Komplementäres Gründerteam mit operativen Fähigkeiten und dem richtigen Mindset

Berlin isst anders – foodisch kommt in Deutschland an

Stellen Sie sich und das Startup foodisch doch kurz unseren Lesern vor!
Hi StartupValley, mein Name ist Simo Azzaoui und ich bin der Founder von foodisch. Wir haben mit foodisch ein neues Neighbourhood-Konzept aus New York nach Berlin gebracht und bringen durch Food, Talks und Art in privaten Wohnungen wieder mehr gemeinsame Rituale und Erlebnisse, mehr Zweisamkeit und emotionale Tiefe in das Leben zurück.

Wie ist die Idee zu foodisch entstanden?
Es fing alles mit einem sehr guten persischen Freund namens Mohammed in New York an. Wir haben uns rege über subtilen Rassismus unterhalten und überlegt wie man im politisch pervertierten Amerika mithilfe eines Diskurses Brücken und Gemeinsamkeiten betonen kann und für Inklusion und Aufklärung sorgt anstatt immer nur zu spalten.

Wir wollten zeigen, dass Mohammed & Mohammed auch Spaß machen kann und nicht immer im Seminar für Bombenanleitungen endet (lacht). Es ging darum unterschiedliche Menschen zusammenzubringen und zu sensibilisieren. Wir haben 40 Leute eingeladen und 50 Dollar pro Person genommen, es gab persisch-marokkanische Leckereien, einen Literatur-Motto-Abend, und Live-Performance von inspirierenden Künstlern, die wir aus der peer group heraus aktiviert haben.

Nach knapp 25 Events in NY bin ich der Liebe wegen aus New York abgereist und nach Berlin gekommen. Und hier hat sich alles sehr schnell verselbstständigt, Berlin ist eine Startup-Spielwiese und die Food-Szene ist sehr dynamisch und international. Der Trend geht klar zu hochwertigem und achtsamerem Essen – man will sich was gönnen und seinen guten Geschmack exponieren. Nachdem die Menschen ihren Körper gerade in Berlin in exzessiven Partynächten kaputt gefeiert haben, schaffen wir endlich gesunde Rituale und verwöhnen unseren Tempel. Essen ist das neue Ausgehen und war schon immer ein Kommunikationsbeschleuniger.

Wir waren sehr überrascht, dass die Domain noch zu haben war, da sie unserer Intention “beyond food” oder “in der Art des Essens” idealst entspricht.

Welche Idee steckt hinter foodisch?
Wir leben in einer Welt voller Stereotypen und Ablenkungen, in einer Welt wo uns Algorithmen Informationen vorsetzen, in einer Welt wo wir Tausende Social Media-”friends” haben, aber am Ende des Tages das Essen uns, am besten mit dem Handy in der Hand, reinschaufeln. An die Stelle des gemeinsamen Kochens und Miteinanders tritt das einsame Konsumieren. Über Jahrzehnte hat man uns eingebläut, dass Individualität der Schlüssel zur Glückseligkeit ist. Aber dem ist nicht so. “Ich” und “Wir” bedarf einer Balance.
Wir sind der festen Überzeugung, dass Menschen im digitalen Zeitalter vereinsamen und nach einem Ventil suchen um wieder mehr substanzielle Interaktion zu generieren.

Menschen sehnen sich nach gemeinsamen Ritualen, nach gemeinsamen haptischen Erlebnissen, sehnen sich danach einen gemeinsamen Mehrwert zu generieren, sehnen sich nach Zweisamkeit und emotionaler Tiefe. Und foodisch hat hier eine Lücke erschlossen, die all diese needs in einem Konzept vereint. Von der Planung bis hin zum Talk wird das Erlebnis gemeinsam kreiert. Und das kann kein Restaurant bieten.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Bereits mit 15 Jahren bin ich in die Gastronomie abgetaucht und habe in einem Fisch-Restaurant gejobbt. Den Fischgeruch hat man danach zwar für Wochen am Körper gehabt, aber seitdem hat mich gutes Essen nicht mehr losgelassen. Nach meinem M.Sc. in Politik und Wirtschaft habe ich verschiedenste Industrien ausprobiert: PR und Model bei Dsquared (5 Jahre), Gymnasiallehrer und über ein Jahrzehnt Versicherungswesen bei der MunichRe und DKV. Ich wurde in dieser Phase wahnsinnig viel gefordert und gefördert, Corporate ist und bleibt jedoch ein statisches und machtpolitisches Geruest.

