Die Zielgruppe kennen

Dortmunder Unternehmer Engin Ergün gründet das Start-up 4BRO als Spin-off seines Großhandels-Kerngeschäfts und spricht mit ihm eine komplett neu definierte Customer Group an.

Stellen Sie sich und das Start-up 4BRO doch kurz unseren Lesern vor!

4BRO ist ein Spinn-off der Ethno IQ und wurde 2020 gegründet. Hinter dem Namen verstecken sich Lifestyle-Produkte, die darauf ausgelegt sind, eine neu definierte Zielgruppe anzusprechen: die Bros und Sis. Darunter verstehen wir junge Erwachsene mit speziellen Bedürfnissen, auf die bisher noch keine Marke richtig eingegangen ist – wir wollen das ändern und sehen in unserem Start-up großes Potenzial. Unsere Getränke sind vom Geschmack bis zur Verpackung genau auf die Wünsche unserer Konsumenten abgestimmt. Snacks und auch Artikel aus dem Non-Food-Bereich folgen demnächst. Eine passende Loyalty-App bietet zudem die Möglichkeit auf Gutscheine, die wirklich interessant für unsere Kunden sind.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Ich wollte immer Unternehmer werden, es gab nie eine andere Option. Schon zu Studienzeiten begann ich, in Geschäftsmodellen zu denken: Wie erlangt man auf dem Arbeitsmarkt die größtmögliche Freiheit? Wie kann man sich neben Zahlen und Fakten auch kreativ ausleben? Das Unternehmertum war für mich die Antwort. Nach dem Studium habe ich knapp dreieinhalb Jahre in einer Festanstellung gearbeitet; als die Beförderung winkte, kündigte ich – um selbstständig zu werden.

Welche Vision steckt hinter 4BRO?

Wir möchten langfristig eine Plattform aufbauen, mit der wir alle Bedürfnisse der Community abdecken, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. 4BRO soll bei allen Belangen der erste Ansprechpartner werden. 

Von der Idee bis zum Start – was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung war letztendlich, Partner zu finden, die unsere Vision verstehen und auch bei der Herstellung mit an Bord gehen. Wir entwickeln Produkte, die einen ganz besonderen Bro-Faktor haben, wie beispielsweise der Ice Tea mit Bubble-Gum-Flavour. Damit sprechen wir unsere potenziellen Kunden sehr direkt an, unterscheiden uns aber auch stark von Mainstream-Ware. Das fordert Partner, die umdenken können und sich an Neues herantrauen, damit eine Umsetzung auch langfristig gewährleistet ist. Da wir uns zu 100 Prozent selbst finanzieren, konnten wir uns auch zu 100 Prozent auf die Herstellung konzentrieren.

Wer ist die Zielgruppe von 4BRO?

Die potenziellen Käufer bilden junge, urbane Erwachsene im Alter von 15 bis 35 Jahren. Die Bros und Sis, davon 60 Prozent mit und 40 Prozent ohne Migrationshintergrund, sind absolut Social-Media-affin. Werte wie Respekt und Loyalität stehen an oberster Stelle, den Alltag bestimmen Markenartikel, Mode und Deutschrap. Mittlerweile fühlen sich dieser Community in Deutschland schon 6,5 Millionen Menschen zugehörig. All denen möchten wir mit unserer Plattform und unseren Produkten eine Marke an die Hand geben, die sie versteht und auf ihre Wünsche eingeht. 

Was ist das Besondere an den Produkten? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Der Vorteil liegt darin, dass wir einen ganz neuen Kundenstamm erschließen. Mittlerweile verstehen wir die Bros so gut, dass sie sich mit 4BRO identifizieren und abgeholt fühlen. Dadurch, dass jeder unserer Artikel einen speziellen Faktor hat, sprechen wir unsere Kunden optimal an: Das fängt bei ausgefallenen Geschmacksrichtungen an, geht über auffallend und vollkommen neu designte Verpackungen bis hin zu unserer App: Wir schätzen die Loyalität der Konsumenten und belohnen diese auch. Daher finden Käufer auf jeder Verpackung Punkte, die sie sammeln und mit der App verwalten können. Haben sie genug Punkte beisammen, winken Gutscheine für speziell ausgewählte Modelabel, Streaming-Dienste, Fitnessstudios, Shisha-Bars oder auch Nagelstudios für die Sis. Wir sind quasi Payback und Coupon für eine neue Consumer Group.

