Der richtige Zeitpunkt für die Selbstständigkeit ist jetzt!

In Deutschland wagen mehr Männer als Frauen den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit

Laut Global Entrepreneurship Monitor 2016 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liegt die Quote der 18- bis 64-jährigen Frauen, die in den letzten dreieinhalb Jahren gegründet haben oder aktuell planen, ein Unternehmen zu gründen, bei nur 6,5 Prozent. Das ist sehr wenig. Dabei haben viele Frauen interessante Ideen, die sich in einem passenden Geschäftsmodell umsetzen ließen. Warum also wagen nur so wenige den Schritt in die Selbstständigkeit und bauen aus ihrer Idee ein Unternehmen auf?

Wenn ich mich unter den Selbstständigen und Gründerinnen in meinem Umfeld umhöre, sind es oftmals dieselben Gründe, die Frauen abschrecken und dann auch abhalten, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen: Angst vor dem Scheitern, zu wenig Business-Know-How und wenig bis gar kein Support aus dem persönlichen Umfeld. Vor allem letzteres hat schon die eine oder andere Idee zum Scheitern gebracht, bevor sie überhaupt realisiert werden konnte. Denn das persönliche Umfeld hat einen immensen Einfluss auf alles, was wir tun. Glauben Familie und Freunde nicht an unsere Idee, fangen wir auch selbst an, daran zu zweifeln.

Die Idee ist da – und nun?

Hausaufgaben machen. Im Grunde fängt damit wirklich jedes Business an, denn eine Idee ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie jemanden nutzt. Daher sollte jede Geschäftsidee erst mal geprüft werden: Gibt es eine Zielgruppe und wie nutzt meine Idee dieser Zielgruppe? Am besten – vor allem für Frauen mit wenig Geschäftserfahrung – ist die direkte Erstellung eines Businessplans. Im Rahmen dieser Planung befasst sie sich nämlich genau mit diesen und vielen weiteren Fragen und bereitet sich schon mal in der Theorie auf das Geschäftsleben vor. Wer nicht weiß, wie ein Businessplan aussieht, der findet online – beispielsweise bei der IHK oder speziellen Gründerplattformen – einfache Vorlagen. Wem das zu komplex ist, kann sich Starthilfe holen, unter anderem bei Businessplan-Wettbewerben oder Coachings.

Wichtig ist zu jeder Zeit: Habt keine Angst zu fragen! Alle Gründer haben mal klein angefangen und alle kochen mit demselben Wasser. Und ein gut ausgearbeiteter Businessplan ist immer ein guter erster Schritt für angehende Geschäftsfrauen.

Der erste Pitch findet vor Familie und Freunden statt

„Wie willst du denn damit Geld verdienen?“, „Dafür willst du deinen sicheren Job aufgeben?“ oder „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“ – es sind mitunter genau diese Fragen, die Frauen zu hören bekommen, wenn sie Familie und Freunden von ihrer Geschäftsidee erzählen. Und es sind auch genau diese Fragen, die einer potentiellen Gründerin schnell wieder den Mut nehmen. Und dabei hat sie sich bereits viele Gedanken gemacht, bevor sie überhaupt jemandem von ihrer Idee erzählt hat.

Warum lassen sich Frauen von den Menschen, die ihnen am nächsten sind, entmutigen? Oft fragen diese nur deshalb so kritisch, weil sie uns nur in einem gewohnten Umfeld kennen. Und oft können sie es sich nicht vorstellen, dass wir in einem anderen Umfeld viel besser aufgehoben – und sogar glücklicher – sind. Wichtig ist, dass wir uns nicht entmutigen lassen, sondern die Fragen unserer Nächsten als ersten Pitch betrachten. Wenn wir es schaffen, die anfängliche Skepsis unserer Familie mit gekonnten Antworten zu beseitigen (oder zumindest abzuschwächen), gibt das nicht nur uns ein gutes Gefühl, sondern auch direkt Unterstützung in der Anfangsphase. Holt eure Familie sachlich und mit guten Argumenten an Bord.

Und solltet ihr damit keinen Erfolg haben, verfolgt eure Idee dennoch weiter. Oftmals fehlt das Verständnis aus dem privaten Umfeld, weil niemand selbstständig ist und es schlichtweg nicht nachvollziehen kann, was es bedeutet, ein Geschäft aufzubauen. Am besten holt Frau sich in solch einer Situation professionellen Rat und tauscht sich mit Gleichgesinnten aus.

Unsicherheit hält zurück – Austausch unter Gleichgesinnten hilft

Ein weiterer Grund für den geringen Anteil an Gründerinnen ist die Angst vor finanzieller Ungewissheit. Frauen haben einen stärker ausgeprägten Sicherheitssinn. Woran das liegt? Ein Aspekt ist mit Sicherheit die traditionell gesellschaftliche Rolle der Frau, für ihre Familie zu sorgen. Überträgt man diese Aufgabe ins Geschäftsleben, ließe sich daraus der Wunsch nach einem sicheren und planbaren Arbeitsumfeld erklären. Was kann also helfen, Frauen diese Angst zu nehmen?

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch unter Frauen, z.B. in Netzwerken, Workshops oder Mentoring-Programmen, können dazu beitragen, diese Unsicherheiten abzubauen und mehr Frauen für eine unternehmerische Laufbahn zu ermutigen. Besonders für Frauen, die erst planen, ein Unternehmen zu gründen, bietet ein intensiver Austausch mit erfolgreichen Gründerinnen, Coaches oder Mentoren eine gute Grundlage, sich stärker mit ihrer Idee auseinanderzusetzen – außerhalb des privaten Umfelds.

Eine Alternative: Nebenberufliches Gründen

Gründen muss nicht automatisch bedeuten, alles ins eigene Unternehmen zu stecken: Zeit, Energie und Geld. Eine sinnvolle Alternative ist nebenberufliches Gründen, bei dem die Gründerin weiterhin in ihrem Beruf tätig ist, sich aber gleichzeitig in ihrem eigenen Unternehmen verwirklichen kann. Es gibt für diese Lösung einige Vorteile, u.a. ein stetiges Einkommen aus dem „Hauptberuf“, der nebenberuflichen Gründerinnen mehr Planungssicherheit ermöglicht und im ersten Schritt eventuell sogar den Verzicht auf Fremdkapital.
Einfach machen!

Der Weg von der ersten Idee bis zum eigenen Unternehmen kann mitunter sehr holprig sein. Aber es gibt ein paar Aspekte, die eine unternehmerische Laufbahn für Frauen attraktiver machen: Gezielte Vermittlung von Business-Know-How, Stärkung von Softskills und stärkere Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Gründerinnen und Selbstständigen. Schlussendlich kommt es aber immer darauf an, wie sehr die Gründerin es wirklich will.

Und dann heißt mein Tipp immer: Machen!

Tanja Lenke

Tanja Lenke ist Business Consultant, Gründercoach und Mentorin für Unternehmerinnen und selbstständige Frauen. Mit she-preneur bietet sie Gründerinnen und Selbstständigen eine digitale Plattform als Anlaufstelle und begleitet sie als Gründungs- und Unternehmensberaterin auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Auf ihrem Blog gibt es Tipps und Tools für Selbstständige und Erfahrungsberichte und Interviews von und mit selbstständigen Frauen zu finden.

  • Mathias Ladenstein-Berg

    Man muss sich einfach auf den Hosenboden setzen und anfangen, da stimme ich voll zu!

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig die neuesten Updates der internationalen Startup-Szene!