Haben Sie eine klare Vorstellung davon, wohin Sie wollen

Im Interview mit Alexandar Vassilev, CEO der Streaming-Plattform Joyn, der Streaming Dienst mit über 60 Free-TV Kanälen, Live Streams sowie exklusiven Serien und Filmen

Stellen Sie sich doch kurz vor! 

Alexandar Vassilev: Mein Name ist Alex und ich bin Technologie-Enthusiast. Ich komme ursprünglich aus Bulgarien, aber jetzt bin ich in München ansässig, wo ich als CEO der Streaming-Plattform Joyn arbeite. Bevor ich hier anfing, verbrachte ich ein Jahrzehnt bei Google und YouTube, wo ich unter anderem an Produkten wie Adwords für Video, XFP Video und Google Search gearbeitet habe. Dazwischen habe ich einen MBA an der Harvard Business School absolviert. Ursprünglich studiert habe ich Informatik und Computermathematik. 

Stellen Sie uns doch kurz Joyn vor! 

Joyn ist eine vielfältige Unterhaltungs-Streaming-Plattform. Sie bietet mehr als 60 Free-TV-Kanäle mit Live-Streams und Medienbibliotheken sowie exklusive Serien und Filme, Originals und Vorschauen von noch nicht ausgestrahlten TV-Sendungen auf Abruf. Anfangs hat Joyn die Inhalte der Free-TV-Sender von ProSiebenSat.1 und Discovery gebündelt; schnell haben wir das Angebot jedoch ausgeweitet und mit 15 weiteren Content-Partnern kooperiert, auf unserer Plattform und in der App. Mit unserem Premium-Angebot Joyn PLUS+ kamen noch mehr Live-TV-Kanäle in HD, Hollywood-Filme und -Serien, Originals und Exclusives dazu.

Welche Vision steckt hinter Joyn? 

Alexandar Vassilev: Von Anfang an wollten wir eine Streaming-Plattform kreieren, auf der die Zuschauer Geschichten finden, die ihre Gesellschaft, Sprache und kulturelle Identität widerspiegeln. Deshalb haben wir einen starken Fokus auf hyperlokale und kontextbezogene Inhalte und bieten dennoch die beste Auswahl an internationalen und bekannten Filmen und Serien. Außerdem wollen wir, dass Joyn mehr als nur eine Streaming-Plattform ist: Es geht um eine Community. Deshalb ist für uns Feedback ein so wesentlicher Bestandteil unseres Produkts.

Wir ermutigen unsere Nutzer, uns zu kontaktieren und uns ihre Erfahrungen mitzuteilen, damit wir die Plattform aufbauen können, die sie nutzen wollen. Bei Joyn sind wir ein Team von Technik-Enthusiasten mit dem Ziel, die gleiche Freude zu vermitteln, die Konsumenten von anderen erfolgreichen digitalen Diensten kennen und schätzen gelernt haben. Wir haben große Ambitionen, den ersten wirklich pan-europäischen lokalen Video-Streaming-Service zu schaffen und ein Produkt aufzubauen, das extrem gut zu den Bedürfnissen des Marktes passt.

Was waren die größten Herausforderungen? 

Wir haben Joyn mit nur 3 Leuten gestartet. Jetzt sind wir mehr als 300. In weniger als 2 Jahren mussten wir uns als Unternehmen formieren, eine adaptive Kultur schaffen, die Innovationen fördert, und unser komplettes Produkt auf den Markt bringen. In weniger als einem Jahr haben wir aufgebaut, was Joyn heute ist: eine benutzerfreundliche, leicht zugängliche Plattform, die eine breite Auswahl an spannenden Videoinhalten bietet.

Wie kann man Joyn streamen? Ist Joyn auf Deutschland beschränkt? 

Alexandar Vassilev: Joyn kann man kostenlos und ohne Registrierungspflicht auf iOS- und Android-Geräten sowie im Web und über Smart TVs benutzen. Wer noch mehr spannende Inhalte möchte, kann unseren Premiumdienst Joyn PLUS+ abonnieren. Der Dienst ist derzeit nur in Deutschland verfügbar, aber wir planen, in naher Zukunft europaweit zu expandieren.

Was sind ihre Aufgaben bei Joyn? 

Lassen Sie mich zwei aus einer Reihe von Aufgaben herausheben: Erstens müssen mein Team und ich dafür sorgen, dass Joyn die richtigen Leute hat, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Zweitens achte ich sehr darauf, dass alle Maßnahmen, die wir ergreifen, voll und ganz auf unsere langfristige Vision abgestimmt sind und dass sich unsere Kultur als noch stärkerer Wettbewerbsvorteil weiter entwickelt.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Alexandar Vassilev aus? 

