Sein eigenes Startup aufzubauen ist sicherlich nicht leicht, macht aber unheimlich viel Spaß

4-check: Digitale & intelligente HACCP Kontrollen in der Gastronomie & Hotellerie

Stellen Sie sich und das Startup 4-check doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Jan Wokittel und ich bin Mitgründer der 4-check AG. Wir sind ein junges Startup aus der Schweiz, das eine cloudbasierte Software entwickelt hat, um HACCP Checklisten zu digitalisieren. Es gibt unzählige HACCP Richtlinien, die im Alltag eine Menge Papier erzeugen – im Zuge der Digitalisierung helfen wir Unternehmen dabei, nicht nur Papier zu sparen, sondern die Vielzahl an Möglichkeiten zu entdecken, die unsere digitale Welt bietet.

Wie ist die Idee zu 4-check entstanden?
Ich war verantwortlicher Projektleiter in Zürich bei dem weltweit größten Lebensmittelhersteller. Mehrmals die Woche habe ich, gemeinsam mit dem Kunden, im Rahmen des Qualitätsmanagements Kontrollrundgänge durchgeführt. Wir hatten immer ausgedruckte Excel Tabellen dabei. Irgendwann sagte mein Kunde zu mir: „Wir sind doch bestimmt nicht die einzigen die das machen?! Wenn das einer digitalisieren und vereinfachen würde, ließe sich sicherlich Geld verdienen?!“ Das war die Geburtsstunde zu 4-check. Anfänglich haben wir unsere Idee mit selbstprogrammierten Excelmakros getestet. Als wir gesehen haben, dass es läuft, haben wir mit unserer App angefangen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größten Herausforderungen sind immer wieder die unterschiedlichen Anforderungen der Kunden. Auch wenn alle von HACCP Checklisten und Hygienevorschriften reden, sehen diese doch bei jedem Kunden anders aus. Jedes Unternehmen hat ein eigenes, völlig individuelles HACCP Konzept – das jedes Mal in eine Software zu bekommen, ist nicht einfach. Fast alle Kunden haben früher mit Papier gearbeitet und müssen sich erst allmählich an das Handling mit einer Software gewöhnen.
Die erste Finanzierung von 60k € haben wir privat durchgeführt. Den weiteren Ausbau der Software und die kontinuierlichen Updates können wir mittlerweile durch unsere Kundenaufträge realisieren. Wir sind ziemlich stolz darauf, dass wir den Breakeven bereits jetzt erreichen konnten. Im Zuge der Umfirmierung von unserer KG zur jetzigen AG, konnten wir außerdem Geld von externen Anteilseignern und Investoren einsammeln.

Wer ist die Zielgruppe von 4-check?
Die Zielgruppe von 4-check sind Restaurant- und Gastronomiebetriebe mit mehr als einer Filiale, da diese Unternehmen sehr schnell gezwungen sind, Prozesse zu optimieren und zu standardisieren. In solchen Unternehmen gibt es meist einen Qualitätsverantwortlichen, der unterschiedliche Niederlassungen betreut. Solche Leute sind die ersten, die eine digitale HACCP Lösung zu schätzen wissen und suchen. Kleine Betriebe sind im Vergleich dazu sind noch sehr vorsichtig – auch, weil ein eigenes HACCP Konzept oft noch fehlt.

Wie funktioniert 4-check?
Der Nutzer kann sich bequem via Web oder in der App registrieren. Anschließend legt er selbst, oder in Zusammenarbeit mit uns, seine Checklisten an, lädt weitere Benutzer und konfiguriert seine Statistiken. Anschließend kann er mit jedem Endgerät digital und bequem seine HACCP Kontrollen durchführen. Er oder seine Vorgesetzen, erhalten dann in Echtzeit Feedback und können, falls nötig, Maßnahmen unverzüglich einleiten.

Welche Vorteile bietet 4-check?
4-check bietet die Möglichkeit bestehende Checklisten eines Unternehmens zu digitalisieren. Außerdem haben wir eine Prüfbibliothek mit über 1.000 Prüfpunkten zu unterschiedlichen Dienstleistungen implementiert – angelehnt an internationale Normen und Richtlinien. So unterstützen wir ihn dabei, gängige Regeln einzuhalten und rechtsicher zu agieren. Darüber hinaus wertet ein Algorithmus die Checklisten aus und stellt die Ergebnisse übersichtlich zusammen. Somit wird auch der Datenaustausch mit Nachunternehmern des Betriebs erleichtert – z.B. mit Reinigungsfirmen.
Die Zuweisung von Aufgaben und die Synchronisation mit den Endgeräten der Benutzer in Echtzeit, erleichtern den Austausch von Informationen. Elemente wie Machine Learning, machen es außerdem möglich, dass die Software von den Eingaben der Benutzer lernt. So hilft die Software dem Anwender jeden Tag ein Stückchen mehr.
4-check hört außerdem nicht bei den HACCP Kontrollen auf. Grade Betriebe in denen Lebensmittel zu- und verarbeitet werden, haben hohe Ansprüche an z.B. die Reinigung oder die Verfügbarkeit von Maschinen. Unsere App ermöglicht es, diverse Workflows zu digitalisieren und zu koppeln. Unsere eigene API-Schnittstellen koppelt 4-check an gängige ERP-Systeme. Dies hilft vor allem großen Betrieben dabei, Medienbrüche zu vermeiden. Die Hürde zu einer „neuen“ Softwareeinführung ist somit geringer.

4-check, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Momentan konzentrieren wir uns auf die Weiterentwicklung und Spezialisierung der Software. Wie eingangs erwähnt, wollen wir uns durch Elemente wie Machine Learning, Big Data Analysen und Internet of things noch stärker vor der Konkurrenz positionieren.
Wir sind erst vor kurzem in die Schweizer Startup Academy aufgenommen worden und profitieren von den kritischen Analysen der Mentoren und Experten. Aus diesem Feedback heraus, werden wir die weitere Unternehmensstrategie planen. Sicherlich werden wir aber weiter an dem Aufbau unseres jungen Teams arbeiten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Zuerst würden wir jedem empfehlen mit einer rudimentären Lösung seine Idee zu testen – man spricht da immer schön von dem MFP (Minimal funktionsfähigen Produkt). Wir haben oft genug gedacht, dass diese oder jene Funktion gewünscht wird – meist war es dann nicht so. Dann würden wir jedem den Mut zusprechen etwas zu wagen. Sein eigenes Startup aufzubauen ist sicherlich nicht leicht, macht aber unheimlich viel Spaß. Und zu guter Letzt würden wir empfehlen, nicht allein zu gründen. Sicherlich geht das auch aber die vielen Höhen und Tiefen der typischen Gründungsphase übersteht man leichter zusammen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Jan Wokittel für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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