Ganz oder Garnicht!

Der Gründer von add-e war in der StartUp Show 2 Minuten 2 Millionen wie es nach der Show weiterging erzählt er im Interview

Wie ist die Idee zu add-e entstanden?
add-e ist während meiner Studienzeit entstanden. Die erste Idee war ganz einfach und egoistisch, ich wollte einfach weniger Anstrengungen bei mehr Speed auf dem Weg in die FH. Daher habe ich mir sehr früh auf mein Alltagsrad einen Motor, Regler und Akku angebaut. Dafür musste seinerzeit ein kleiner e-Roller (Tante Paula Roller) dran glauben den ich geschenkt bekommen habe. 
Da die Bleibatterien aus besagtem e-Roller jedoch bereits nach kurzer Zeit die Schwachstelle im System wurden habe ich mich kurzerhand auf die damals noch recht wenig verbreiteten Lithium-Akkus konzentriert. Kurz darauf war der Akku kleiner als der Motor. Und so kam das Eine zum Anderen und das System wurde schrittweise immer kleiner. Ich habe das Konzept des Reibrollenantriebs aufgegriffen und durch diverse mechanische Besonderheiten Antriebe für mein Fahrrad gebaut die so klein und leicht waren dass ich damit auch einige Preise (nicht nur bei Studentenwettbewerben) gewonnen habe. Aber eigentlich handelte es sich zu diesem Zeitpunkt immer noch „nur“ um Spielerrein die ich als Hobby immer weiter für meine Fahrräder perfektionierte.

Erst 2013, am Ende meines Masterstudiums wurde aus diesem Hobby ein Geschäftsmodell. „Schuld“ daran ist das build! Gründerzentrum, welches als Inkubator im Raum Kärnten großartige Unterstützung bei der Umsetzung von Geschäftsideen bietet. Von da an hat sich einiges geändert. Die Erfahrungen der ersten Jahre wurde in einem Businessplan optimiert und das Antriebskonzept mit einigen weiteren Prototypen bis hin zu einem fertigen Serienprodukt, zur Montage an jedem beliebigen Fahrrad, weiter entwickelt. Den wirklichen Startschuss für die Serienproduktion gab es jedoch erst 2015 im Zuge der sehr erfolgreichen Crowdfunding Kampagne auf Indiegogo. 
Es war in Wirklichkeit nicht der „Gedankenblitz“ und eine große Vision. Ganz im Gegenteil kamen laufend neue Ideen zur Verbesserung dazu. Und ich bin mir sicher es werden auch in Zukunft noch weitere Ideen mit einfließen.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen?
Eine echte Herausforderung ist wie eigentlich immer im Leben das „Zeitmanagment“. Natürlich leidet das Sozialleben extrem darunter, dass man nach den ersten Erfolgen und dem schnellen Wachstum nix anderes mehr als die Firma im Fokus hat. Es ist schlicht unmöglich gewesen einer zweiten Tätigkeit, geschweige denn einem normalen Privatleben nach zu kommen. Das heißt, auch wenn es dumm klingen mag, Freundin, Job, Familie das sind zu dem Zeitpunkt eher Klötze am Bein und nur schwer in den Terminplaner zu integrieren. 
Dann natürlich die Finanzierung. Es ist fast unmöglich ohne zusätzliche Gelder von Null weg zu starten. Wir mussten uns sehr früh, trotz der Kampagne um zusätzliche Gelder bemühen und die ersten Jahre viel privates Geld in die Firma stecken, ohne dabei auch nur einen Euro zu verdienen. Wer bereits einen gewissen Lebensstandart erreicht wird sich hier sehr wundern. 
Und als Dritten wohl genauso wenig überraschenden Punkt natürlich das Team.

Wobei dies immer eine besondere Herausforderung ist. Man wird niemals in den Kopf des Anderen schauen können und natürlich verändert sich eine Beziehung im Laufe der Zeit auch deutlich. Es gibt ein Sprichwort, dass man wahre Freundschaft erst in schlechten Zeiten erkennen kann. Das Selbe gilt wie ich finde auch bei Kollegen bzw. Mitarbeitern. Wenn einmal alles läuft ist es recht einfach „mit zu schwimmen“. Was man aber braucht sind loyale Menschen die wirklich mit Herzblut hinter der Sache stehen. So etwas zu finden ist für mich nicht einfach und hat vermutlich die meisten schlaflosen Nächte breitet bzw. tut es noch.

