Bringt schon früh Struktur in eure Abläufe und dokumentiert das auch

casavi digitalisiert Arbeits- und Kommunikationsprozesse in der Nutzung und Verwaltung von Immobilien

Stellen Sie sich und das Startup Unternehmen casavi doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Peter Schindlmeier und ich bin gemeinsam mit Oliver Stamm und David Langer einer der Gründer von casavi. Wir entwickeln eine Cloud Plattform für Digital Property Management, d.h. wir digitalisieren Arbeits- und Kommunikationsprozesse in der Nutzung und Verwaltung von Immobilien, um dadurch Aufwände und Kosten zu reduzieren sowie die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Das umfasst eine Service-App für Mieter und Wohnungseigentümer kombiniert mit einer Anbindung an die internen Systeme der Verwaltung. Auch externe Dienstleister – etwa Hausmeister oder Ablesedienstleister – lassen sich an unsere Plattform anbinden.

Wie ist die Idee zu casavi entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Oliver und ich haben uns ursprünglich in Australien kennengelernt und sind dann über Umwege beide 2012 in München gelandet. Oliver und David kannten sich noch vom Studium in Ulm. Wir alle hatten bedingt durch regelmäßige Umzüge eine Reihe frustrierender Erlebnisse mit Vermietern und Hausverwaltungen gesammelt. Daraus wurde die ursprüngliche Idee geboren, die Kommunikation im Wohnumfeld mittels einer Cloud-Lösung zu verbessern. Wir haben dann die Idee im Zuge unserer Teilnahme am Münchner Business Plan Wettbewerb weiter ausgearbeitet und parallel dazu Immobilienverwaltungen angesprochen, um unser Konzept zu validieren. Das erste Unternehmen fand es so spannend, dass wir noch im Vorstellungstermin eine verbale Zusage für einen gemeinsamen Piloten bekommen haben.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Uns war relativ schnell klar, dass wir die Unternehmensgründung nur in Vollzeit umsetzen konnten. Ende 2014 haben wir daher dann unsere Jobs gekündigt und uns der Entwicklung eines Prototyps gewidmet. Dank eines EXIST Stipendiums konnten wir dann ein Jahr lang ohne finanziellen Druck daran arbeiten, unser Produkt marktreif zu bekommen und weitere Kunden zu akquirieren. Diese beiden Faktoren haben dann auch eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass wir Anfang 2016 eine Seed-Finanzierung von HTGF und Bayern Kapital bekommen haben. Die größte Belastung in den letzten zwei Jahren war sicherlich die Fülle an Aufgaben, die man parallel zu bewältigen hat. Drei Gründer zu haben hilft schon mal ungemein, dass sich die Verantwortlichkeiten etwas besser verteilen. Dennoch ist die Lernkurve steil und der Zeitdruck permanent hoch.

Wer ist die Zielgruppe von casavi?
Wir richten uns mit unserer Plattform an Immobilienverwaltungen, Wohnungsunternehmen und Projektentwickler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt umfasst das eine Anzahl von Unternehmen im mittleren fünfstelligen Bereich.

Wie funktioniert casavi?
Aus Sicht eines Mieters oder Wohnungseigentümers funktioniert casavi ähnlich wie Service-Apps von Versorgungsunternehmen oder Online Banking. Ich erhalte von meiner Hausverwaltung bzw. vom Vermieter einen Zugang zur casavi App, um darüber dann Hausmitteilungen zu empfangen, Verträge oder Abrechnungen einzusehen sowie Serviceanfragen durchzuführen, z.B. eine Schlüsselnachbestellung oder Schadensmeldung. Gleichzeitig dient casavi auch als privates Netzwerk für meine unmittelbare Nachbarschaft. Im Hintergrund stellen wir dann sicher, dass unsere Plattform an die internen Prozesse und Systeme der Verwaltungen angebunden ist.

Welche Vorteile bietet casavi? Warum sollte man casavi nutzen?
Je nach Segment gibt es Unterschiede in den Schwerpunkten. Allgemein geht es unseren mittlerweile über 80 Kunden jedoch darum, dass sie ihre Prozesse optimieren und ihren Kunden einen besseren, transparenteren und moderneren Service bieten.

Wie ist das Feedback?
Das entscheidende Feedback für ein B2B Startup ist die Akzeptanz im Markt, sprich: zeigt deine Zielgruppe Interesse am Produkt und ist Sie bereit dafür zu zahlen. Beides ist bei uns seit Anfang an der Fall. Speziell im letzten Jahr konnten wir eine erfreuliche Wachstumskurve erzielen und unseren Kundenstamm verzehnfachen. Insgesamt verwalten unsere Kunden dabei mehr als 330.000 Wohneinheiten. Einen großen Teil dieser Neukunden konnten wir über Inbound-Kanäle gewinnen, was ebenfalls ein starkes Signal für die Marktrelevanz unserer Lösung ist.

casavi, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir wollen dieBranche maßgeblich unterstützen, das Geschäftsmodell des Digital Property Managements in den nächsten Jahren erfolgreich zu implementieren. Wir verstehen darunter die Verwaltung von Immobilien auf eine Art und Weise, die ganzheitlich digital gedacht ist, ähnlich wie es Number26 oder ähnliche Unternehmen im FinTech Bereich es vormachen. Das würde bedeuten, dass eine Verwaltung als ein digitaler Hub für spezialisierte Aufgabenbereiche – etwa Mieterbetreuung, Abrechnung, Facility Management, usw. – auftritt. Dafür ist es aber notwendig, eine viel stärkere Vernetzung und Integration der verschiedenen internen wie externen Beteiligten zu erreichen. Genau darin sehen wir unsere Rolle.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1) Kümmert euch von Anfang an um den Vertrieb eurer Lösung. Es öffnen sich viele Türen erst, wenn ihr neben einem tollen Produkt auch erste vertriebliche Erfolge vorzeigen könnt. 2) Bringt schon früh Struktur in eure Abläufe und dokumentiert das auch. Wenn man zu Dritt im eigenen Wohnzimmer an einem Prototyp bastelt, kommt einem das noch als Overkill vor. Aber sobald euer Vorhaben Fahrt aufnimmt, bleibt euch auch immer weniger Zeit solche Orga-Themen zu behandeln. 3) Macht nicht alles selbst. Richtig zu delegieren muss man erst mal lernen. Es ist aber überlebenswichtig für euer Startup, dass nicht immer alles über euren Schreibtisch wandern muss und ihr damit mehr Zeit für die wirklich werthaltigen Aufgaben habt.

Bildquelle Gerrit A. Leppelsack

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Peter Schindlmeier für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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