5 Tipps für die Gründung deines Health- oder Science-Startups

Es gibt viele Wege ein Startup in der Wissenschaftsbranche zu gründen. Egal ob als Ausgründung eines Universitätsprojektes oder als private Gründung, alleine oder im Team – Science- und Healthcare Founder treffen auf große Herausforderungen. Strenge gesetzliche Vorgaben, ein hohes technisches Risiko und ein erschwerter Zugang zu Kapital kennzeichnen den Weg. Gründer benötigen eine besonders große Portion Durchhaltevermögen, die sich letztlich aber häufig auszahlt. Denn gerade bei etablierten Konzernen sind Startups mit smarten Technologien und wissenschaftlichen Anknüpfungspunkten gefragt. Dies zeigt sich unter anderem im Gesundheitsbereich zur Verbesserung von bestehenden Therapien.

Damit es mit eurer Startup Gründung im Healthcare, Life Science oder Performance Materials Bereich klappt, folgen nun einige Punkte die ihr zum Anfang der Gründung unbedingt beachten solltet. Mehr individuelle Beratung von Experten bis hin zur finanziellen Unterstützung gibt’s beim Merck Accelerator.

Jede Technologie braucht einen Kunden

Betrachtet euch aus der Perspektive eurer potentiellen Kunden. Auch wenn ihr ein dringliches wissenschaftliches Problem löst, muss es einen Kunden oder Nutzer hinter eurem Produkt geben. Insbesondere in der Life Science und Healthcare Branche ist die Auswahl an Stakeholdern breit gefächert. Bedient werden neben Endkonsumenten auch Interessengruppen aus der Wissenschaft, öffentlichen Verwaltung und institutionellen Einrichtungen. Jede Zielgruppe benötigt individuelle Botschaften. Die Ansprache eines Endkonsumenten erfolgt anders, als die einer Krankenkasse. Es ist wichtig, dass ihr euch in die Rolle eurer Zielgruppe hineinversetzt. Gleiches gilt für den Nutzen der Technologien. Oft ist eine Lösung nicht nur für einen bestimmten Einsatz geschaffen. Beispielsweise können Innovationen im Sektor Life Science oder Performance Materials auch Antworten auf Probleme in der Raumfahrt leisten. Damit ergibt sich eine neue Zielgruppe. Das Unternehmen PEAT nutzt Bilderkennung und Artificial Intelligence, um Pflanzenkrankheiten via App zu diagnostizieren: Ein technologischer Makro-Trend findet Anwendung in der klassischen Landwirtschaft.

Der Weg der Finanzierung ist lange

Die Finanzierung von einem Startup im Science-Bereich ist deutlich langwieriger und mühsamer als beispielsweise die eines klassischen E-Commerce Unternehmens. Investoren müssen sich darauf einstellen, dass es einige Zeit dauern kann, bis ein erster Prototyp der Idee fertiggestellt ist. Über diesen Zeitraum hinweg benötigt ihr immer wieder finanzielle Unterstützung. Ist eure Idee jedoch einmal marktreif, zahlt sich das Warten aus. Dieser Punkt geht mit einer weiteren wichtigen Voraussetzung einher, über die Science-Gründer definitiv verfügen sollten – Geduld. Innovationen, die später einmal beispielsweise im klinischen Alltag und im Kontakt mit Patienten eingesetzt werden sollen, müssen zweifelsfrei funktionieren. Ein noch nicht ausreichend ausgereifter Prototyp kann nicht einfach so an einem Patienten ausprobiert werden. Gerade im Gesundheitswesen oder in der Forschung liegt eine große Verantwortung bei den Gründern. Gleiches gilt bei Produkten, die sich im Bereich der Landwirtschaft mit Lebensmitteln befassen.

5 Tipps für die Gründung deines Life Science und Healthcare Startups
PEAT’s App Plantix: Diagnose von Pflanzenkrankheiten mittels Bilderkennung und Artificial Intelligence

Ein interdisziplinäres Team bildet die Grundlage

Insbesondere bei Unternehmern in den Bereichen Life Science und Healthcare wird viel Zeit und Arbeit in die Technologie an sich investiert. Häufig verbergen sich hinter den Geschäftsideen enorm komplizierte Prozesse. Trotzdem müssen bestimmte Themen, die zur Gründung eines jeden Startups essentiell sind, genauso auf der Tagesordnung stehen. Hierzu zählen zum Beispiel das Betreiben von Marktforschung, die Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen, ein durchdachtes Business Model sowie Marketing und Finanzierung. Lediglich Mitarbeiter mit einem wissenschaftlichen Hintergrund zu beschäftigen, funktioniert auf Dauer nicht. Von Beginn an gilt es ein möglichst interdisziplinäres Team zu bilden, häufig übernehmen einzelne Mitarbeiter eine Doppelrolle.

