Welche Chancen stecken in der Pressearbeit?

Einfach ist am schwersten!

Das merke ich in der Zusammenarbeit mit Startups täglich, die vor Euphorie, Tatendrang und Detailkenntnis nur so übersprudeln. In meiner 20jährigen Berufserfahrung ist dies aber auch die wichtigste Erkenntnis in der Arbeit mit Unternehmen und Freiberuflern.

Kommunikation mit Hilfe der klassischen Pressearbeit ist ein Weg, die Öffentlichkeit, die Zielgruppe oder Fans in seinen Bann zu ziehen. Dabei werden heute neue Techniken zum Netzwerken und für die Verbreitung oder Bewertung genutzt, doch die Arbeit folgt immer noch gleichen Wegen: Es sprechen immer Menschen mit Menschen. Das Handwerkszeug für diese Arbeit muss stimmen, sonst richten Sie mehr Schaden als Nutzen an.

Was brauche ich für die Pressearbeit?

Die Währung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist einfach zu benennen:
1. Ein Netzwerk mit relevanten Kontakten, die Sie kennen.
2. Relevanter Inhalt über Ihr Unternehmen für dieses Netzwerk.
3. Die Bereitschaft langfristig regelmäßig Zeit in das Netzwerk zu investieren.
4. Eine klare Kommunikationsstrategie (wer, was, wann, wie).
5. Einen auskunftsfähigen und autorisierten Sprecher.

Was ist der Vorteil im Vergleich zum Marketing und Vertrieb?
Es gibt vier wesentliche Unterschiede:
a) Das Budget
In der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit investieren Sie in einen Plan, in eine Struktur und dann nur noch Zeit. Der Plan sagt Ihnen wann sie welche Inhalte wie aufbereiten, um diese an eine relevante Zielgruppe zu senden und mit viel Servicebewusstsein zu betreuen. Die Struktur besteht aus Redaktion, Verteilung, Medienbeobachtung und Reaktion. In Summe ist es ein Bruchteil des Marketingbudgets, jedoch mit weitreichenden Effekten für die Reputation.
b) Die Zielgruppe
In diesem Fall sind es Journalisten, Blogger, Meinungsmacher, Politik, Nachbarn und Öffentlichkeit! Sie sind diejenigen, die über das öffentliche Bild Ihres Startups entscheiden. Denken Sie um die Ecke: was kann meine Zielgruppe Ihrer eigenen Zielgruppe bieten, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen oder sich vom Rest der Medien unterscheiden. Oder was braucht mein Gegenüber, um eine Entscheidung für mein Unternehmen zu treffen.
c) Der Vorlauf
Kontaktpflege braucht Zeit, Vertrauen und Verlässlichkeit – nicht Lautstärke. Der Hauptbestandteil der journalistischen Arbeit ist nicht umsonst die Recherche. Sie entscheidet über die Qualität. Also hetzen Sie nicht, sondern konzentrieren Sie sich Stück für Stück auf die Richtigen.
d) Das Ziel
Presse- und Öffentlichkeitarbeit wirbt um Vertrauen in Unternehmen und Sache und ist langfristig ausgerichtet. Marketing und Vertrieb zielt klar auf den Verkauft von Produkten und Dienstleistungen – und das auch mal ganz kurzfristig.

Welche Chancen stecken in der Pressearbeit?
– Ein gutes Netzwerk wirkt wie ein Frühwarnsystem. Egal ob Branchenentwicklungen oder politische Einflussfaktoren, die Ihre Erfolgsbilanz beflügeln oder gefährden, mit dem richtigen Netzwerk entgeht Ihnen nichts mehr.
– In schwierigen Zeiten oder Krisen hilft Ihnen Ihr Netzwerk, denn Sie kennen sofort die richtigen Ansprechpartner an der richtigen Stelle, und können blitzschnell reagieren oder Schaden abwenden. Manchmal sogar ohne dass die Öffentlichkeit Wind davon bekommt.
– Bei kritischen Themen werden Sie vom Branchenblatt oder der Lokalredaktion nicht sofort in die Pfanne gehauen, sondern man wird Sie vorher kontaktieren und Ihnen die Chance zu einer Stellungnahme geben.
– Mit der richtigen Person als Sprecher nutzen Sie jede Situation zum Wohl und nicht zum Schaden des Unternehmens.

Es soll jetzt nicht klingen wie Vetternwirtschaft, aber wenn man sich kennt, schätzt man sich richtig ein und spricht miteinander!

Welche Risiken sind zu beachten?
Es gibt drei Hauptrisiken in der Pressearbeit:
– Nichts sagen.
– Lügen.
– Ein unqualifizierter Pressesprecher.

Alle drei Punkte können tödlich fürs Unternehmen sein. Wie also richtig? Professionell regelmäßig kommunizieren, reaktionsschnell sein und die Worte entsprechend der Situation mit Bedacht wählen.

In Summe lohnt es sich in jedem jungen oder bestehenden Unternehmen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, doch ohne Vorbereitung sollte niemand an den Start gehen.

In der nächsten Folge geht es um die Rolle des Pressesprechers.

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Annett Oeding

Annett Oeding berät seit 20 Jahren Geschäftsführer und Vorstände in Kommunikationsfragen. Sie leitete Kommunikationsabteilungen von Konzernen und arbeitete als Pressesprecherin. 2013 gründete sie ihre eigene Strategieberatung für Kommunikation AOSK und unterstützt neben etablierten Unternehmen immer mehr Startups, die sie in unterschiedlichen Phasen kommunikativ berät, trainiert, coacht und begleitet. Alle Informationen finden Sie auch auf http://aosk.de/

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