutschland, Holland und andere europäische Sprachgebiete aus.

Welche Vision steckt hinter AmberScript?

Die Art und Weise wie Menschen mit Computern interagieren steht vor einer weiteren Revolution. Bis vor etwa hundert Jahren wurde noch hauptsächlich mit Stift und Papier geschrieben. Dann kam die Schreibmaschine und später die Tastatur. Innerhalb weniger Jahre wird sich das nun erneut ändern. Menschen werden fast ausschließlich Ihre Stimme nutzen um Computer zu steuern und Mails zu schreiben.

In dieser Entwicklung sehen wir uns als führenden Anbieter von automatischer Spracherkennung für europäische Sprachen. 

Innerhalb der nächsten Jahre wollen wir noch einen Schritt weiter gehen: Nicht nur von Sprache zu Text, sondern auch von Sprache zu Analysen. Wir wollen nicht nur abtippen was Menschen sagen, sondern auch verstehen und interpretieren was gesagt wird. 

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung lag darin Entscheidungen zu treffen. In einem komplett neuen Markt gibt es wenige Orientierungspunkte und „best practices“. Das gibt einem enorm viel Freiheit neue Wege zu finden. Aber das bedeutet auch, dass man die Qual der Wahl hat – und das jeden Tag. Am Anfang hat man eine Idee, eine Vision. Allerdings kann man mit begrenzten Ressourcen nicht alles auf einmal machen. Daher gilt es in Zusammenarbeit mit seinen Kunden Entscheidungen zu treffen und sich als Unternehmen Stück für Stück weiterzuentwickeln. 

Wir hatten das große Glück, mit Risikokapitalgeber Venture Builders aus Amsterdam einen renommierten Finanzierungspartner zu finden, der uns einen schnellen Markteintritt ermöglicht hat. Außerdem haben wir ein sehr engagiertes und gut ausgebildetes Team, das die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen für die Entwicklung von Sprachmodellen und Software mitbringt. 

Wer ist die Zielgruppe von AmberScript?

Unser Service richtet sich an alle, die gelegentlich oder regelmäßig größere Mengen von Sprachdateien in geschriebenen Text umwandeln müssen. Das sind beispielsweise Studierende, Videoproduzenten, Wissenschaftler oder Marktforscher.

Auch Unternehmen und öffentliche Organisationen fallen in unsere Zielgruppe. Spracherkennungstechnologie wird von z.B. Medienunternehmen genutzt um Videodateien in Archiven zu transkribieren und so durchsuchbar zu machen. Öffentliche Einrichtungen und Universitäten erstellen Untertitel mit unserer Software, um Videos barrierefrei zu gestalten. Großunternehmen nutzen die Sprachtechnologie, um z.B. Telefonate aus Callcentern zu transkribieren und zu analysieren. Unsere Technologie ist also sehr vielfältig einsetzbar. 

Wie funktioniert AmberScript? Wo liegen die Vorteile?

Die Spracherkennung von AmberScript basiert auf künstlicher Intelligenz. Sie erkennt Sprache vollautomatisch und wandelt sie in geschriebenen Text um. Die Nutzer laden ihre Sprachdateien oder Videos auf einen gesicherten Server hoch und erhalten nach kurzer Zeit ein Transkript, welches sie wenn nötig manuell nachbearbeiten können. Manuelle Transkription von einem Gespräch von einer Stunde kostet oft 5-6 Stunden Arbeitszeit. Mit AmberScript kann man die Arbeitszeit enorm verkürzen. Dadurch spart man Zeit, Geld und Frustration. 

Außerdem bietet AmberScript größeren Kunden maßgeschneiderte Sprachmodelle an.  Zum Beispiel müssen im Rahmen der EU-Richtlinie 2016/2102 öffentliche Einrichtungen auf Bundes-, Landes- und Kreisebene ab September 2019 Videos oder Podcasts mit Untertiteln veröffentlichen. Wir bieten hierfür domänenspezifische Spracherkennungssoftware, die darauf trainiert ist, bestimmte Fachbegriffe korrekt zu erkennen.

Wie ist das Feedback?

Amberscript ist 2018 in Holland gestartet und direkt in mehreren unabhängigen Tests als beste Spracherkennung für die niederländische Sprache gekürt worden. Unsere Nutzer bewerten uns auf Google mit einer 4,9 (von 5).

Auch unsere bisherigen Kunden aus Bildung, Wissenschaft, Verwaltung, Journalismus und vielen Wirtschaftsbereichen äußern sich sehr zufrieden. 

AmberScript, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Vor wenigen Monaten ist der deutschsprachige Service von AmberScript gestartet. In den kommenden 12-24 Monaten liegt der Fokus auf dem deutschen Markt. Längerfristig planen wir andere europäische Sprachgebiete zu erschließen.

Die größte strategische Veränderung wird darin liegen, nicht nur Sprachtechnologie zu entwickeln, sondern auch Sprache zu analysieren. Diese Disziplin nennt sich „Natural Language Understanding“, also das Verstehen von natürlicher Sprache.

Für die Internationalisierung und die Weiterentwicklung unserer Technologie sind wir auf der Suche nach starken Partnerunternehmen. Momentan sind wir im Gespräch mit verschiedenen Kapitalgebern. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

  1. 80/20 – Mit Perfektionismus kommt man bei der Unternehmensgründung nicht weit. Je schneller man neue Produkte und Funktionen auf den Markt bringt, desto schneller bekommt man Feedback und desto schneller kann man das Produkt wirklich verbessern.
  2. Gehe davon aus, dass du nicht alles weißt. Bei der Unternehmensgründung hätten wir nie gedacht, wie viele Unternehmen und Berufsbilder täglich Interviews oder Videodateien abtippen. Das haben wir nach und nach im Gespräch mit Kunden und Experten herausgefunden.
  3. Hab keine Angst, Unbekannte um Hilfe zu fragen. Meine Lieblingsbetreffzeile für E-Mails ist „Helfen Sie einem Unternehmer – darf ich Ihnen eine Frage stellen?“. So sind wir z.B. ins Gespräch mit dem niederländischen Parlament gekommen.  

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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