Welche Vision steckt hinter add-e?
Eigentlich ist es ganz simpel. Der add-e ist das Produkt der GP Motion mit dem fast der gesamte Umsatz generiert wird. Dennoch ist das nur ein Produkt, EINE umgesetzte Idee. Es gibt aber noch viele nicht umgesetzte Ideen. Meine Vision ist daher von Anfang an nahezu unverändert. Ich möchte neue Produkte erschaffen. Ein stabiles und wirtschaftlich rentables Fundament ist dafür aber immer Grundvoraussetzung. Das ist aktuell der „add-e“. Alles was jetzt noch kommt sind derweil Zukunftsvisionen.

Wer ist die Zielgruppe von add-e?
Bei add-e geht es in erster Linie ums normale Fahrrad fahren. Das klingt vieleicht doof da wir ja eigentlich einen e-Antrieb verkaufen, aber seien wir ehrlich. Unsere Kunden wollen noch normal Fahrrad fahren. Und genau das können Sie mit unserem Antrieb ja auch. Das geringe Gewicht von gerade einmal 2 kg (inkl. Akku) merkt man bei Fahren nicht wirklich. Das heißt 90% der Zeit, wo man auch ohne e-Antrieb gut unterwegs ist hat mein sein leichtes und oft heiß geliebtes Fahrrad, ganz ohne Einschränkungen. Will man dann doch mal etwas elektrischen Rückenwind, ist der Antrieb sofort da und hilft einem über Steigungen usw. 
Uns ist es gelungen ein System zu schaffen welches zwei Welten sinnvoll mit einander verbindet. Zu unseren besten Kunden zählen deshalb auch Rennradfahrer. Das wäre früher absolut undenkbar gewesen. Aber eben auch Berufspendler die nicht verschwitzt im Büro ankommen wollen, am Heimweg sich dann aber nochmal richtig verausgaben.

Camper mit Falträdern die besonders das geringe Gewicht beim Verladen zu schätzen wissen. Die ältere Dame mit ihrem 30 Jahre alten aber geliebten Hollandrand zählt genauso wie Liegeradbesitzer und Waffenradveredler zu unseren Kunden. Es ist so toll zu sehen wie viele Leute mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen mit unserem Antrieb die ideale Lösung gefunden haben. Ich darf also mit Recht behaupten; add-e eignet sich für jeden der noch Fahrrad fahren will, aber die Vorteile des e-Motors genauso zu schätzen weiß.

Wie funktioniert add-e? Welche Vorteile bietet add-e?
add-e ist ein Nachrüstantrieb. Das heißt der Kunde rüstet sein bestehendes Fahrrad mit unserem Antrieb auf. Dazu muss am Fahrrad nichts gebohrt oder sonst wie dauerhaft verändert werden. Das Montageset wird an die genormten Befestigungspunkte des Rahmens angeschraubt. Akku und Antriebseinheit können dann in nur wenigen Sekunden vom Rad An bzw. Abgebaut werden. Eine echte Besonderheit ist die spezielle Schwingarm Mechanik. Diese ermöglicht es im ausgeschalteten Zustand ganz ohne jegliche Reibung oder zusätzliche Trägheit Fahrrad zu fahren.

