Alexander Kölpin: Gemacht ist besser als perfekt – das gilt eigentlich immer!

Treffen Sie Alexander Kölpin auf der StartupCon in Köln

Stelle dich doch unseren Lesern kurz vor!
Ich bin Alexander Kölpin, Geschäftsführer von WestTech Ventures. Ich habe vor WestTech einen anderen VC mitgegründet und war dort Vorstand und war davor in Berlin für Startups zuständig, habe davor in einem B2B SW Startup gearbeitet und als Unternehmensberater bei Arthur Andersen.

Stelle uns doch bitte WestTech Ventures vor?
WestTech Ventures ist ein technologisch orientierter Frühphaseninvestor mit Sitz in Berlin. Wir investieren sehr früh und früh: sehr früh in Startups in der PreSeedphase über unser Inkubatorprogramm Project Flying Elephant. Wir investieren direkt als WestTech früh in der Seedphase und helfen dann weiter über die Wachstumsphase bis hin zum Exit. Der thematische Fokus liegt auf Themen wie: Software, Software Engineering, B2B, SaaS, mobile Dienste, Medien, Medientechnologie und Education.

In welche Startups habt Ihr investiert?
Wir haben in einige Unternehmen investiert, die nun schon größer sind, wie Delivery Hero, Marley Spoon und auch Book a Tiger, aber auch in junge Techfirmen wie Remerge, Dalia Research, TestObject und TestHub.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Alexander Kölpin aus?
Gute Frage! Das reflektiert man zu selten. Oft versuche ich, Gespräche, in denen es nur um einen kurzen Austausch geht, um 8:30 in einem Cafe zu machen. Kurz nach 9 bin ich meist in unserem Büro oder in einem unserer beiden unicorn.berlin co-workingspaces und beantworte erst einmal die wichtigsten Mails. Dann Meetings/Skype calls mit einem unserer über 30 Portfoliounternehmen. Wir arbeiten mit den jüngeren davon sehr eng zusammen, manchmal wöchentliche Termine oder zweiwöchentliche. Bei den älteren nur monatlich oder bei Bedarf. Mittags esse ich oft mit Leuten, mit denen ich sowieso sprechen will, um die Zeit gut zu nutzen. Dann meist Meetings, auch intern, zu Investitionsentscheidungen oder anderen Aufgaben. Oft auch ein, zwei neue Meetings/call zu neuen Startupideen, die wir in kurzen calls in je einer Dreiviertelstunde kennen lernen wollen. Dann ein Vertrag o.ä., der verhandelt und gemacht werden muss und oft, fast zu oft, gibt es abends in Berlin einen interessanten Event, zu dem ich gerne gehen möchte.

Über welches Thema wirst du auf der StartupCon referieren?
Ich werde mir viele Pitches anschauen und durch Gespräche meine Verbindungen nach NRW hoffentlich stärken. Ich freue mich, auch andere Investoren und Multiplikatoren zu treffen. Ich werde zu earlystage Gründungen und Fundraising sprechen.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Sie ist viel, viel mehr im normalen Leben angekommen, bei allen Leuten, im Privaten wie bei den Konzernen. Es ist eine Branche geworden. Sie ist viel internationaler geworden und professioneller. Alle Ressourcen stehen Gründern zur Verfügung, nicht nur in Berlin. Mit Berlin hat Deutschland auch einen Ort gewonnen, zu dem Gründer und potentielle Startupmitarbeiter aus aller Welt kommen und Gründer aus ganz Deutschland zum networken und fundraisen. Englisch ist Arbeitssprache in unserer Branche geworden.

Welches sind die größten Fehler Junger Gründer?
Selten treffe ich schlecht vorbereitete Gründer. Was häufiger ist, dass sich Unternehmen ausgedacht werden, zu Problemen, die es eigentlich nicht gibt. Da hilft, mehr ehrliches Feedback, v.a. von anderen Foundern einzuholen. Das erdet. Geheimhalten schadet meist nur.
Was mich auch verwundert, ist die fehlende Hartnäckigkeit bei vielen Gründern. Wir kriegen sehr viele Pitches. Wir schauen uns auch alle an. Manchmal dauert es aber länger, bis wir antworten können. Wenn ich für mehrere Hunderttausend Euro einen Anteil an meinem Unternehmen an einen Investor verkaufen will und eine Mail schreibe und dann bei fehlender Antwort nach spätestens zwei Wochen nicht oder oft sogar nie nachverfolge, frage ich mich, wie dann die Gründer glauben, später Verkaufserfolge mit ihrem Produkt erzielen zu wollen.

Welches war das letzte Buch das du gelesen hast?
Bei einem Job, bei dem man täglich mit viele neue Menschen kennen lernt oder mit Menschen verhandelt, sie unterstützt oder ganz allgemein viel spricht, hilft es sehr, sich mal eine Stunde zu nehmen, in der man herunterkommen kann. Gelesen habe ich zur Unterhaltung „Source Code“ von William Gibson und zur Weiterbildung „The Epic Struggle of the Internet of Things“ von Bruce Sterling.

Wo siehst Du Dich in den nächsten fünf Jahren?
Ich würde gerne viele der jetzigen Portfoliounternehmen in der Zeit unterstützt und zum Exit verholfen haben. Ich kann mir eine Welt für mich ohne die Beteiligung an spannenden Neugründungen und Unternehmensaufbau nicht vorstellen.

Welche 3 Tipps hast du für Erstgründer?
Erstens: Seht Fundraising wie Sales. Ihr verkauft ein Produkt (Shares) für mehrere Hunderttausend Euro an einen Seedinvestor. Wenn man das so anpackt, dann klappt es auch.
Zweitens: Vesting gehört schon in den allerersten Vertrag zwischen den Gründern, auch ohne VC. Ich habe schon so viele gute Teams streiten sehen und auseinanderbrechen, dann ist ohne klares Vesting das ganze Projekt in Gefahr.
Drittens: Gemacht ist besser als perfekt – das gilt eigentlich immer!

Wir bedanken uns bei Alexander Kölpin für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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