5 Vorteile der neuen Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2

Im DSGVO-Schatten relativ unbemerkt ist Anfang 2018 mit der Payment Services Directive 2 (PSD2) noch eine EU-Richtlinie wirksam geworden. Was diese für die Verbraucher und Händler bedeutet, erklärt PAYMILL- und Klik&-Pay-CEO Daniel Georges im folgenden Interview.

Frage: Am 13. Januar 2018 ist zwei Jahre nach der Verabschiedung durch den EU-Ministerrat die überarbeitete Richtline für Zahlungsdienste in Kraft getreten. Bevor wir zu den Vorteilen kommen, erklären Sie bitte, was dahintersteckt.

Daniel Georges: Die Payment Services Directive oder Zahlungsdiensterichtlinie von 2007 bildet den Rechtsrahmen für die Single Euro Payments Area, kurz SEPA, und zielte darauf, den europäischen Wettbewerb auch für Nichtbanken zu öffnen und gleichzeitig den Verbraucherschutz zu stärken. Die im Januar in Kraft getretene überarbeitete Richtlinie PSD2 will die Verbraucherrechte beim Online-Payment noch mehr stärken, innovative Online- und Mobilfunkzahlungen fördern und den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr sicherer machen.

Insofern kann die von Ihnen gegründete CYBERservices Group mit Klik & Pay und der Münchener Tochter PAYMILL davon doch nur profitieren, oder?

Georges: Profitieren tun vor allem die Verbraucher und die Händler, denn die weitere Öffnung und Förderung des Finanzsektors für innovative Payment Services dient uns allen. Globale Zahlungsdienste wie eben Klik & Pay und PAYMILL sind dabei natürlich besonders von Vorteil.

Als die erste PSD von 2007 in Kraft getreten ist, war noch gar nicht abzusehen, dass der Online-Handel sich so dynamisch entwickeln würde. Aber ebenso dynamisch entwickeln sich auch Betrugsversuche.

Georges: Das ist leider richtig, insofern ist die PSD2 eine ganz wichtige Weichenstellung. Denn mit der angestrebten Stärkung des Verbrauchervertrauens in den elektronischen Geschäftsverkehr sieht die überarbeitete Richtlinie auch mehr Sicherheit und einen besseren Schutz gegen solche Betrugsmaschen vor.

Wie soll das erreicht werden?

Georges: Das Risiko, in eine Betrugsmasche zu geraten, wird durch eine Zwei- oder Mehrfaktor-Authentifizierung wesentlich minimiert. Das gängigste Verfahren für Online-Kreditkarten-Transaktionen ist 3-D Secure. Der Kunde gibt seine Kreditkartennummer ein und bestätigt seine Identität durch einen Code, der nicht auf der Karte gespeichert ist, sondern ihm wie bei einer mTAN zum Beispiel als SMS zugeschickt wird. Das wäre also der Faktor Wissen. Der zweite oder erste Faktor könnte eine Bankkarte oder ein Hardware-Token, also etwas sein, das man besitzt, der dritte ein körperliches Charakteristikum, der Fingerabdruck, die eigene Stimme oder die unverwechselbare Iris.

Dass jemandem wie im James-Bond-Streifen „Sag niemals nie“ das Auge herausgerissen wird, um an Geheimdokumente zu gelangen, ist ja auch ziemlich unwahrscheinlich. Wo seit Januar etwas Bewegung zu spüren ist, ist bei den Kosten für Kartenzahlungen. Ist das auf die PSD2 zurückzuführen?