Wie hat sich Ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Unsere Getränke haben wir im April gelauncht. Da war gerade Corona-Hochphase, Lockdown, nichts ging mehr. Aber wir hatten Glück, weil wir im Lebensmittelbereich unterwegs sind und Supermärkte und Kioske geöffnet blieben. Auch Neulistungen waren noch möglich. Großer Nachteil war allerdings, dass die gesamte Gastronomie von heute auf morgen wegbrach. 

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Wir haben einfach weitergearbeitet und uns auf die Punkte konzentriert, die noch funktionierten. Der Fokus lag in dieser Zeit eben auf den Supermärkten und den Kiosken und wir haben dort alles versucht, was ging. 

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Dass wir im ersten Schritt den Lebensmittelhandel angesprochen haben, hat uns im Nachhinein auch bei der Gastronomie weitergeholfen. Erfahrungsgemäß ist es in dieser Branche recht schwer, mit neuer Ware einen Fuß in die Tür zu bekommen. Als die ersten Bars, Cafés etc. wieder öffneten, hatten wir durch unsere Arbeit beim Handel schon so einen Hype mit 4BRO erzielt, dass auch die Gastronomie bereits davon gehört hatte und neugierig wurde. Letztendlich konnten wir zum Beispiel unsere Ice Teas im Tetra Pak in einigen Locations listen, was schon besonders ist. Normalerweise bekommt man seine Getränke natürlich im Glas serviert, unsere Produkte wurden aber gerade wegen ihrer Verpackung mit ins Angebot aufgenommen. 

4BRO, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Unser großes Ziel ist, die Plattform so groß und angebotsreich wie möglich aufzuziehen. Neben unseren Getränken launchen wir demnächst auch die ersten Snacks. Natürlich ebenfalls in Geschmacksrichtungen, die den Bros und Sis am besten schmecken. Darüber hinaus planen wir auch Artikel aus dem Non-Food-Bereich, um eine Vielzahl an Bedürfnissen unserer Consumer Group abzudecken. Neben der Ausweitung des Portfolios steht auch die Weiterentwicklung der App im Fokus. In fünf Jahren soll sie Dreh- und Angelpunkt der Community sein.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Natürlich als erster und wichtigster Punkt: Habe eine tolle Idee und glaube daran. Lass dich von anderen Meinungen nicht aus dem Konzept bringen und verfolge deine Vision hartnäckig. Ich bin seit 25 Jahren selbstständig und hatte bei der Idee von 4BRO auch Gegenwind, aber man muss einfach daran festhalten und sich trauen. Als Zweites – und das geht gar nicht nur an die Gründer, sondern auch an langjährige Unternehmer – probiert es einfach. Wartet nicht darauf, dass irgendjemand anderes mit der Idee um die Ecke kommt und eine Company aus dem Boden stampft; macht es selbst! Das bietet auch für bereits bestehende Firmen so viele Chancen.

Durch 4BRO sind wir beispielsweise viel interessanter für junge Mitarbeiter geworden. Unserer Bewerberanzahl hat sich in kürzester Zeit vervierfacht. Und als dritter und letzter Punkt: Gründet nicht, um wieder zu verkaufen. Man sollte gründen, weil man an das Konzept glaubt und nachhaltig etwas aufbauen möchte. Das schafft auch mehr Selbstbewusstsein bei den Mitarbeitern und gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu entfalten. Es arbeitet sich doch viel angenehmer, wenn man weiß, dass der Chef nicht sowieso nur daran interessiert ist, zu skalieren und dann schnell wieder abzugeben. Wenn Mitarbeiter die Chance bekommen, in einem nachhaltigen Unternehmen zu arbeiten und eine Marke von den Kinderschuhen bis in die großen Regale dieser Welt zu begleiten, sind sie motivierter und engagierter bei der Sache und das ist auch für die Firma gut. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Engin Ergün für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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