Erst wenn man zum Beispiel an einer Steigung ist oder der Gegenwind einem das Leben schwer macht, schaltet man den Antrieb mit einer Drehung der Verschlusskappe in die gewünschte Unterstützungsstufe. Daraufhin koppelt der Motor voll automatisch an den Reifen an und hilft ordentlich mit. Ist man oben angekommen und braucht keine Unterstützung mehr stellt man den Antrieb genau so einfach wieder ab, der Motor löst sich vom Reifen und man fährt ganz entspannt weiter. Das kann so kein anderes Antriebssystem.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Insbesondere natürlich das geringe Gewicht. Wie haben weltweit das leichteste System in dieser Leistungsklasse. Natürlich gibt es auch andere Anbieter die mit leichten Systemen werben aber gerade am Fahrrad merkt man jedes zusätzliche Gramm. Auch die Besonderheit, dass der Antrieb im ausgeschalteten Zustand überhaupt keinen Einfluss auf das gewohnte Fahrverhalten hat macht dieses Antriebssystem besonders interessant. Aber natürlich sind die technischen Alleinstellungsmerkmale nur ein Unterscheidungsmerkmal. 
Ich denke wir können auch unseren super Support und Service hervorheben. Es ist heutzutage leider nicht selbstverständlich das man zu einem Premium Produkt auch einen Premium Support bekommt. Dadurch das wir so viel bei uns im Haus selber machen können wir diesen Service aber sowohl bei Sonderwünschen, Ersatzteilen oder auch spezifischen technischen Frage optimal anbieten. Ich glaube ein Kunde der sich für unser Produkt entscheidet, der entscheidet sich in Wirklichkeit für das stimmige Gesamtkonzept aus Beratung, Support und eAntrieb.

Sie waren mit der add-e in 2 Minuten 2 Millionen die Startup Show. Wie haben Sie sich auf die Show vorbereitet?
Direkt für den Auftritt haben wir natürlich etliche Male den Pitch durchgespielt. Was kommt gut an; was ist leicht verständlich; was braucht viel Zeit…
Es war eigentlich von Anfang an klar das ich allein präsentieren würde. Daher haben uns im Vorfeld alle möglichen Szenarien überlegt, wie man das Produkt ohne zweiten Man am besten präsentieren kann. Am Ende hatten wir ein fertiges Setup, welches wir auch genauso im Studio hätten aufbauen wollen. Das es dann ganz anders gekommen ist sieht man in der Show vermutlich nicht. Aber es fehlen einige wichtige Elemente, wie z.B. das „Umstecken des Motors“ von Rad zu Rad. Das ist im Nachhinein natürlich doppelt schade, gerade weil wir uns gründlich vorbereitet haben und dies auch mit den Verantwortlichen abgesprochen hatten.

Wie ist das Medien Echo nach der Show?
Medial ist die Show selbst natürlich das Highlight gewesen. Wir haben natürlich versucht auch vor der Sendung schon möglichst viel Aufmerksamkeit für die Ausstrahlung vom 17 April zu bekommen. Das hat garnicht so schlecht funktioniert, aber wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen. Von allein passiert hat selten was. Jetzt ein paar Tage nach dem Fernsehauftritt ist es schon wieder sehr ruhig geworden. Also ein kurzer Peak, durchaus mit viel Lob für den Auftritt und das Produkt, aber eben nur ein Peak.

Wie ist das Feedback der Kunden nach dem Auftritt in der Startup Sendung 2 Minuten 2 Millionen? Wie hat sich die Nachfrage entwickelt?
Wir hatten große Erwartungen sowohl was Verkauf über den Onlineshop angeht aber auch im Hinblick auf die Händleranfragen. Beides wurde leider bei weitem nicht erfüllt. Das Feedback ist zwar durchwegs sehr positiv, wenn nicht sogar euphorisch aber bei einem Produkt um 1000€ sind Spontankäufe wohl eher selten. Daher hoffen wir das die gelungene Vorstellung bei Puls4 sich zumindest langfristig auf das Firmenwachstum auswirken wird. Die Saison hat ja gerade erst begonnen

Welchen Investor hatten Sie im Auge?
Wir haben natürlich versucht bekannte Tatsachen zu den Investoren mit in die Präsentation ein zu bauen. So waren wir uns sicher, dass trotz der sportlichen Ambitionen des Herrn Hillinger, dieser den Antrieb bestimmt sehr „geil“ finden wird. Auf Ihn und auf Herrn Haselsteiner haben wir uns am meisten gefreut. Wobei wir bei Herrn Haselsteiner ja wussten, dass er bereits in eBike Projekte investiert hatte und wir somit mehr auf den Kärnten Bonus setzten wollten. Denn gleichzeitig war seine Tendenz in den vergangenen Staffeln oftmals entscheidend für die Gesamtstimmung. Dass es sich diesmal ganz anders entwickelt hat, war für uns zwar genauso überraschend aber auch erfreulich.

