Als Außenseiter zum Erfolg

Meine Begeisterung für die Startup-Welt begleitet mich schon viele Jahre, sodass ich mittlerweile eine Menge Erfahrung in diesem besonderen Business sammeln durfte. Im Laufe der Zeit habe ich diverse Gründungstypen gesehen, vom Studenten-Startup bis hin zur systematischen VC-Gründung á la Rocket, und dabei festgestellt, dass es irgendwie kein klares Rezept für die großen Erfolge gibt. Warum es aber ein Vorteil sein kann, in einer fachfremden Branche zu gründen, und warum für ein Startup die richtigen, nicht die besten Leute entscheidend sind, habe ich erst durch die Gründung meines dritten Unternehmens Zahnarzt-Helden gelernt.

„ Und wer von den Gründern ist nun Zahnarzt ?”

Menschen mögen Zusammenhänge und deshalb hat die perfekte Gründerstory idealerweise immer jemanden, der entweder einen sehr engen Bezug zum Thema oder eine hohe intrinsische Motivation z.B. durch eine eigene Leiderfahrung hat. Im Auge des Betrachters befähigt das Menschen dazu, Lücken und Optimierungsbedarf in bestehenden Prozessen zu entdecken und damit den Willen zur Veränderung anzuregen – Runtastic, Jimdo und Valuedesk sind da nur einige Beispiele. Aber es geht auch anders, denn mal im Ernst: Ebenso wie bei meinen Mitgründern Martin und Philip gehört das Thema Zahnarzt weder zu meinen Fachbereichen noch zu meinen liebsten Hobbys (wen wundert’s?). Lediglich weil ich mit meinem Bruder über seinen Job als Medizin-Vertriebler sprach, ist mir sowas wie eine erste leise Idee für Zahnarzt-Helden gekommen.

Immer wieder sehen wir uns also mit der Frage konfrontiert, wer von uns Gründern eigentlich Zahnarzt sei und sich mit der Branche tiefgreifend auskenne. Die Antwort ist einfach: Niemand. Das macht aber nichts. In einem Markt, in dem über 30 Jahre lang nicht viel passiert ist, ist der Flaschenhals nicht, an spezifisches Fachwissen zu gelangen, sondern mit einer gewissen Außenperspektive Impulse zu setzen, an die bisher keiner gedacht hat. Ein Online-Fragebogen zur Erfassung der Bedürfnisse für ein bestimmtes Dentalgerät ist gedanklich ja erstmal kein großes Feuerwerk, doch hatten die vertriebsgesteuerten Unternehmen in der Dentalbranche per Definition nicht den geistigen Blickwinkel, um in diese Richtung zu denken. Wir hatten diese Perspektive und das auch ohne Zahnmedizin-Studium.

Die richtigen Leute, nicht die besten

Jeder Gründer weiß: Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von der Qualität und Motivation der eigenen Mitarbeiter ab, doch die gibt es nicht wie Sand am Meer. Berlin als europäische Gründermetropole zieht mit seiner herausragenden Infrastruktur junge Unternehmer aus aller Welt an. Ob Online-Marketing-Spezialisten oder Tech-Talents, Neu-Unternehmer können sich in der Hauptstadt aus einem breiten Pool an Experten verschiedenster Bereiche bedienen.

In unserem Wahl-Gründungsort Bielefeld sieht das etwas anders aus. Auch wenn mit der Founders Foundation gerade ein einzigartiges Ökosystem für junge Gründer wie uns entsteht, ist die Startup-Szene für viele hier ansässigen Absolventen noch absolutes Neuland. Kann es also gelingen, ein Internetunternehmen im Startup-Hinterland Bielefeld ohne ausgebildete Fachleute aufzubauen? Und ob das geht…

Bei Zahnarzt-Helden sind wir der festen Überzeugung, dass grundsätzlich jeder alles lernen kann und in unserem nun achtköpfigen Team orientiert sich die Ausrichtung des Unternehmens an den Qualifikationen der Menschen, nicht andersrum. Bis heute habe ich keinen CV gelesen und habe dies auch nicht vor – es gibt Dinge, die mir deutlich mehr über die Leistungsfähigkeit eines Bewerbers sagen können. Leuchtende Augen und eine besondere Art, smart zu denken, das sind aktuell die wichtigsten Einstellungskriterien, der Rest ergibt sich ganz von selbst.

Das beste Beispiel hierfür bietet unser Mitgründer Martin – als studierter Maschinenbauingenieur hat er sich autodidaktisch zum Experten für Webdesign und Online-Marketing qualifiziert und stellt mit seinen KPIs aktuell so ziemlich jede Rocket-Gründung in den Schatten. Also, wo ein Wille, da ein Weg. Bei Zahnarzt-Helden werden wir deshalb auch zukünftig keinen Power-Absolventen bevorzugen und jedes Team-Mitglied dazu motivieren, neben dem Unternehmen auch daran zu arbeiten, seinen eigenen Marktwert ständig zu steigern. Ob der Plan aufgeht, das wird die Zukunft zeigen.

Autor: Carsten Janetzky ist nach seinem BWL-Studium 2013 direkt in die erste Gründung und hat seitdem die Startup-Welt nie wieder verlassen. Mit dem Smarthome-Device-Hersteller viveroo und der Kosmetik-Preisvergleichs-Seite vazoo ist Zahnarzt-Helden nun das dritte Unternehmen, das der gebürtige Schleswiger mit aufgebaut. Nachdem er in seinen Startups selbst immer den persönlichen Vertrieb übernommen hat ist es nun seine langfristige Vision, den Arbeitsalltag von klassischen Außendienstlern auf der ganzen Welt nachhaltig zu verändern.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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