Freitag, Mai 7, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Targomo Location Intelligence Plattform analysiert raumbezogene Daten mithilfe künstlicher Intelligenz

Stellen Sie sich und das Startup Targomo doch kurz unseren Lesern vor!

Targomo wurde 2013 als Spin-Off des Hasso-Plattner- Instituts (HPI) der Universität Potsdam gegründet. Unsere Location Intelligence Plattform analysiert raumbezogene Daten mithilfe künstlicher Intelligenz und deckt komplexe Abhängigkeiten auf. Der Fokus liegt hier stets auf der Frage, wie sich Menschen im Raum bewegen. So können zum Beispiel Standorte und deren Potenzial bewertet oder Verkehrswege optimiert werden. Die Ergebnisse werden in anschaulichen Karten visualisiert. 

Inzwischen sind wir rund 40 Mitarbeiter, die von Potsdam und Berlin aus arbeiten. Anfang dieses Jahrs kam Patrick Schönemann als CEO an Bord. Als Ex-Google-Manager bringt er 13 Jahre Erfahrung in der internationalen Vermarktung von Google Maps mit und wird entscheidend dabei helfen, die Vermarktung auszubauen.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Die Idee zur Location Intelligence Plattform kam Henning Hollburg bereits während des Studiums. Henning hat eine Wohnung in Berlin gesucht, von der aus er gut nach Potsdam kommt. Um nicht jedes Wohnungsangebot einzeln auf die ÖV-Anbindung checken zu müssen, hat er eine kleine Anwendung programmiert, die die Fahrplandaten des VBB mit der API von Immobilienscout verknüpft. Nachdem einige Firmen/Institutionen auf diese Anwendung aufmerksam geworden sind und diese Technologie lizensieren wollten, fand die Unternehmensgründung dann eher als Mittel zum Zweck statt.

Welche Vision steckt hinter Targomo? 

Unser Mission Statement lautet „Pioneering Technologies that provide location-based insights, empowering businesses and communities to shape the future”. Wir möchten Unternehmen, Organisationen und Gemeinden dazu befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen, indem wir ihnen standortbezogene Erkenntnisse liefern, und so aktiv die Zukunft mitgestalten.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung besteht darin, gute Leute zu finden mit denen man auf Dauer gut und gerne(!) zusammenarbeitet. Mit den Kollegen verbringt man schließlich am Ende deutlich mehr Zeit als mit der eigenen Familie. Das klappt natürlich nicht immer, aber alles in allem haben wir hier ein wirklich tolles Team auf die Beine gestellt.

Wir erleben auch die Herausforderung, mit der viele Deep Tech / Artificial Intelligence Startups zu kämpfen haben: Es handelt sich um komplexe, forschungsbasierte Technologien, die neue Geschäftsfelder definieren oder bewährte Bereiche disruptiv ersetzen. Die Entscheidungswege im Einkauf können sehr komplex sein, da viele Bereiche und Ebenen involviert sind, das macht den Sales Cycle langwierig. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt!

Dennoch haben wir von Anfang an Umsätze generiert, was uns ein kontinuierliches organisches Wachstum ermöglichte. Erst als die Wachstumsphase eingeleitet wurde, haben wir 2018 mit Earlybird einen versierten Frühphaseninvestor an Bord geholt. Bis dahin wurde Targmomo „gebootstrapped“ zusammen mit Co-Founder und Serial-Entrepreneur Marc Hildebrandt, der mit seinem Company Builder German Deep Tech bereits einige Tech-Startups hochgezogen hat. 

Wer ist die Zielgruppe von Targomo? 

Wir sprechen alle Unternehmen an, die Standort- oder Routenentscheidungen treffen müssen und die Frage nach dem „Wo“ stellen. Wo kann die Filiale den höchsten Umsatz erreichen? Wo ist der bessere Standort für das neue Büro? Und wo sollte die Ersatzhaltestelle aufgestellt werden? Beispiel Einzelhandel: Der Standort hat ganz entscheidende Auswirkungen auf den Erfolg oder Misserfolg einer Filiale, schon kleine geografische Unterschiede können eine große Wirkung haben. Wir helfen, diese Effekte vorherzusagen. 

Wir analysieren auch Immobilienstandorte hinsichtlich verschiedener Einflussgrößen. Für einen unserer Kunden ist es zum Beispiel entscheidend, wie sich der Bürostandort auf den Arbeitsweg der Mitarbeiter auswirkt, da sie längere Wegen Arbeitsweg finanziell entschädigen müssen. Weitere Einsatzgebiete finden sich in der Routenplanung und im öffentlichen Sektor. Hier analysieren wir die öffentliche Versorgung, z.B. wie es um Kitas oder Krankenhäuser bestellt ist, und optimieren Routen für den öffentlichen Personennahverkehr.