Würden Sie anderen Startup Unternehmen die Teilnahme an der Sendung empfehlen?
Das kommt darauf an wohin die Reise gehen soll. Es gibt viele Faktoren die hierbei berücksichtigt werden müssen und häufig schlichtweg übersehen werden. Ich helfe ja auch bei anderen Projekten ein wenig mit und versuche durch meine Erfahrungen zu unterstützen. So sollte man sich beispielsweise darüber im Klaren sein, dass zwischen Bewerbung, Aufzeichnung und Ausstrahlung mehrere Monate vergehen. Daher ist es sehr kritisch zu früh bei der Sendung teil zu nehmen und zu riskieren, dass ein völlig veraltetes Bild der Firma in die Öffentlichkeit getragen wird. Aber natürlich sollte man auch nicht zu lange warten wenn man denn wirklich auf Investorensuche ist.

Die Sendung ist ideal wenn es darum geht ein etwas komplexeres Produkt einer breiten Öffentlichkeit vor zu stellen. Ist die Vorbereitung oder die Präsentation jedoch nicht gut durchdacht so kann man auch sehr leicht einen Imageschaden abbekommen. Die Meinung der Investoren hat eine sehr große Tragweite und selbst wenn das Produkt grundsätzlich gut ist so kann durch negatives Feedback auch viel kaputt gemacht werden. Aber grundsätzlich bin ich der Sendung sehr positiv gegenüber eingestellt.

add-e, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
add-e ist das Hauptprodukt der GP Motion GmbH und somit eigentlich gleichbedeutend mit der Firma selbst. Das eine kann ohne das Andere nicht sein.
 Daher sehen die Zukunftspläne in erster Linie weitere strukturelle Verbesserungen in der Firma selbst vor. Das sind banale Dinge wie klar abgegrenzte Aufgabenbereiche für die reibungslose Produktion, auch in der Hauptsaison. Ein einheitliches Zeitmanagment. Fest zugewiesene Arbeitsplätz. Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur usw. 
Wir sind so schnell gewachsen und die Nachfrage ist so groß, dass wir viele Dinge haben vernachlässigen müssen. Damit jetzt die Qualität aber nicht darunter leidet wird sich in den nächsten Monaten einiges tun. add-e selbst wird aber natürlich auch ständig weiterentwickelt. Die Anzeige im Flaschenboden, Handy-App nochmals leistungsstärkere Elektronik und Verbesserung der Steckverbindungen sind alles Dinge die zeigen, dass man etwas Gutes immer noch besser machen kann.

In fünf Jahren denke ich dass der Name „add-e“ unter den Fahrradfahrern kein Fremdwort mehr sein wird. Ich glaube das add-e bei etlichen Fachgeschäften weltweit gekauft werden kann und wir so ein riesiges Netzwerk aus Partnerwerkstätten aufgebaut haben werden. Der Vertrieb an Endkunden rückt daher in den Hintergrund und wir können die zusätzlichen Ressourcen dazu nutzen auch neue spannende Produkte zu entwickeln und evtl. sogar nachhaltig die Fortbewegung und Ressourcenschonung zu beeinflussen.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Dafür gibt es leider kein allgemein gültiges Kochrezept. Ich bin fast ausschließlich in simplere Hardwareprojekte involviert und selbst in diesem überschaubaren Bereich sind die Strategien und Herangehensweisen extrem unterschiedlich. Ich habe im Laufe der Zeit einen zumindest für mich prägenden Gedanken immer wieder zum besten geben müssen. „Wenn Du einmal daran denkst Damit auf zu hören, solltest Du dich fragen warum du überhaupt erst damit angefangen hast.“
Ich glaube diese einfache Phrase umreist schon sehr gut was ich ganz am Anfang den Gründern rate. Man sollte langfristig Denken und sich sicher sein, dass man auch in schwierigen Zeiten noch gern an seinem Projekt weiter arbeiten möchte. Ich halte nichts von probieren und dann sieht man schon was bei rauskommt.
Mein Tipp: Ganz oder Garnicht!

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Fabian Gutbrod für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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