Es war einfach an der Zeit eine neue Herausforderung anzunehmen und eine eigene Unternehmung gründen. Von der 40 Stunden freiwillig in die 80 Stunden Woche, klingt pragmatisch, gell

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Es ist immer besser unvollkommen anzupacken, als perfekt zu zögern. Wir sind zu komplex und zu statisch gestartet. Es geht um schnelle und einfache Lösungen und diese sind in der Anfangsphase leichter zu beherrschen. Den Grad der Komplexität kann man nach hinten heraus immer noch erhöhen, wenn der proof of concept steht. Ein technikaffiner Co-Founder hätte ein Prozessbeschleuniger sein können, so musste ich mich mit den Geeks rumschlagen und Probleme lösen von denen ich technisch anfangs nur rudimentär Ahnung hatte Aufs und Abs gibt es jeden Tag zuhauf. Bei Abs sich immer wieder auf das Wesentliche besinnen, sich noch stärker zu fokussieren, rauszugehen und es zu rocken.

Wir haben foodisch in einem klassischen Bootstrapping-Ansatz mit eigenem Kapital soweit gebracht und nun evaluieren wir mit strategischen Partnern, wie und unter welchen Voraussetzungen man den nächsten Schritt gemeinsam gehen kann. Das Geld sollte möglichst von Leuten kommen, die sich engagieren und einen weiteren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten können. Die Storyline muss passen und es muss sich gut anfühlen.

Wer ist die Zielgruppe von foodisch?
Wir sind eine dynamische und sehr internationale Community aus conscious food Enthusiasten, Food Aktivisten und Millennials, die die Dining-Experience demokratisieren und ein Bewusstsein fürs Essen schärfen wollen. Augenblicklich schmieden wir auch Allianzen mit spannenden Unternehmen mit größeren Communities und wir schielen mittelfristig auf den B2B-Sektor. Wir freuen uns, wenn unsere Community wächst.

Wie kann man sich so ein Event vorstellen?
Das Event findet entweder privat oder in einer Berliner Off-Location statt und die Größenordnung variiert zwischen 6-30 Personen. Essen ist immer ein integraler Bestandteil aller Events und kann von Hummus, Tajine bis hin zu Dumplings und einfachen Nudelgerichten reichen. Essen mit Inhalt ist das Motto – ein Speaker zu Vertical Farming, Biohacking, Conscious Cuisine oder allgemein Persönlichkeitsentfaltung steht immer bereit – entweder aus der Gruppe heraus generiert oder aus der foodisch Community zur Verfügung gestellt .

Bei der Art-Komponente haben wir u.a. upcoming Street-Artisten eingeladen, die den Gästen basale Graffiti Skills beigebracht haben und jeder am Ende ein kleines zum Teil selbst kreiertes Kunstwerk mitnehmen konnte. Oder Paint Artwork Collaborations, wo zwei Künstler an einem Bild gemalt haben und danach dieses für einen guten Zweck versteigert wurde unter den Gästen. Wir fassen den Art-Begriff jedoch weiter, auch guided meditation, gemeinsames Handwerken bis hin zur Live-Musik zählt dazu. Es geht darum etwas Gemeinsames zu erschaffen!
Und das alles ohne Mobiltelefone, da diese strikt untersagt sind.

Wie ist das Feedback?
Bis dato sehr positiv. Man inspiriert Menschen. Man verbindet Menschen. Man kreiert Erlebnisse für alle Sinne- streut Empathie und Liebe und is(s)t im Moment. Der nachhaltige Erfolg an einer besseren Welt mitzuwirken hängt immer davon ab, wie sich der Einzelne einbringt – mehr Miteinander als Über und – Nebeneinander.

foodisch, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Im ersten Jahr werden wir viel am Produkt optimieren, die kommenden Jahre soll der Fokus auf organisches Wachstum gelegt werden. Ganz klares Ziel ist die kontinuierliche Vergrößerung unseres Teams, die Internationalisierung des Unternehmens und unsere weltweite Community weiter wachsen zu lassen. Wir wollen lieber Zehntausende aktive und passionierte Nutzer erreichen, die foodisch wirklich lieben und voranbringen wollen, als Hunderttausende, die es ein bisschen mögen.

Erst im letzten Schritt wird es um weitere Monetarisierungs-Komponenten gehen.
Kommt und macht mit. Werdet Gastgeber und werdet Teil der foodisch community und schreibt euch für den Newsletter ein. Stay hungry , stay foodisch.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Komplementäres Gründerteam mit operativen Fähigkeiten und dem richtigen Mindset (!!!)
2. Iterative Annäherung an das Geschäftsmodell, ständiges externes Feedback von Kunden einholen und so lange nachjustieren bis das erfolgversprechende Modell steht. Schnell umsetzen.
3. Exit ist erstmal eine Fantasie. Bereitet den entry gut vor und kreiert mit eurem Produkt einen Mehrwert, dann kommt das Monetäre automatisch.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Simo Azzaoui für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

  • Rainer Pepper

    Super Konzept. Macht weiter so. Wann kommt ihr in den Süden?

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