VARIOBOT – mobile Roboterbausätze zum Experimentieren

VARIOBOT – innovative bionische Roboterbausätze

Stellen Sie sich und Ihr Startup-Unternehmen VARIOBOT doch kurz vor!
VARIOBOT entwickelt, produziert und vertreibt Roboterbausätze für Kinder und Erwachsene. Sie bieten einen neuen, spannenden und spielerischen Zugang zur Elektronik, ohne sich mit abstrakter Programmierung beschäftigen zu müssen.

Wie ist die Idee zu VARIOBOT entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter Roboterbauer. Autonom agierende Maschinen zu konstruieren, im Besonderen mobile Roboter, die eigenständig auf ihre Umwelt reagieren, fasziniert mich.Bei meinen Entwicklungen galt das primäre Interesse nicht so sehr dem Erfüllen von klar definierten Aufgaben, wie es in der Robotik üblicherweise der Fall ist. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, wann wir Menschen das biologische Verhalten eines Wesens als lebendig empfinden und wie ein solches Verhalten technisch effizient nachgebildet werden kann.
Die Idee, ein marktreifes Produkt zu entwickeln bzw. ein Unternehmen aufzubauen, hatte ich 2012. Ein Jahr später meldete ich zwei Patente an und machte mich selbstständig. Bei einer Präsentation meiner ersten Prototypen lernte ich den Ingenieur und jetzigen Freund Volkmar Spinnler kennen, der mich seither tatkräftig unterstützt. Meine Frau begleitet mich vor allem auf zahlreiche Messen. Zudem arbeiten wir mit regionalen Dienstleistern und Herstellern zusammen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Herausforderungen in den ersten Jahren waren sehr vielfältig:Neben den technischen Detaillösungen nahm z.B. die Entwicklung einer gut verständlichen Aufbauanleitung viel Zeit in Anspruch. Im Zuge dessen musste ein neues didaktisches Konzept für die Experimentieranleitung des Roboterbausatzes entwickelt werden. Auch den kosteneffizienten Wareneinkauf hatte ich unterschätzt. Viele Komponenten, von denen wir Muster aus China anforderten, waren zunächst mangelhaft.Schließlich mussten wiruns mit Gesetzesauflagen wie der CE-Prüfung, der Verpackungsverordnung und dem ElektroG (Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten) auseinanderzusetzen. Als unser erstes Produkt – der Roboterbausatz tibo – ein Jahr nach Gründung marktreif war, ging es schließlich darum, Akquise zu betreiben, auf Messen auszustellen und die ersten Kunden zu gewinnen.
Finanziert hatte ich die Selbstständigkeit mit dem Gründerkredit „Startfinanzierung 80“ der L-Bank. Im Rahmen des Programms „Gründercoaching Deutschland“ wurde ich diesbezüglich umfangreich beraten und unterstützt.

Wer ist die Zielgruppe von VARIOBOT?
Unsere mechatronischen Bausätze sollen Jugendliche für Technik, für Elektronik und für das Experimentieren begeistern. Doch auch ältere Semester kommen auf ihre Kosten: Das Herzstück unser ungewöhnlichen Roboter sind Operationsverstärker, wie sie vor dem Durchbruch der Mikroprozessoren in den sogenannten Analogrechnern eingesetzt wurden.
Neben dem Verkauf an Privatleute zählen Schulen, Universitäten und Unternehmen zu unseren Kunden; denn unsere Bausätze eignen sich hervorragend für die Ausbildung.

Welche Bausätze bieten Sie an?
Mein großer Traum ist, eine kleine bionische Roboterspinne auf den Markt zu bringen. Ich entschied mich jedoch dafür, mit einem einfacheren Modell auf Rädern zu beginnen. So entstand der analog gesteuerte tibo-Bausatz. Er benötigt weder Mikrocontroller noch Software. Durch steckbare Widerstände und Kondensatoren werden einfache Regelkreise aufgebaut, die das Verhalten des Roboters festlegen. Er demonstriert damit eindrucksvoll, wie Lebewesen ohne digitale Rechenpower auskommen können.
Die bisher nur als Prototyp existierende Roboterspinne soll bis Ende 2016 marktreif sein. Mit Hilfe ihrer patentierten Schreitmechanik krabbelt sie wie eine echte Spinne auf acht Beinen und ist dennoch einfach aufzubauen.

Wie viel kosten die Bausätze?
Der Roboter tibo kostet als Bausatz 89,95 €.Wer nicht löten möchte, kann aber auch eine aufgebaute Version beziehen (119,95 €).

VARIOBOT, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich plane,die Herstellung und den Vertrieb meiner Produkte an größere Firmen abzugeben. Für die Roboterbausätze gibt es bereits einen ernsthaften Interessenten. Damit werde ich mich auf meine Kernkompetenz – die Ausarbeitung neuer Erfindungen – konzentrieren können. Ideen gibt es bereits einige.In Zukunft möchte ich neben der Lizenzierung eigener Entwicklungen auch vermehrt Auftragsentwicklungen anbieten.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Wer mit dem Gedanken spielt, eigene Produktentwickelungen zu vermarkten, dem sollte bewusst sein, dass es neben den technischen Aspekten noch eine Vielzahl an Herausforderungen gibt, die meist mehr Zeit und Geld kosten als ursprünglich angenommen.
Ich hatte mich im Vorfeld dafür entschieden, zwei meiner Erfindungen zu patentieren. Auch wenn ein Schutzrecht natürlich keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung eines innovativen Produktes ist, so rate ich in jedem Fall dazu, eine Markt- und Patentrecherche anzustellen. So vermeidet man, die Schutzrechte anderer zu verletzen und eine Klage zu riskieren. Dies trifft auch auf eine eventuelle Markenanmeldung zu. Für beides gibt es Förderinitiativen, die eine erstmalige Schutzrechtsanmeldung unterstützen.
Bei allen Themen, bei denen man sich nicht sattelfest fühlt, ist es ratsam, von Beginn an professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – auch wenn man zunächst meint, alles in Eigenregie zu leisten. Für Erfinder und Ingenieure, denen Geschäftsbereiche wie Marketing und Vertrieb nicht liegen, ist es wahrscheinlich der bessere Weg, einen etablierten Hersteller von seiner Idee zu überzeugen und die Zusammenarbeit über ein Lizenzierungsmodell zu regeln. Dabei trägt man nicht das Risiko, das eine eigene Produktion mit sich bringt und man kann sich ungebremst auf sein nächstes Projekt stürzen.

Wir bedanken uns bei Tino Werner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

  • Schöner Artikel, liest sich gut und das Interview war sehr informativ. Danke

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