Personality-PR oder Problem?

Anders als im Mittelstand stehen die Gründer und Geschäftsführer eines Startup deutlich mehr im Focus. Sie haben nicht immer die Chance sich nur auf Ihr Geschäft zu konzentrieren, sondern müssen auch noch die Rolle des „Aushängeschilds“ erfüllen. Das kann Fluch und Segen zugleich sein, deshalb sollte die Kommunikationsstrategie rund um diese Art der Personality-PR klar definiert sein. Hier einige Wege für das richtige Vorgehen.

Wobei hilft die Personality-PR?

Der Einsatz des Gründers und des Gründerteams soll dem Startup helfen, möglichst viel Öffentlichkeit zu bekommen. Die Rolle der Gründer in der PR soll Positives ausstrahlen, das Startup über die Akteure unverwechselbar machen und wie eine funktionierende Nachricht auch Emotionen, Nachbarkeit und Sympathie auslösen.

+++ Mein Tipp +++
In einem Gründerteam hat jeder seine Rolle, doch es können nicht alle gleichzeitig reden. Definieren Sie einen Sprecher, der die Stimme des Teams wird.

Voraussetzungen

Wer in die Öffentlichkeit treten will, sollte sich bewusst sein, dass er ab diesem Moment unter Beobachtung steht. Startup Gründer sind vom ersten Auftritt an klar mit Ihrem Produkt & Unternehmen verbunden und müssen ab jetzt persönlich dafür gerade stehen. Der oder die Gründer sollten sich bewusst sein, dass auch alles, was sie bisher getan haben, durchleuchtet wird und spätestens wenn es mal nicht läuft, an die Oberfläche transportiert wird.

Der Gründer oder das Gründerteam sollte reden können, gute Umgangsformen haben und Lust an der Kommunikation mit Menschen haben, sonst kostet die PR immer Überwindung. Damit sie auf lange Sicht Sinnvolles zu Ihrer Startup-PR betragen können, hilft es Experte auf einem Gebiet zu sein. Entweder im Zusammenhang mit Ihrem Produkt, dem Herstellungsprozess oder der Branche Ihrer Dienstleistung, denn nur Persönlichkeit reicht auf Dauer nicht weit.

+++ Mein Tipp +++
Gehen Sie ehrlich mit Ihrer Vergangenheit um. Entwickeln Sie Sprachregelungen also Antworten auf positive und kritische Fragen, die Ihnen in diesem Zusammenhang gestellt werden könnten. Verschriftlichen Sie diese mit den Antworten und legen Sie diese griffbereit!

Vorbereitung

Im Zuge Ihrer Kommunikationsstrategie ist die PR mit dem Gründer nur ein Baustein in einem großen Plan. Doch auch dieser Einsatz sollte gut überlegt sein. In einigen Fällen nützt es, in anderen nicht. Und denken Sie darüber nach, dass der Gründer hauptamtlich Unternehmer und nicht Pressesprecher ist. Die Dosierung macht’s!

+++ Mein Tipp +++
Wenn Sie noch kein(e) Bild(er) des Gründers haben, erstellen Sie bitte welche in hilfreichen (!) Umfeldern und Posen. Denken Sie daran, Sie wollen ernst genommen werden! Zusätzlich formulieren Sie ein Kurzprofil oder Kurzportrait mit Etappen des Werdegangs und halten dies bereit.

Realisierung

Ab jetzt erscheint der Gründer als Gallionsfigur in allen Kommunikationskanälen in der für das Startup nützlichen Dosierung. Mal ein Post auf Facebook, dann ein Statement in einer Mitteilung oder ein Interview im Fachmagazin.

+++ Mein Tipp +++
Definieren Sie klar wann, wo und warum der Gründer in der PR in Erscheinung tritt und halten es in Ihrem Kommunikationsplan fest. Ab jetzt haben Sie einen Gesamt-Fahrplan, den sie Stück für Stück realisieren.

Feedback & Kontrolle

Ein ehrliches und konstruktives Feedback hat noch niemandem geschadet. In meiner Beobachtung herrscht am Anfang Unsicherheit im Umgang mit der neuen Rolle und damit den Medien. Je häufiger die Situationen bewältigt wurden, desto sicherer wird die Person.
Damit aber der Anschluss zum Thema nämlich der PR für das Unternehmen (!) nicht verloren geht, braucht es ehrliche Menschen, die ohne Neid und mit viel Klarheit gemeinsam mit dem Gründer reflektieren können.

+++ Mein Tipp +++
Suchen Sie sich einen Sparringspartner, der diese Rolle auch ernsthaft erfüllt. Alles andere ist Augenwischerei und nicht hilfreich für den Gründer oder die Sache.

Achtung

Auf vier Dinge möchte ich dank meiner Erfahrung hinweisen.

1. Einen Schritt nach vorn, keinen zurück
Einmal massiv in der Öffentlichkeit gibt es wenige Möglichkeiten wieder zurück zu rudern. Definieren Sie daher Grenzen und auch ggf. eine Rückzugsstrategie.
2. Blenden/Täuschen/Lügen
Alles drei hilft vermeintlich nur in der Sekunde der Anwendung, doch es kommt früher oder später immer alles raus. Also ruinieren Sie Ihr Image nicht mit solchen Experimenten.
3. Schlechte Zeiten
Wenn es mal nicht läuft, wird gern schmutzige Wäsche gewaschen. Alle Fehltritte und Zitate der Vergangenheit werden beleuchtet. Also immer heute überlegen, ob das Gesagte morgen noch funktioniert.
4. Wechsel
Bevor Sie Ihre Exit-Strategie umsetzen, bereiten Sie den Wechsel im Unternehmen rechtzeitig vor inkl. Kommunikationsstrategie.

Fazit

Die Rolle des Gründers in der Öffentlichkeit sollte in erster Linie dem Startup nützen und nicht nur der Selbstdarstellung dienen. Wer seine Geschichte und die des Startup konsistent und konsequent erzählt und die definierten Grenzen für sich einhält, kann nur Erfolg haben.
Doch wenn es persönlich wird ist es wie im „wirklichen Leben“: Aufmerksamkeit bitte nicht mit Zuneigung verwechseln. Darum geht es nicht!

Bild: pixabay

Annett Oeding

Annett Oeding berät seit 20 Jahren Geschäftsführer und Vorstände in Kommunikationsfragen. Sie leitete Kommunikationsabteilungen von Konzernen und arbeitete als Pressesprecherin. 2013 gründete sie ihre eigene Strategieberatung für Kommunikation AOSK und unterstützt neben etablierten Unternehmen immer mehr Startups, die sie in unterschiedlichen Phasen kommunikativ berät, trainiert, coacht und begleitet. Alle Informationen finden Sie auch auf http://aosk.de/

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig die neuesten Updates der internationalen Startup-Szene!