Georges: Ja, durchaus. Dies war ein weiteres Ziel der überarbeiteten Richtlinie. Bisher mussten Händler immer auf Finanzintermediäre oder Vermittler wie elektronische Zahlungsanbieter oder die Banken selbst zurückgreifen, die gegenüber dem Kartenaussteller wie VISA oder MasterCard zwischengeschaltet waren. PSD2 verpflichtet die Banken und Zahlungsanbieter nun, API genannte Schnittstellen zur Verfügung zu stellen, die es den Händlern und Zahlungsdienstleistern wie PAYMILL erlauben, direkt auf das Bankkonto des jeweiligen Kunden zuzugreifen. Der Intermediär wird dadurch überflüssig, und die indirekten Kosten entfallen – theoretisch zumindest. Denn das Ringen mit den Banken ist noch nicht ganz ausgefochten, die sehen natürlich ihre Felle davonschwimmen und beharren darauf, dass die Daten nur über spezielle Schnittstellen und nicht direkt via Onlinebanking abgefragt werden.

Unterm Strich verbessert die PSD2 aber die Möglichkeit, neue Zahlungsverfahren zu integrieren, oder?

Georges: Das ist richtig. Je größer die Anzahl der angebotenen Bezahlmethoden, desto größer die Anzahl der potenziellen Kunden. Dadurch wächst das Vertrauen in den eigenen Online-Shop, somit auch der Kaufanreiz. Eine Studie hat gezeigt, dass die Verwendung von Ressourcen, wie etwa die eines Kartenspeichersystems, die Conversion Rate um 6,8 Prozent erhöht. Um verschiedene Zahlungsverfahren zu integrieren, ist es ratsam, auf globale Zahlungsdienstleister wie PAYMILL zuzugreifen. Die Münchener decken mit Kredit- und Debitkarten, PayPal, SEPA-Lastschrift und SOFORT weltweite Zahlungen ab.

Fassen wir zusammen: PSD2 stärkt das Verbrauchervertrauen in den Onlinehandel, verhindert oder minimiert Betrugsfälle, verbessert die Möglichkeiten, neue Bezahlmethoden zu integrieren und verbessert die Konditionen bei Kartenzahlungen, weil mit dem Mittler zusätzliche Kosten wegfallen. Um es rund zu machen, gibt es noch einen fünften Aspekt, der Ihnen einfällt?

Georges: Die Händler und die Kunden haben mehr Freiheiten und Erleichterungen bei der Verwendung der Zahlungsverfahren. Bei regelmäßig wiederkehrenden Bezahlvorgängen oder bei Abonnements zum Beispiel reicht die einmalige starke Authentifizierung. Amazon hat es vielleicht nicht erfunden, ist aber mit 1-Click-Bestellungen sehr erfolgreich. Die PSD2 gibt kleineren Onlinehändlern und Internet-Startups die Freiheit, es dem E-Commerce-Riesen gleich zu tun.

Die Neuauflage der Zahlungsdiensterichtline ist für viele Verbraucher und Händler Anfang des Jahres relativ unbemerkt in Kraft getreten, weil die Datenschutzgrundverordung (DSGVO) die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Dabei scheint doch Aufklärungsbedarf zu bestehen.

Georges: Deswegen sitzen wir ja hier zusammen. Spaß beiseite. Aufklärung ist ganz wichtig. Denn nur, wenn die Kunden und Händler von den neuen Möglichkeiten der PSD2 und den damit verbunden Rechten wissen, können sie diese auch nutzen. In der Anfangsphase werden sich die Verbraucher sicherlich noch an die Zwei- oder Mehr-Faktor-Authentifizierung gewöhnen müssen. Aber die Vorteile dieses verstärkten Sicherheitssystems überwiegen. Die weitere Öffnung des Marktes für Zahlungsdienstleister ist natürlich auch ein Gewinn für alle Seiten.

Profil Daniel Georges
Dr. Daniel Georges hat nach seinem Pharmazie- und Chemiestudium in Paris 1975 einen MBA erworben, war anschließend zehn Jahre bei Baxter Healthcare und 1986 freier Unternehmer. 1996 hat Georges in Lausanne das FinTech CYBERServices SA und vier Jahre später die Marke Klik&Pay gegründet. 2016 erfolgte dann die Übernahme von PAYMILL mit einem sukzessiv erweiterten Angebot von Zahlungsdiensten.

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