Habt das Gesetz stets im Blick

Auch hier dient wieder die Gesundheitsbranche als Beispiel: Junge Gründer finden vor allem im deutschen Gesundheitswesen viele Vorgaben und Gesetze vor, die Innovationen im Zeitalter der Digitalisierung bremsen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die rechtlichen Grundlagen im Markt genau zu scannen und die Gesetzeslage bei der Ausarbeitung eines Business Models von Anfang an zu berücksichtigen. Am Beispiel des Startups DrEd lässt sich dieser Punkt genauer erläutern: DrEd ist eine Online-Praxis aus England, deren Business darin besteht Online-Sprechstunden zu halten, in denen die Patienten bequem von zu Hause aus, eine ärztliche Diagnose sowie ein Rezept erhalten. Da das Unternehmen seinen Sitz in England hat, konnte es das deutsche Berufsrecht der Ärzte und das damit verbundene Fernbehandlungsverbot durch eine Grauzone umgehen. Dieses wurde im August 2016 verschärft und verbietet seither die Einlösung von Onlinerezepten. DrEd darf weiterhin Rezepte für seine Patienten in Deutschland ausstellen. Die Verlierer sind die Apotheken in Deutschland. Sie dürfen keine Rezepte aus Fernbehandlungen mehr einlösen. Die Rezepte von DrEd werden seitdem über Versandapotheken aus dem EU-Ausland bedient. Das hatte keine Auswirkungen auf die Kundenzahl von DrEd, die Zahl der Fernbehandlungen steigt kontinuierlich. Aus welcher Apotheke Patienten von DrEd ihre verordneten Arzneimittel erhalten, spielt für sie keine Rolle. Sich auf gesetzliche Grauzonen zu verlassen, kann demnach Tücken mit sich bringen.

Wendet euch an Marktkenner

Worum Gründer nicht herum kommen ist der Zugang zu Expertenwissen. Wer nicht zufälligerweise selbst einen Abschluss in Biotechnologie, Medizin etc. hat, ist auf Hilfe von außen angewiesen. Ein junges Startup kann selbstverständlich nicht über dasselbe Fachwissen, wie ein traditionsreiches Unternehmen verfügen, denn es fehlt einfach die Erfahrung. Bei den großen Konzernen und Unternehmen hat sich die Bereitschaft, Startups zu unterstützen, mittlerweile etabliert. Mit ein bisschen Recherche findet ihr ein Accelerator Programm, das zu eurem Themenbereich passt. Bei fast allen Programmen erhalten Startups sowohl ideelle, als auch finanzielle Unterstützung. Sie unterscheiden sich jedoch von Branche zu Branche und stellen jeweils andere fachliche Expertise. Falls es mit einem Accelerator nicht klappen sollte, gibt es die Möglichkeit sich in einzelnen Bereichen selbst Hilfe zu holen. Auch wenn ein Anwalt teuer ist, lohnt es sich in rechtliche Absicherungen zu investieren.

Über das Accelerator-Programm in Darmstadt

Das Merck-Accelerator-Programm in Darmstadt unterstützt Unternehmen in der Frühphase mit dem Fokus auf die Bereiche Healthcare, Life Science und Performance Materials. Weitere gesuchte Themenbereiche sind Biointerfaces und Sensoren, Precision Farming, 3D-Druck, zukunftsweisende organische Chemie, Mikrobiomforschung und intelligentes Standortmanagement. Das Programm setzt in erster Linie auf digitale Geschäftsmodelle. Ausgewählte Unternehmen erhalten Büroflächen im neuen Merck Innovation Center in Darmstadt sowie Mentoring und intensives Coaching aus einem Pool von mehr als 50.000 Experten aus 66 Ländern. Das kommende Intake zieht als erstes in das neue, größere Innovations Center, welches Anfang 2018 fertiggestellt wird, ein. Außerdem werden sie mit bis zu 50.000 € finanziell unterstützt. Bewerben können sich Startups weltweit unter folgendem Link noch bis 13. November 2017: https://www.f6s.com/germanyspring2018

Titelbild: Wissenschaftliche Ratgeber und Marktkenner – Interdisziplinarität ist bei Life Science und Healthcare Startups besonders wichtig.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

redaktion

Startups sind mit ihrer Innovationskraft und Kreativität der Motor der globalen Wirtschaft und der gesellschaftlichen Entwicklung. Wir bieten akribisch recherchierte Informationen über Gründer und Startups. Neben Porträts junger Unternehmer und erfolgreicher Startups und deren Erfahrungen liegt der Fokus auf KnowHow von A bis Z sowohl für Gründer und Startups als auch für Investoren, Ideengeber und Interessierte. Wir begleiten, Startups von der Gründungsphase bis zum erfolgreichen Exit.

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig die neuesten Updates der internationalen Startup-Szene!

X