Keine Kompromisse in der Qualität von MitarbeiterInnen eingehen

Adello: Die Zukunft der mobilen Werbung

Wie ist die Idee zu Adello entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Ich hatte Adello gegründet, nachdem ich mich während mehreren Jahren in anderen Unternehmen im Bereich Mobile-Technologie bewegt hatte. Zwei Dinge bewogen mich zu diesem Schritt: Erstens der Beginn der Verlagerung der Werbung von klassischen Medien zu digitalen Medien. Und die damit nicht verstandene Opportunität, Werbung mit den neu hinzukommenden Daten zu optimieren. Und zweitens die Diskrepanz zwischen der hohen Nutzung von Smartphones und der noch nicht existenten Werbung darauf. Das derzeitige Management Team (mehrheitlich seit 2011-2014) kam über mein Kontaktnetzwerk und normale Rekrutierung zusammen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die grösste Herausforderung ist für mich stets diejenige, die man noch nicht erledigt hat. Sicher sind Themen wie Aufbau von Technologie oder Fundraising nicht einfach. Für mich ist das Festhalten an einer Vision für ein Startup eine der schwersten und auch häufig wiederkehrenden Entscheidungen: Bis zu welchem Punkt glaubt man an etwas und beisst sich durch die Durststrecke und ab wann muss man eine Niederlage eingestehen und sich neu ausrichten etc.
Finanziert sind wir über Kapital der Gründer/Management und einem Investment von Swisscom und privaten Aktionären.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
In unserer Familie gab es den Spruch: „Erfolg folgt harter Arbeit mit Verzögerung.“ Das sehe ich bei Adello auch so. Die ersten vier Jahre führten zu ein paar Awards und viel Aufmerksamkeit, aber eigentlich standen wir am Abgrund. Danach folgte eine Phase mit enormem Wachstum und Profitabilität. Dieses Wechselspiel sehe ich als normal an. D.h. ich bin Optimist während einer Durststrecke, weil ich überzeugt bin, dass es nach einiger Zeit aufwärts geht und Pessimist während einer „erfolgreichen“ Phase, weil ich davon ausgehe, dass diese irgendwann endet und man deshalb bereits den nächsten Schritt vorbereitet haben muss.

Wo stehen wir heute? Wir haben ein tolles Team in sieben Ländern und Infrastruktur auf drei Kontinenten, eine Technologie, die im Direktvergleich mit den grossen Marktteilnehmern kompetitiv ist und zählen hunderte von Brands weltweit zu unseren Kunden. Objektiv gesehen, sind wir nicht das durchschnitliche Startup und das gefällt mir. Derzeit wachsen wir über Erwartungen.

Wer ist die Zielgruppe von Adello?
Wir arbeiten im Bereich B2B. D.h. unsere Kunden sind Agenturen und Direktkunden.

Wie funktioniert Adello?
Vereinfacht gesagt, optimieren wir die Auslieferung der Werbung, indem wir versuchen vorherzusagen, welche Person sich für welche Werbung in welchem Moment interessieren wird.
Präziser gesagt arbeiten wir in den Bereichen Machine Learning/Big Data (viele würden es „Artificial Intelligence – AI“ nennen) mit unserer eigenen Infrastruktur. Das sind also hunderte von Servern, die enorme Datenmengen auswerten, um möglichst präzise Vorhersagen zu treffen. Die Algorithmen werden von Menschen geschrieben, die Berechnung der Vorhersagen aufgrund von Milliarden von Datenimpulsen können Maschinen aber besser als jeder Mensch.

Welche Vorteile bietet Adello?
Wir folgen unserer Mission, Werbung relevant zu machen und das gelingt uns mittlerweile sehr gut. D.h. die Werbetreibenden erzielen einen besseren Erfolg (genauere Adressierung der Zielgruppe und/oder höherer ROI), während die Konsumenten bei uns mit weniger (irrelevanter) Werbung bespielt werden. Weil wir ja denjenigen, von denen wir aufgrund der Analyse glauben, dass sie kein Interesse an einem bestimmten Produkt haben, eben keine Werbung anzeigen. Es profitieren also alle in der Kette.

Für viele Kunden ist unser Schweizer Hintergrund von Vorteil: Wir kennen die Herausforderungen kleiner Märkte, obwohl wir global operieren. Das heisst, wir haben tiefes Verständnis für Anpassung an spezifisch lokale Gegebenheiten (Ansprechperson, Bedürfnisse, Daten und Datenschutz, Sprachen, Targeting). Auf unsere Wurzeln sind wir stolz.

Wie ist das Feedback?
Die wichtigsten Indikatoren für mich sind die Neukundengewinnung und die Kundentreue. Im Bereich Neukunden wachsen wir enorm. Meistens nachdem wir 1:1 gegen Mitbewerber getestet werden. Die Kundentreue ist hoch. Die meisten bedienen wir seit Jahren. In der Zeit muss man sich regelmässig austauschen. In informellen Meetings erhalten wir oft Anregungen, die später in Produkte einfliessen. Deshalb ist dieser Informationsfluss zentral.

Adello, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Unser Weg lässt sich an mehreren Wegmarken festmachen. Zum Beispiel an unserer Technologie, die wir laufend weiterentwickeln und führend bleiben muss. Mehr Daten, bessere Algorithmen, tiefere Integration. Dann aber auch in der Geschäftsentwicklung, also in welchen Märkten wir uns bewegen, welche Kundengruppen wir mit welchen Produkten bedienen. Während die Relevanz von Werbung unsere Mission ist, ist unsere Vision Signifikanz. D.h. wir wollen weltweit in unserer Nische von datengetriebenem Mobile Advertising ROI zu den Top10 Anbietern gehören. Das wird nicht von heute auf morgen passieren.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Keine Kompromisse in der Qualität von MitarbeiterInnen eingehen. Diese motivieren und befähigen. Und wenn einmal ein Mismatch vorliegt, sich möglichst rasch trennen.
Hinterfragen und eigene Meinung bilden. Nicht jede Aussage als korrekt akzeptieren und versuchen, den Kern der Aussage herauszuschälen.
Keine Angst vor Entscheiden. Zunächst Szenarien durchdenken und möglichst viel Information einholen. Dann aber rasch entscheiden und konsequent durchziehen. Das Bauchgefühl muss dabei stimmen.

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Wir bedanken uns bei Mark Forster für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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