Alexandar Vassilev: Normalerweise wache ich recht früh auf und frühstücke mit meiner Frau – das lasse ich selten aus. Danach schaue ich kurz in meinen Posteingang und gehe dann ins Büro. Meine Tage sind in der Regel voll mit Besprechungen und Telefonaten mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Außerdem reise ich viel, so dass meine Tage nie ganz gleich sind. Trotzdem versuche ich immer, an jedem Tag etwas Zeit zu blockieren, in der ich ungestört arbeiten kann. Das hilft mir, einen klaren Blick auf unsere Gesamtziele zu behalten.

Was unterscheidet Joyn von den anderen Streaming Diensten? 

Joyn hat einen sehr starken Fokus auf lokale Geschichten. Unsere Serie „Jerks“ zum Beispiel, die in Potsdam spielt, setzt auf lokale Prominenz und einen Humor, der sicher nicht überall funktioniert – der aber bei unseren Zuschauern in Deutschland auf jeden Fall ankommt. Darüber hinaus sind wir nutzergetrieben wie keine andere Streaming-Plattform in Deutschland. Wir arbeiten unermüdlich daran, Barrieren für die Nutzung von Inhalten zu beseitigen – und wir wissen, dass der Schlüssel dazu eine State-of-the-art Nutzererfahrung ist.

Wie schwer war die Entwicklung der Software/Apps? 

Alexandar Vassilev: Wir haben Joyn von Grund auf neu geschaffen und wir konzentrieren uns darauf, alle unsere Schlüsseltechnologien im eigenen Haus zu entwickeln, anstatt uns stark auf Dritte zu verlassen. Die harte Arbeit zahlt sich aus: als Entwickler unserer eigenen Technologie können wir sehr schnell das Feedback der Nutzer umsetzen und unseren Service ständig verbessern.

War es schwer, die Sender für Ihr Angebot zu begeistern? 

Zum Glück haben die meisten sofort den Wert einer gut zugänglichen Plattform erkannt. Mit der Aufnahme von Live-TV in unser Angebot geben wir den Sendern die Chance, von einem jüngeren Publikum entdeckt zu werden. Viele unserer jüngeren Zuschauer haben die Vorteile von Live-TV über uns überhaupt zum ersten Mal kennengelernt. Und sie lieben es. Live-TV nimmt ihnen die Last ab, nach Inhalten suchen zu müssen. Kein endloses Scrollen, Bewerten von Optionen und Auswählen. Sie müssen einfach nur einschalten und entspannt kuratierte Inhalte ansehen.

Die Idee des linearen Fernsehens wird weiterhin sehr lebendig bleiben. Höchstwahrscheinlich wird das Streaming sogar sein Retter sein.

Wie schwer war es Kunden für Werbung zu bekommen? 

Alexandar Vassilev: Es ist immer Arbeit, aber machbar. Wir sind sehr dankbar, dass wir sowohl ProSiebenSat.1 als auch Discovery als Aktionäre haben, denn sie verfügen über langjährige Beziehungen zu Werbekunden. Zudem sind sich die Werbetreibenden der Bedeutung von Streaming-Plattformen bewusst, um wichtige Konsumenten-Segmente zu erreichen.

Welche technische Innovationen werden in Zukunft in die Apps und auf der Seite einfließen? 

Als Technik- und Produktenthusiasten arbeiten wir bei Joyn ständig daran, unseren Service zu verbessern. So haben wir beispielsweise in den wenigen Monaten seit unserem Start im Juni 2019 unser Produkt um Google Chromecast erweitert und den Nutzern mehr Kontrolle über ihre Reise ermöglicht – mit Hilfe von Lesezeichen oder einer noch personalisierteren Erfahrung. Und, was am wichtigsten ist, wir haben unseren Premiumdienst Joyn PLUS+ eingeführt.

Unser Team hat hart daran gearbeitet, Joyn PLUS+ zu einem Erfolg zu machen. Beginnend bei den Content-Providern haben wir unseren Medien-Onboarding-Prozess und unsere Pipelines komplett überarbeitet – so bringen wir mehr Inhalte schneller zu den Nutzern. Wir haben auch mehrere User Experience-Studien durchgeführt, um die Erwartungen der Nutzer an einen Premium-Service besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse haben wir in unser Produkt integriert. Gleichzeitig haben wir die Leistung des Players über alle Plattformen verstärkt.