Übrigens können auch andere Unternehmen unsere Funktionalitäten über unseren API-Service integrieren, insofern richten wir uns auch an Entwickler.

Wie funktioniert Targomo? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Targomo analysiert Standorte und deren Einflussgrößen einschließlich menschlicher Bewegung. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz leiten wir Annahmen und Prognosen ab, zum Beispiel Umsatzprognosen. Im Gegensatz zu anderen Technologien benötigen Unternehmen keinen GIS (Geoinformationssystem-)Experten, um das volle Potenzial von Standortanalysen zu erschließen. Wir liefern Ergebnisse in kürzester Zeit, anschaulich in Karten visualisiert, und ohne, dass weitere Experten einbezogen werden müssen.

Das zuvor erwähnte französische Unternehmen hat vor Targomo zwei Monaten zur Standortbewertung benötigt – da war die Immobilie dann schon oft nicht mehr verfügbar. Mit Targomo liegt das Ergebnis innerhalb von Sekunden vor.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Wir erleben das, was wohl für viele Unternehmen gilt: Wir werden digitaler, Mitarbeiter tauschen sich nicht nur in Video-Calls aus, sondern treffen sich auch jetzt virtuell zum Mittagessen. Auch die Prioritäten verschieben sich: die Standortanalyse für den Retail-Sektor, eine unserer Stärken, ist in den Hintergrund getreten, wo hingegen wir eine steigende Nachfrage nach Analysen im Bereich von Immobilien, öffentlicher Versorgung oder Tourenplanung sehen. Wir erwarten aber, dass sich diese Verschiebung mit Ende der Eindämmungsmaßnahmen wieder aufhebt.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Von Unternehmensseite haben wir uns bemüht, gute Voraussetzungen für die Mitarbeiter zu schaffen: Home-Office war schon immer möglich, aber die Mitarbeiter können auch Equipment wie Monitore mit nach Hause nehmen. Wir nehmen Rücksicht auf die Betreuungszeiten von Kindern durch flexible Arbeitszeiten und achten noch mehr als vorher auf eine transparente und regelmäßige Kommunikation. 

In diesen Zeiten sind Struktur und Werte besonders wichtig. Solange alles schön rund läuft, fallen sie weniger auf. Aber sobald es wie jetzt unübersichtlicher wird, geben sie Rückhalt und treten stärker in den Vordergrund.

Eine tolle Initiative ging vom Team selbst aus: Sie haben am ersten Wochenende der Kontaktsperre einen internen Hackathon organisiert, um Ideen zu entwickeln, welchen Beitrag unsere Technologie leisten kann. Daraus sind zwei Projekte entstanden: Ein kostenloser Routenplaner für Liefer- und Pick-up-Dienste, der unter https://app.targomo.com/fleet kostenlos zur Verfügung steht. Des weiteren arbeiten wir an einer Kapazitätenanalyse für die medizinische Versorgung. Hier sind wir auch an Kooperationen interessiert.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance? 

In Zeiten der Krise sehen wir, wo es rund läuft und wo noch „Luft nach oben“ ist. Unsere Strukturen und übergeordnete Werte werden auf die Probe gestellt. 

Die Krise treibt auch die Digitalisierung voran, und zwar im Großen und im Kleinen. Es wird offensichtlich, dass es einen großen Aufholbedarf in vielen Verwaltungsbereichen gibt. Aber auch einzelne Unternehmen werden verstärkt digitale Lösungen für ihre Prozesse einsetzen. Hier liegt eine große Chance für Startups mit digitalen Technologien.

Targomo, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In fünf Jahren sind die Themen Standortanalyse und Location Intelligence hoffentlich in der Mitte angekommen. Die Nutzung von Tools und Technologien mit Künstlicher Intelligenz wie Targomo sollte für jeden verfügbar und so selbstverständlich sein wie heute die tägliche Nutzung von Google Maps. Unternehmen und Organisationen aller Größen können in Standort- und Bewegungsfragen präzise Vorhersagen treffen und ihre Maßnahmen noch gezielter aussteuern.

Mit Targomo wollen wir ein wesentlicher Player dieser Entwicklung sein und in zweifacher Hinsicht wachsen: 1. Internationalisierung. Wir haben bereits einige internationale Kunden wie Orange in Frankreich oder Ruter, die Verkehrsbetriebe in Oslo. In fünf Jahren wollen wir ganz Europa abdecken. 2. Branchen: Wir wollen noch mehr Branchen und den öffentlichen Sektor in ihren Standort- und Routenentscheidungen unterstützen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Achtet gut darauf, mit wem ihr zusammen auf die Reise geht. Der Rest ist eigentlich zweitrangig.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Patrick Schönemann Henning Hollburg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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