Das ist nur eine Momentaufnahme all der Innovationen, an denen wir gearbeitet haben. Wir arbeiten jeden Tag mit einem klaren Ziel vor Augen: Wir wollen sicherstellen, dass Joyn immer auf dem neuesten Stand der Technik ist und Benutzern stets ein Top-Erlebnis bietet.

Wer ist die Zielgruppe von Joyn? 

Alexandar Vassilev: Sie ist breit aufgestellt, angesichts des Spektrums unserer Angebote. Außerdem steigt die Zahl der Menschen stetig an, die in Deutschland streamen. Genießen können unsere Zuschauer neben Live-TV, exklusive und originelle Inhalte, die es nur auf unserer Plattform gibt, ihre Lieblings-TV-Sendung und viele weitere Unterhaltungsmöglichkeiten. Jeder ist bei Joyn herzlich willkommen, und jeder kann bei Joyn etwas finden, das ihm gefallen wird.

Worin liegt der Unterschied von Joyn zu Joyn PLUS+? 

Joyn PLUS+ bietet mehr exklusive Inhalte, mehr Originals, die besten Filme und Serien und noch mehr Live-TV in HD. Joyn PLUS+ Abonnenten haben Zugang zu mehr als 60 Live-TV-Kanälen, darunter die Pay-TV-Kanäle ProSieben FUN, SAT.1 emotions, Kabel Eins CLASSICS, Eurosport 2, Discovery Channel und Animal Planet. Ein großer Teil der Joyn Mediathek ist auch in HD verfügbar und für Abonnenten weitgehend werbefrei. Die besten Filme und Serien von maxdome sind ebenfalls Teil unseres PLUS+ Angebots. Und als Krönung des Ganzen wird der Eurosport Player ab 2020 in Joyn PLUS+ integriert.

Unser Joyn-Basisangebot steht allen kostenlos zur Verfügung. Es bietet den Nutzern eine breite Auswahl an Videoangeboten, die wir ständig erweitern. So haben wir beispielsweise erst kürzlich unsere eigene TV-Show-Produktion „Slavik – Auf Staats Nacken“ mit dem Social Media-Star Slavik Junge hinzugefügt. Wir wollen, dass jeder Teil unserer Joyn-Community ist und bieten deshalb verschiedene Möglichkeiten des Videokonsums an.

Wie hat sich Joyn bis jetzt entwickelt? Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden? 

Alexandar Vassilev: Wir sind sehr glücklich, stehen aber noch am Anfang. Seit unserem Start im Juni 2019 haben wir eine schnell wachsende Community von mehr als 6,5 Millionen monatlich aktiven Nutzern aufgebaut, und die Zahl wächst stetig weiter. Wir sind sehr stolz auf die Leistung unseres Teams, aber wir bleiben am Boden und arbeiten weiterhin hart daran, uns zu verbessern.

Wie wird sich ihrer Meinung der Streaming Markt verändern? 

Das Streaming hat inzwischen mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland erreicht – trotzdem wird der Kuchen größer werden. Streaming ist kein „Winner-takes-it-all“-Geschäft. Auch wenn sich der Markt irgendwann einmal konsolidieren wird, gilt, dass Content schon immer ein recht vielfältiges Feld war. Ich glaube nicht, dass es ausschließlich auf ein oder zwei globale Plattformen hinausläuft. Hyperlokale und kontextbezogene Angebote wie unseres beginnen gerade erst, größer zu werden. Wir leben im goldenen Zeitalter des Streaming.

Wo sehen Sie Joyn in fünf Jahren? 

Alexandar Vassilev: Unser Ziel bei Joyn ist es, einen hyper-lokalen, pan-europäischen Streaming-Service zu kreieren – und ich glaube wirklich, dass wir in einer hervorragenden Ausgangslage sind, um dieses Ziel zu erreichen. Wir haben ein großartiges Produkt, großartige Inhalte und, was am wichtigsten ist, ein Team von Menschen, die dieses Ziel mit Leidenschaft teilen. Ich bin sehr optimistisch, was unsere Zukunft betrifft.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? 

Das ist schwer vorherzusagen. Vor ein paar Jahren war ich noch im Silicon Valley und habe für Google gearbeitet, heute bin ich in München und versuche die Art und Weise zu verbessern, wie wir Videoinhalte konsumieren und genießen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch in fünf Jahren weiterhin Technologie so gestalten werde, dass sie jedermann genießen kann.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern auf den Weg geben? 

Haben Sie eine klare Vorstellung davon, wohin Sie wollen; umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihre Leidenschaft teilen und die bereit sind, Sie während der gesamten Reise herauszufordern; und am wichtigsten, vergessen Sie nicht Spaß zu haben!

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Alexandar Vassilev für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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